Sans-Papier-Bewegung

01. Oktober 2011 18:43; Akt: 02.10.2011 00:54 Print

«Schluss mit der Heuchelei»

Rund 100 000 Sans-Papiers leben und arbeiten in der Schweiz – manche von ihnen zahlen sogar in die Sozialversicherung ein. 2000 Personen forderten in Bern daher mehr Rechte für Papierlose.

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Anlass der Kundgebung war das 10-Jahre-Jubiläum der «Sans-Papiers-Bewegung». (Bild: Keystone)

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Hunderte Personen haben am Samstag in Bern für die Rechte der Sans-Papiers demonstriert. Sie forderten «Schluss mit der Heuchelei». Nach Angaben der Organisatoren folgten 5000 Personen dem bunten Zug durch die Berner Innenstadt; ein sda-Reporter vor Ort zählte rund 2000 Demonstrierende.

Einerseits nehme man die Arbeitskraft der Sans-Papiers gerne in Anspruch, andererseits verweigere man den Menschen die Grundrechte, kritisierten die Organisatoren von der schweizerischen Sans-Papiers- Bewegung in ihrer Mitteilung vom Samstag. Sie forderten «die kollektive Regularisierung der in der Schweiz ansässigen Sans- Papiers».

Nach Angaben der Organisatoren nahmen an der Kundgebung auch mehrere hundert Somalierinnen und Somalier teil, die auf die Probleme von vorläufig aufgenommenen Personen aufmerksam machten.

10-Jahre-Jubiläum

Anlass der Demonstration war das 10-Jahre-Jubiläum der Sans- Papiers-Bewegung. Diese nutzte die Demonstration auch, um an ihre Petition «Schluss mit der Heuchelei!» zu erinnern.

Die Petition ist Anfang Mai lanciert worden und fordert unter anderem einen Stopp der Zwangsausschaffungen oder mehr Rechte für die schulpflichtigen Kinder von Papierlosen. Mitte Oktober soll die Petition dem Bundesrat übergeben werden.

Die Demonstration ging am frühen Samstagabend auf der Schützenmatte bei der Berner Reitschule zu Ende. Anschliessend fand dort ein Festival unter dem Motto «Grenzen sprengen» statt. Organisiert wurde das Fest mit Musik und Essensständen von der Jugendorganisation der Gewerkschaft Unia.

Auch Sommaruga spricht von Heuchelei

Unterstützung erhielten die Demonstranten am Samstag von Justizministerin Simonetta Sommaruga, die am SP-Parteitag in Biel auftrat: Auch die Bundesrätin bezeichnete den Umgang mit den Sans- Papiers als «eine der grössten Heucheleien in unserem Land».

Was sie damit meint, hatte sie Anfang September in einem Interview mit dem Westschweizer «L'Hebdo» erklärt: Zum einen erkläre man den Papierlosen, ihre Situation sei illegal, zum anderen gebe es viele Arbeitgeber, welche Sans-Papiers schwarz beschäftigten und von ihnen profitierten.

Nach Angaben der Sans-Papiers-Bewegung leben in der Schweiz über 100'000 Sans-Papiers. Diese Menschen leben und arbeiten zum Teil seit Jahren in der Schweiz - ohne eine Aufenthaltsbewilligung. Manche von ihnen zahlen sogar Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Die Demonstration wurde von über 100 Organisationen und politischen Parteien unterstützt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kathrin am 03.10.2011 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    100'000 Illegale zahlen keine Billag!

    die 100'000 Illegalen - vermutlich sind's ja eh 200'000 - zahlen weder Steuern noch Billag Gebühren was locker 46 Millionen in die TV Kasse bringen würde. Der gesamte Volkswirtschaftliche Schaden, den die Illegalen Einwanderer in der Schweiz verursachen bläuft sich auf mindesten 5 Milliarden Franken!

