Ernst gemeinter Spass

15. September 2017 05:41; Akt: 15.09.2017 05:41 Print

Bringt Kebab-Verbot Burka-Initiative zu Fall?

von D. Pomper - Mit der Spassinitiative «Ja zum Kebabverbot» will eine Gruppe gegen das Burkaverbot mobilmachen. Kritik wird laut.

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Auf der Facebookseite «Ja zum Kebabverbot – Volksinitiative» posiert SVP-Nationalrat Walter Wobmann vor einer Schweizer Flagge. In der Hand hält er ein Schild mit einem durchgestrichenen Kebab. Daneben steht der Text: «100'000 Unterschriften gesammelt! Schweiz stimmt über ein Kebab-Verbot ab. Gratuliere, Walter!»

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Sollte die Burka in der Schweiz verboten werden?
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Insgesamt 12549 Teilnehmer

User empören sich: «Jetzt ess ich nur no Döner und Dürüm. Fick dis Verbot», «Das ist absolut dumm», «Nur hirnlose Bastarde kommen auf solche Ideen», schreiben sie. Ein anderer User dagegen vermutet einen Scherz der Burkabefürworter – und liegt damit richtig. Erst diese Woche sind die 100'000 Unterschriften für die Burka-Initiative des Egerkinger Komitees zusammengekommen. Die Schweizer Stimmberechtigten können aller Voraussicht nach über ein Verhüllungsverbot abstimmen.

«Vergleich zeigt, wie absurd das Burkaverbot ist»

Ein Ja will der Social-Media-Berater Daniel Graf mit allen Mitteln verhindern. Deshalb hat er die Kebab-Kampagne lanciert. «Die Forderung nach einem Kebabverbot soll zeigen, wie absurd der Ruf nach dem Burkaverbot ist», sagt Graf. Zu verlangen, ausländisches Essen aus dem Verkehr zu ziehen, sei genauso unsinnig, wie ein bestimmtes Kleidungsstück mit einem bestimmten religiösen Hintergrund zu verbieten. «Mit einem Burkaverbot würden Menschen ausgegrenzt – genau so, wie wenn wir Kebabliebhaber aussen vor liessen», sagt Graf, der seit der Aktion als «Kebab-Terrorist» und «Hurensohn» beschimpft wurde.

Frauen hätten das Recht, selber über ihre Kleider zu bestimmen. Denjenigen Frauen, die im Namen einer Religion unterdrückt würden, helfe man mit einem Verbot nicht weiter. Stattdessen müsse man ihnen Unterstützung bieten, damit sie die Isolation durchbrechen könnten.

Der Initiant der Burka-Initiative Walter Wobmann wusste bislang nichts von der Kebab-Volksinitiative und der Fotomontage. «Das ist ja unter jedem Hund», sagt Wobmann, der nun rechtliche Schritte gegen Graf prüft. Der Vergleich zwischen einem Kebab- und einem Burkaverbot sei völlig absurd: «Wenn jemand einen Kebab isst, dann stört das niemanden.» Eine Burka dagegen löse Unsicherheit aus, da man nicht erkenne, wer sich darunter befinde.

«Mit der Kebab-Initiative verharmlosen sie eine totalitäre Ideologie»

Saida Keller-Messahli, Präsidentin vom Forum für einen fortschrittlichen Islam, wirft den Initianten Naivität vor: «Die Burka steht nicht für Glaubensfreiheit, sondern für ein politisches Programm, das von Menschenrechten nichts hält.» Die totale Verschleierung sei Ausdruck des antidemokratischen islamistischen Salafismus: «Hier zählen Menschenrechte, Gleichberechtigung der Geschlechter, Freiheit und Selbstbestimmung nichts, sondern nur das Gottesgesetz, die Scharia.»

Indem der Kebab mit einer Burka gleichgesetzt werde, verharmlosten die Initianten diese totalitäre Ideologie. Dieser Kulturrelativismus sei leider typisch für viele Linke. «Sie glauben, dass es sich um ein kulturelles Zeichen handelt. Dabei ist es ein Herrschaftsinstrument, mit dem Männer Macht über Frauen ausüben.»

Auch das Argument der Selbstbestimmung der Frau lässt Keller-Messahli nicht gelten: «In vielen Fällen können wir nicht von Wahlfreiheit sprechen.» Der Schleier sei meist ein Mittel der Kontrolle, welches Islamisten ihren Töchtern von Kindesbeinen an aufdrängten. Sie werde regelmässig von Frauen kontaktiert, die in einer repressiven Umgebung aufwüchsen. Auch die Frauen, die sich freiwillig verhüllten, müssten sich hierzulande an gewisse Regeln halten: «Es geht nicht, dass Menschen in einer offenen, demokratischen Gesellschaft ihr Gesicht verhüllen. Wir müssen wissen, mit wem man es zu tun hat.»