Truppenreduktion

13. Mai 2013 16:46; Akt: 13.05.2013 18:01 Print

Arbeitgeber freuen sich über Armee-Abbaupläne

von Antonio Fumagalli - Verkürzung von RS und WK und ein kleinerer Truppenbestand: Während VBS-Chef Maurer den «Abbau von Sicherheit» beklagt, sparen Firmen laut dem Arbeitgeberverband mehrere Millionen ein.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

18 statt 21 Wochen Rekrutenschule und nur noch 100'000 Soldaten - Verteidigungsminister Ueli Maurer hat sich am Montag zu den Plänen über den Umbau der Armee geäussert. Eine schlankere Armee bedeute unter dem Strich «den Abbau von Sicherheit», sagte er.

Die geplante Reduktion des Truppenbestandes habe zur Folge, dass die Schweiz während mehrerer Wochen im Jahr «keine Armee» habe. «Wir bewegen uns in Zukunft auf relativ dünnem Eis», sagte der Bundespräsident an einem Kasernengespräch in Mägenwil AG.

Schlanker und flexibler: Das sind die Merkmale, welche die künftige Armee laut Maurer aufweisen soll. Dafür soll der Truppenbestand von heute rund 180'000 Armeeangehörigen auf 100'000 reduziert werden. Die Rekrutenschule würde 18 statt 21 Wochen dauern, und die Zahl der Ausbildungstage würde von 260 auf 225 Tage reduziert. Die Wiederholungskurse wiederum sollen neu zwei statt drei Wochen dauern.

Good news für die Arbeitgeber

Der Schweizerische Arbeitgeberverband reagiert mit Zufriedenheit auf Maurers Pläne: «Wir begrüssen es, wenn die Arbeitnehmer so kurz wie nötig vom Arbeitsplatz abwesend sind», sagt Ruth Derrer Balladore, Mitglied der Geschäftsleitung. Dass die Militärkarriere in Zukunft früher abgeschlossen sein wird, sei ein «Schritt in die richtige Richtung». Wie viel die Unternehmen dank der Verkürzung der Dienstdauer einsparen, sei schwierig zu beantworten – Derrer Balladore schätzt die Summe auf «mehrere Millionen Franken pro Jahr». Da ein Grossteil der Ausfälle von der Erwerbsersatzordnung entschädigt werde, sei der Verlust von Know-How während der Abwesenheit aber viel entscheidender als die finanzielle Komponente.

Die Abschaffung der Dienstpflicht – wie sie die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSOA) fordert – ist hingegen kein Anliegen des Arbeitgeberverbandes, dafür sei die Armee zu entscheidend für die Sicherheit des Landes. Nur: Wo liegt die richtige Balance zwischen militärischer und beruflicher Anwesenheit? Derrer Balladore will sich nicht auf die Äste hinauslassen: «Die Beantwortung dieser Frage liegt nicht in unserer Kompetenz.»

Wieviel spart die EO ein?

Das Bundesamt für Sozialversicherungen kann die möglichen Einsparungen aufgrund der Verringerung der Anzahl Diensttage noch nicht beziffern: «Die Angaben, die wir für eine genaue Berechnung benötigen, liegen uns noch nicht vor», sagt Sprecher Rolf Camenzind.

Ein Blick in die Statistik gibt aber einen Eindruck, in welcher Grössenordnung sich die Zahlen bewegen könnten: Multipliziert man die durchschnittliche Erwerbsausfallentschädigung von täglich rund 105 Franken pro Militärdienstleistendem (Zahlen aus dem Jahr 2011) mit rund 900'000 Diensttagen, die künftig eingespart werden werden sollen, ergibt dies nicht ganz 100 Millionen Franken jährlich.

Kritik von rechts

Die Gruppe Giardino, eine Vereinigung von konservativen Offizieren, lässt kein gutes Haar an den VBS-Plänen: «100'000 Wehrleute reichen bei weitem nicht aus, um die nötige Durchhaltefähigkeit zu gewährleisten», sagt Sprecher Markus Müller. Er spricht von «verfassungswidriger Salamitaktik» und vom «Tod der Milizarmee»: Bei jeder Armeereform werde versprochen, dass für die verbleibenden Truppen anteilsmässig mehr Mittel zur Verfügung stünden, doch dann werde weiter abgebaut. Es sei nun Zeit für einen Kurswechsel.

