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Analyse
14. Juni 2012 08:41; Akt: 14.06.2012 10:51 Print
Asylpolitik für das Publikum
von Lukas Mäder - Der Nationalrat hat das Asylgesetz verschärft. Nicht alle Änderungen sind tatsächlich wirksam. Wichtiger war offenbar, Härte und Wille zum Handeln zu demonstrieren.

Wollen die Nationalräte tatsächlich wirksame Massnahmen im Asylbereich? Asylbewerber im Empfangs- und Verfahrenszentrum in Basel, aufgenommen 2006. (Bild: Keystone)
In einer Monsterdebatte hat der Nationalrat am Mittwoch zahlreiche Verschärfungen des Asylgesetzes beschlossen. Das Resultat ist für den FDP-Präsidenten Philipp Müller
Philipp
Müller
FDP-Liberale, AG
NationalratVerbunden mit
Automobil Club der Schweiz (ACS), Sektion Mittelland
weitere Verbindungen anzeigen ein Erfolg auf ganzer Linie. Zusammen mit Heinz Brand
Heinz
Brand
SVP, GR
NationalratVerbunden mit
Flury Stiftung, Schiers
weitere Verbindungen anzeigen von der SVP und Gerhard Pfister
Gerhard
Pfister
CVP, ZG
NationalratVerbunden mit
Tagesschule Elementa AG, Menzingen
weitere Verbindungen anzeigen von der CVP hat er durchgebracht, dass Asylbewerber künftig grundsätzlich nur noch Nothilfe erhalten sollen, dass renitente Gesuchsteller in speziellen Zentren untergebracht werden können und dass Flüchtlinge in Schweizer Botschaften künftig kein Asylgesuch mehr stellen können. Einzig beim Familienasyl verhinderte der sozialere Teil der CVP-Fraktion, dass es vollständig gestrichen wurde.
Der Nationalrat hat am Mittwoch folgende grossen Änderungen des Asylgesetzes beschlossen:
- Asylbewerber erhalten keine Sozialhilfe mehr, sondern nur noch Nothilfe. Explizit ausgenommen sind besonders verletzliche Personen wie Familien mit kleinen Kindern, Alte, Kranke oder Traumatisierte.
- Wehrdienstverweigerung und Desertion sind keine Asylgründe mehr.
- Asylgesuche können nicht mehr auf den Schweizer Botschaften im Ausland eingereicht werden.
- Das Familienasyl wird nicht abgeschafft. Ehegatten und Kinder von anerkannten Flüchtlingen erhalten weiterhin Asyl, andere Angehörige jedoch auf keinen Fall mehr.
- Renitente Asylbewerber können in besonderen Zentren untergebracht werden, die jedoch nicht geschlossen sind. Zusätzlich kann den Bewohnern vorgeschrieben werden, sich in einem bestimmten Rayon um das Zentrum herum aufzuhalten.
- Der Bund kann befristet auf ein Jahr Asylunterkünfte einrichten, ohne dafür eine Bewilligung von Gemeinde oder Kanton zu haben.
Am Donnerstagnachmittag führt der Nationalrat seine Beratungen weiter. Die Gesetzesänderung kommt im September wieder in den Ständerat, der bisher noch keine solchen weitgehenden Änderungen beschlossen hat. (mdr)
Die Massnahmen in der «Lex Müller» erwecken beim Publikum den Anschein einer neuen Härte angesichts der hohen Asylzahlen. Doch ihre Wirksamkeit darf in mehreren Punkten angezweifelt werden. Zwar soll die Streichung der Sozialhilfe die Attraktivität der Schweiz als Asylland senken, argumentierten die Befürworter. Doch selbst SVP-Nationalrat Christoph Blocher
Christoph
Blocher
SVP, ZH
NationalratVerbunden mit
Robinvest AG, Männedorf
weitere Verbindungen anzeigen sagte in der Debatte, dass auch die beschlossene Nothilfe noch interessant sei für Asylsuchende – angesichts des grossen Wirtschaftsgefälles zwischen der Schweiz und den Herkunftsländern.
Inkonsequente Ausgestaltung
Gleichzeitig mussten Müller und seine Mitstreiter aus SVP und CVP bei diesem Punkt Kompromisse eingehen, um eine Mehrheit zu sichern. Im Endresultat hat die beschlossene Nothilfe für Asylbewerber kaum etwas mit dem System zu tun, das heute für Abgewiesene oder Personen mit Nichteintretensentscheid gilt. So erhalten besonders schutzwürdige Personen wie Familien oder Frauen mit Kindern, ältere Personen oder Kranke und Traumatisierte weiterhin Sozialhilfe. Weiter sollen sich Asylbewerber auch tagsüber in ihren Unterkünften aufhalten können – im Unterschied zu bisherigen Personen mit Nothilfe, die am Morgen die Notschlafstelle verlassen müssen. Schliesslich dürfen Asylbewerber auch künftig an Beschäftigungsprogrammen teilnehmen. Deren Förderung hat der Nationalrat ebenfalls am Mittwoch beschlossen, in der Hoffnung auf eine bessere Integration der Asylsuchenden. Diesem Anliegen läuft die Streichung der Sozialhilfe hingegen grundsätzlich entgegen.