  • Guggus am 02.10.2011 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Helft euren eigenen Ländern beim Aufbau

    Vermutlich würden 99% dieser Sanspapiers kein Asyl und keinen sonstigen Aufenthaltsstatus erhalten, weil die Bedingungen dafür nicht erfüllt sind. Auch in deren Heimatländern kann man leben. Vielleicht nicht ganz so gut, wie bei uns, aber das allein ist kein Grund, hier zu bleiben. Wie bitte soll es in solchen Ländern jemals aufwärts gehen, wenn alle auswandern? Wer nicht an Leib und Leben in Gefahr ist, soll in seinem eigenen Land helfen, etwa zu verändern und den Lebensstandart der Menschen zu verbessern. Wirtschaftsflüchtlinge sollen bei sich zu Hause arbeiten. Dort sind sie dann "legal".

    einklappen einklappen
  • Demokrat am 02.10.2011 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elende HeuchlerIn

    Das ist doch der Gipfel der Unverschämtheit, dass sich unsere Justizministerin für Illegale einsetzt! Kann ich auch mit ihrer Unterstützung rechnen, wenn ich wieder einmal eine Busse wegen zu langen Parkens oder 5km zu schnellen Fahrens erhalte? Diese Pianistin gehört abgewählt, dafür nähme ich auch Parkbussen inkauf!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Kathrin am 03.10.2011 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    100'000 Illegale zahlen keine Billag!

    die 100'000 Illegalen - vermutlich sind's ja eh 200'000 - zahlen weder Steuern noch Billag Gebühren was locker 46 Millionen in die TV Kasse bringen würde. Der gesamte Volkswirtschaftliche Schaden, den die Illegalen Einwanderer in der Schweiz verursachen bläuft sich auf mindesten 5 Milliarden Franken!

  • Guggus am 02.10.2011 21:15 Report Diesen Beitrag melden

    Helft euren eigenen Ländern beim Aufbau

    Vermutlich würden 99% dieser Sanspapiers kein Asyl und keinen sonstigen Aufenthaltsstatus erhalten, weil die Bedingungen dafür nicht erfüllt sind. Auch in deren Heimatländern kann man leben. Vielleicht nicht ganz so gut, wie bei uns, aber das allein ist kein Grund, hier zu bleiben. Wie bitte soll es in solchen Ländern jemals aufwärts gehen, wenn alle auswandern? Wer nicht an Leib und Leben in Gefahr ist, soll in seinem eigenen Land helfen, etwa zu verändern und den Lebensstandart der Menschen zu verbessern. Wirtschaftsflüchtlinge sollen bei sich zu Hause arbeiten. Dort sind sie dann "legal".

    • Sebastian am 04.10.2011 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      DITO!

      Genau!

    einklappen einklappen
  • Demokrat am 02.10.2011 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elende HeuchlerIn

    Das ist doch der Gipfel der Unverschämtheit, dass sich unsere Justizministerin für Illegale einsetzt! Kann ich auch mit ihrer Unterstützung rechnen, wenn ich wieder einmal eine Busse wegen zu langen Parkens oder 5km zu schnellen Fahrens erhalte? Diese Pianistin gehört abgewählt, dafür nähme ich auch Parkbussen inkauf!

  • B. Kerzenmacher am 02.10.2011 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei?

    Erstens sollte man klarstellen dass wer erst einmal hier ist nicht wieder geht, Papiere hin oder her. Eine Heuchelei ist es in der Tat der Bevölkerung vorzuspielen wer illegal hier ist hätte das Land wieder zu verlassen. Die Kraft das durchzusetzen besitzt man in der CH gar nicht, noch nicht.

  • Heinrich Zimmermann am 02.10.2011 07:45 Report Diesen Beitrag melden

    Papierlos, bessere Chance

    Ich glaube einfach nicht dass 100 000 Papierlose geben soll. Der Verdacht ist doch nicht abwegig, dass man Papiere einfach versteckt und sich als Papierlose bessere Chancen einräumt. Zudem Frau Sommaruga, es ist sciher eine fieser Zusammenhang herzustellen zwischen Papierlosen und billigen Arbeitskäften die gesucht seien. Als Bundesrätin würde ich mir solche Aussagen verkneifen und auf Problemlösungssuche gehen.