Remo Stoffel

19. Juli 2012 20:34; Akt: 19.07.2012 20:43 Print

«Ich bin kein Mister Perfect»

von Gaudenz Looser / Désirée Pomper - Der umstrittene Immobilienunternehmer Remo Stoffel, der die Valser Therme erworben hat, behauptet Opfer einer millionenschweren Medienkampagne zu sein.

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Immobilienunternehmer Remo Stoffel beim Interview mit 20 Minuten. (Bild: 20 Minuten)

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Herr Stoffel, seit Sie und nicht Stararchitekt Peter Zumthor den Zuschlag für das Thermenhotel in Vals bekommen haben, ist die Gemeindebevölkerung gespalten. Trauen Sie sich noch durchs Dorf zu gehen?
Die Zumthor-Fraktion ist eine kleine, isolierte Splittergruppe. Die Polemik um den Untergang der Valser Kultur ist von den Medien inszeniert. Ich engagiere mich ja gerade, um Vals und seiner Kultur eine Perspektive zu geben. Denn dort leben meine Leute, und deshalb bin ich gerne in Vals.

Dennoch: Haben Sie kein schlechtes Gewissen ihr Heimatdorf entzweit zu haben?
Ich will in Vals mein Know-how einbringen, das Dorf weiterbringen und Arbeitsplätze schaffen. Warum sollte ich deshalb ein schlechtes Gewissen haben? Ich investiere nicht in Vals, um Geld zu verdienen, wie mir von meinen Kritikern vorgeworfen wird. Das könnte ich in anderen Orten besser.

Wie geht es denn nun jetzt weiter mit der Therme?
Die Therme wird nicht verkauft. Sie gehört den Valsern. Wir sind bereit, sie in eine Stiftung zu transferieren. Fürs Betriebskonzept möchten wir herausfinden, was Städter und die Bergler verbindet. Wenn der Zürcher die Therme besucht, soll er die Authentizität des Dorfes fühlen. Daran sollen die besten kreativen Köpfe arbeiten. Nur so können wir dem tollen Bauwerk gerecht werden. Noch ist ein Rekurs gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung hängig. Aber wir rechnen bald mit einem für uns positiven Urteil. Dann können wir uns auch die versprochene Mehrzweckhalle kümmern.

Es gibt Kritiker, die befürchten, ein Zahlungsausfall sei wegen dem geringen Aktienkapital der Stoffelpart AG wahrscheinlich.

Sagen Sie mir, warum es ausgerechnet bei mir Finanzierungsschwierigkeiten geben sollte. Wir sind es gewohnt, regelmässig Projekte in der Grössenordnung von 50 Millionen Franken zu realisieren.

Sie seien ein ‹Immobilienhai›, der sich einfach eine goldene Nase verdienen will, heisst es weiter.

Es schmerzt mich sehr, so bezeichnet zu werden. Als Unternehmer ist es mir bis jetzt gelungen, keinen einzigen unserer rund 400 Arbeitsplätze in der Schweiz abzubauen. Meine Mitarbeiter profitieren von umfangreichen Sozialleistungen, sie werden mit 63 pensioniert, wir zahlen zwei Drittel der Pensionskassen. Ich bemühe mich, ein sehr sozialer Arbeitgeber zu sein. Ich bin kein Mister Perfect, aber in unseren Projekten ist soziale und ökologische Verantwortung zentral. In Dubai etwa haben wir gerade erst den Green FM company of the year award erhalten.

Das Vertrauen in Sie ist auch getrübt, weil es einige Gerichtsverfahren gegen Sie gibt.
Bis 2007 hatte ich kein einziges Gerichtsverfahren. Dann aber hat ein ehemaliger Geschäftspartner einen Aufstand geprobt und versucht, mich aus der Unternehmung zu putschen. Seitdem versucht man systematisch eine Reihe von Zivil- und Strafprozessen gegen mich zu lancieren und aufwendige Medienkampagnen gegen mich zu fahren. Dabei waren etliche Kommunikationsbüros involviert. Drei bis fünf Millionen Franken wurden darin investiert. Armadas von Leuten haben selektiv Informationen zusammengestellt und gezielt Journalisten übergeben.

Warum ermittelt sogar eine Sondereinheit der Eidgenössischen Steuerverwaltung wegen schwerer Steuerhinterziehung und Steuerbetrug im Umfang von über 150 Millionen Franken gegen Sie?

Auch das gehört zur orchestrierten Aktion meines Ex-Geschäftspartners. Er behauptet, ich hätte eine Gewinnentnahme von 200 Millionen gemacht, was sachlich gar nicht möglich ist. Diese Anschuldigungen sind an den Haaren herbeigezogen.

Schrecken all diese Verfahren neue Geschäftspartner nicht ab?
Natürlich bringt das einen erhöhten Erklärungsbedarf mit sich, und wir haben kein Problem damit, Red und Antwort zu stehen.

Sie wurden vom Bergbuben zum Herr über ein 500-Millionen-Immo-Imperium. Was hat Sie angetrieben?

Ich habe bereits als Kind immer wieder kleine Projekte verfolgt. So versuchte ich zuerst mit Kaninchen und Gänsen zu handeln - leider nicht ganz erfolgreich. Doch bis heute finde ich es extrem spannend, Projekte zu realisieren. Leute zu begeistern, zu sagen: ‹Das packen wir›. Und wenn es sich finanziell rentiert, macht es natürlich doppelt so viel Spass.

Und das konfliktgeladene Umfeld wie in Vals oder bei der Avireal behagt Ihnen?
Nein, gar nicht. Ich will meinen Kopf frei haben, um weiter spannende Dinge zu machen. Aber leider wird in diesem stark umkämpften Markt mit harten Bandagen gekämpft und es wird gerne mit Schmutz geworfen.

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