Nicht nur bei der Streichung der Sozialhilfe stellt sich die Frage, ob das Ziel der Nationalräte eine Verbesserung im Asylwesen war – oder sie eher die Gunst der Wähler im Auge hatten. Die Streichung von Wehrpflichtverweigerung und Desertion als Asylgrund beispielsweise, die insbesondere mit Blick auf die Eritreer vorgenommen wurde, dürfte wirkungslos bleiben. Gemäss Aussagen von Justizministerin Simonetta Sommaruga müssten solche Flüchtlinge weiterhin aufgenommen werden, da sie in Eritrea an Leib und Leben bedroht seien. Die Flüchtlingskonvention hat hier Vorrang. Das Gleiche gilt für sogenannte Nachfluchtgründe, wenn also erst nach dem Verlassen der Heimat eine Gefährdung entstanden ist, beispielsweise durch politische Aktivitäten.
Plötzlich ist das Problem dringend
Einen schalen Nachgeschmack hinterlässt auch die Vorgehensweise der bürgerlichen Migrationspolitiker bei der Lancierung ihrer Ideen. Müller hat seinen Kompromissvorschlag zur Nothilfe erst am Dienstagmittag eingereicht – in letzter Minute. Dies verunmöglichte es der Kommission, darüber zu diskutieren. Entsprechend unüblich fiel das Votum des Kommissionssprechers Kurt Fluri
Kurt
Fluri
FDP-Liberale, SO
NationalratVerbunden mit
Regiobank Solothurn, Solothurn
weitere Verbindungen anzeigen (FDP) aus, als er ausführlich auch über den Einzelantrag seines Parteipräsidenten Müller referierte – und damit für Unruhe im Saal sorgte. Ebenso kurzfristig reichte Müller seinen Antrag auf Dringlichkeit mehrerer Massnahmen ein, der gleichfalls eine klare Mehrheit im Rat fand. Tatsächlich klingt Dringlichkeit gut. Doch warum das Asylproblem praktisch über Nacht dringlich wurde, bleibt unklar. Auch der Zeitgewinn durch diese ungewöhnliche Massnahme ist gering: Er dürfte gerade einmal vier Monate betragen.
Dass die Politiker problematische Entwicklungen im Asylbereich angehen oder zumindest diesbezüglich Druck auf den Bundesrat machen, ist angebracht. In der gut achtstündigen Debatte – die am Donnerstagnachmittag fortgesetzt wird – bestritt denn auch niemand, dass die Situation im Asylbereich unbefriedigend ist. Alle Parteien konstatierten, dass die Verfahren viel zu lange dauern und dass es Probleme beim Vollzug gebe. Doch die aktuelle Asylgesetzrevision kann gegen diese entscheidenden Mängel wenig ausrichten. Nötig wäre eine Anlehnung an das holländische Modell, bei dem die Verfahren in grossen Zentren innerhalb weniger Wochen abgeschlossen werden. Bis Ende Jahr will Sommaruga dazu einen Vernehmlassungsentwurf vorstellen. Noch vorher geht die Diskussion über das Asylgesetz im Ständerat weiter. Gut möglich, dass die Kleine Kammer die publikumswirksamen Massnahmen wieder streicht
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Ich Asylant möchte nicht in die Schweiz
Nicht wegen der Politik, die schafft mir zwar systematisch einen Paragraphendschungel mit regionaler Ausprägung, der mich jahrelang zum warten verurteilt. Bin durch die Dynamik systematischer Fehlinformation gar schon wieder an Leib und Leben bedroht. Nein ich möchte hier nicht bleiben, weil es mir zu unfreundlich und zu kalt ist in einem Land, dass sich weiteherum humanitär prahlt und heuchelt, mir mit Vehemenz und Enthusiasmus die letzen Rechte kürzt. Das reiche Volk klatscht Beifall. In der Zeitung muss ich lesen ich sei im Paradies. Nein Leute danke, ihr habts erreicht. Seid stolz , i go.
Ich kann
Ich kann mir keine Fr. 8.00 Taschengeld pro Tag leisten.
Niemand wird hungern
Es wäre an der Zeit, dass kompetente Stellen auflisten würden, was die Nothilfe ausser dem Tagessatz von z.B. Fr. 8.- sonst noch leistet, egal mit Geld, Gutscheinen oder sonstwie. Das gäbe bei Gegnern bestimmt ein Aha-Erlebnis, wenn sie wissen, dass das Geld nicht für Essen und die täglichen minimalen Bedürfnisse gedacht ist.