Für die GSOA, deren Initiative zur Abschaffung der Dienstpflicht im September zur Abstimmung kommt, geht der Abbau hingegen zu wenig weit: «Wo ist der Unterschied, ob man sich im WK zwei oder drei Wochen langweilt», fragt Sekretär Stefan Dietiker rhetorisch. Er wirft dem VBS vor, die Abstimmung beeinflussen zu wollen. Nun könne man dem Volk erzählen, dass man ja etwas unternehme.

Im Juni in die Vernehmlassung

Die Abbaupläne des VBS sind Teil des Projekts «Weiterentwicklung der Armee» (WEA), die Armee soll in Zukunft aus dem Stand auf ausserordentliche Ereignisse reagieren können. Und das sind laut Maurer kaum Verteidigungskriege, sondern beispielsweise Naturkatastrophen. Die Unterstützung der zivilen Behörden ist denn auch eine der zentralen Aufgaben der künftigen Armee.

Die Änderung des Militärgesetzes wird laut Maurer im Juni in die Vernehmlassung geschickt. Die Umsetzung der Armeereform soll dann 2016 beginnen und 2020 abgeschlossen sein.

(Mit Material von der SDA)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Henry am 13.05.2013 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Armee Auflösungserscheinungen

    Machiavelli, der Historiker hat vor schon gesagt: Ein Staat, der seine Verteidigungsfähigkeit aufgibt, ist verloren. Wir sind auf dem besten Weg dazu!

    einklappen einklappen
  • A. Berger am 13.05.2013 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wehrpflichtersatz?

    Wird dort auch abgebaut? Bin auf einem Auge blind und doppelt UT!

  • Politiker am 13.05.2013 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterentwicklung der Armee?

    Welche Weiterentwicklung? Eine Armee braucht auch zeitgemässe Waffen. Das wird jedoch nicht berücksichtigt, bei der besten Armee der Welt welche gegen Piraten kämpfen will. Was mich erstaunt da hat Maurer ein Budget von 5 Milia. mehr als alle anderen und nun will er abbauen? Wird das Budget auch gekürzt?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 14.05.2013 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    500 Jahre Frieden

    Im Jahre 1514 war die Schweiz das letzte Mal in einem Krieg verwickelt, nun das bedeutet nächstes Jahr feiert die Schweiz 500 Jahre Frieden, warum braucht es noch eine 180'000 Mann Armee? Es wäre deutlich nützlicher eine Armee zu bilden mit freiwilligen Männern und Frauen statt jeden dazu zu zwingen und statt viele Menschen am Boden zu haben, mehr Flugzeuge, denn im Falle eines Krieges werden nur Flugzeuge etwas nützen. Die Armee wäre auch mit Freiwilligen noch genügend besetzt und vor allem sehr motiviert. Die Armee müsste einiges ändern, dann wäre dies eine sehr gute und motivierte Armee.

  • Do me am 13.05.2013 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    DD-Dienst

    Ich wäre dafür das WK-Model abzuschaffen und nur DD-Dienste zu machen... das ist viel effizienter ;) Ich hab es auf jeden Fall nie bereut DD zu machen!

  • m.odi am 13.05.2013 17:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absolut dagegen

    Ich bin Absolut gegen den Abbau. So fallen wieder viele Arbeitsstellen weg. Ist ja nur einer der grössten Arbeitgeber, Abnehmer von Waren/Produkten in der Schweiz!!! Die Armee hat dann keine wirklich gut ausgebildeten Leute mehr,... Was passiert im Ernstfall? - Jeder für sich?

  • B. Granate am 13.05.2013 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Dekadent

    Denn bessten Kommentar schreib jemand der die Ausländer dafür schuldig macht. Haben Sie gehört Herr Bundespresident? Die Ausländer sind Schuld. Auch wenn kein einziger Ausländer mehr in der Schweiz wäre würden die Schweizer nicht glücklicher sein.

  • Marcel Kobler am 13.05.2013 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit dem Milizsystem

    In ganz Westeuropa haben nur noch die Schweiz und Österreich eine Milizarmee. Bitte weiter so, das freut mich, die Bundeskasse und die Arbeitgeber. Warum sich Leute mit einer Armee sicherer fühlen verstehe ich übrigens auch nicht.