Treffen in Genf

20. Januar 2016 07:57; Akt: 20.01.2016 11:17 Print

Geheimdeal schützte Schweiz vor PLO-Terror

Die Entführung einer Swissair-Maschine sorgte 1970 für geheime Verhandlungen zwischen dem Bundesrat und der PLO. Diese rücken auch den Absturz von Würenlingen in ein neues Licht.

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Der islamistische Terror ist in Europa allgegenwärtig. Nach den Anschlägen in Paris wurde in Brüssel die Alarmstufe erhöht. Und auch in Genf musste im Dezember nach einem Polizeiansatz die Terrorwarnstufe kurzzeitig angepasst werden. Staatschefs betonen, dass sie sich auf keine Verhandlungen mit Terroristen einlassen. Just zu dieser Zeit kommen brisante Details aus der Schweizer Geschichte ans Licht.

So soll Alt-Bundesrat Pierre Graber die Schweiz in den 1970er-Jahren vor Terroranschlägen bewahrt haben. Wie die NZZ berichtet, schloss der damalige Aussenminister mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ein Stillhalteabkommen ab. Dieses soll beinhaltet haben, dass die Schweiz die PLO, die damals als terroristische Organisation eingestuft worden war, in ihrem Bestreben nach diplomatischer Anerkennung bei der UNO unterstützte. Im Gegenzug wurde der Schweiz zugesichert, sie von terroristischen Anschlägen zu verschonen.

Auslöser des Abkommens war die Entführung einer Swissair-Maschine im September 1970 durch eine palästinensische Kommandogruppe. Drei Wochen lang verhandelte der Bundesrat mit den Entführern, bis die Geiseln freikamen. Auf dem Höhepunkt der Krise soll es in Genf zu geheimen Gesprächen gekommen sein. Laut dem Artikel waren neben Bundesrat Graber auch der Schweizer Geheimdienstchef, der Bundesanwalt sowie Kantonsvertreter aus Genf anwesend.

Immer neue Forderungen

Sie trafen sich mit der palästinensischen Delegation um Farouk Kaddoumi, dem damaligen Aussenbeauftragten der PLO. Vermittelt wurde der Kontakt von Jean Ziegler, wie der langjährige SP-Nationalrat der Zeitung bestätigt.

Man habe das Land vor terroristischen Anschlägen bewahren wollen und deshalb «in guter Absicht» gehandelt, sagt der heute 81-Jährige. Laut der NZZ hätten die Palästinenser von der Schweiz in den folgenden Jahren immer wieder neue Zugeständnisse gefordert. Die Drohung: Bei einer Ablehnung könne nicht mehr für die Sicherheit der Schweiz garantiert werden.

Keine Anklage bei Würenlingen-Absturz

Durch diese Enthüllung nach einem knappen halben Jahrhundert erscheint auch eines der grössten Verbrechen der jüngeren Schweizer Geschichte in einem neuen Licht. Durch einen Bombenanschlag stürzte eine Swissair-Coronado am 21. Februar 1970 – also mehrere Monate vor dem Abkommen – in der Aargauer Gemeinde Würenlingen ab. 47 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Verdacht stand damals ein Mitglied einer palästinensischen Kommandogruppe, der Jordanier Sufian Kaddoumi.

Der Bundesanwalt hätte nach dem Treffen mit Kaddoumis Namensvetter in Genf Anklage gegen den Mann erheben müssen, schreibt die NZZ. Dies geschah allerdings nicht. Bis heute ist der Absturz nicht restlos geklärt.

(dia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter J. am 20.01.2016 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zwei Seiten der Medaille

    Gut gemeint und danach erpressbar geworden.

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  • 142w am 20.01.2016 09:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diplomatie vs terror

    Das zeigt dass man mit dem terror nicht verhandeln soll

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  • El Mac am 20.01.2016 09:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erpressbar

    Die Regierung hat schlecht gehandelt. Einer Terrororganisation, die sich mit Gewalt Stimmen kauft, darf nicht getraut werden! Das ist falsch in allen Sinnen und Richtungen. Gedenken an die Opfer des/der Attentate.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • S. Schild am 20.01.2016 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Akten veröffentlichen

    Wird Zeit dass dieses Ereignis nun vollkommen und lückenlos geklärt wird, indem die wohl unter verschluss gehaltenen Akten zugänglich gemacht werden. Das ist das mindeste was die Regierung noch tun kann. Die Angehörigen haben sicher nach wie vor Fragen die nicht geklärt worden sind - jetzt wird es Zeit das aufzuarbeiten, fast 50 Jahre nach dem Ereignis.

  • Freddy am 20.01.2016 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zensurierte Welt

    Da sieht man wieder, es wird gelogen und verheimlicht. Fakt ist, wir erfahren wenig oder das falsche und nur das was wir wissen dürfen. Ich kenne noch andere Fälle. Das der Jean Ziegler spricht, ja, hätte es schon früher machen sollen aber trotzdem grossen Mut. Danke.

    • Taco am 20.01.2016 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freddy

      Ohne mich jetzt näher damit befasst zu haben, frag ich mich wieso die Angelegenheit just einige Wochen vor der Abstimmung zur Initiative gegen Nahrungsmittelspekulation aufkommt, welche ja von Ziegler angeschoben wurde

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  • Epilog am 20.01.2016 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich ist nicht dasselbe

    Soso, und wenn man als Arbeitnehmer sich vom Kunden ein Geschenk geben lässt, ist man mit einem Bein schon im Gefängnis. Da soll jemand noch die Logik verstehen.

  • Oli am 20.01.2016 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Riesige Schneise im Wald

    War schon ein paar mal beim Memorial in Würenlingen. Die Opfer hätten besseres verdient gehabt.

  • Villiger Bewohner am 20.01.2016 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wann?

    Wir haben damals beim Würenlinger Absturz im Villiger Feld gewohnt und ich musste als 5-jähriger dem Absturz zusehen. Mein Vater war in der Feuerwehr und hat 1 Woche lang Leichenteile zusammengesammelt. Kürzlich habe ich als Vergangenheitsbewältigung (ich träume heute noch ab und zu vom Drama) den Absturzort besucht und mich in diesem Zusammen wirklich gefragt: Was verheimlicht uns die Schweizer Regierung bis heute! Wann werden endlich die Angehörigen korrekt informiert! Wie kann politischer Druck aufgebaut werden, dass hier endlich Aufklärung passiert!