Hanfproteine & Co.

30. Mai 2014 17:00; Akt: 30.05.2014 17:00 Print

Vegane Ernährung boomt bei Spitzensportlern

von J. Büchi - Ob Eishockeyspieler, Bodybuilder oder Marathonläufer: Immer mehr Spitzensportler ernähren sich vegan. In der Schweiz gibt es nun sogar ein spezielles Fitnesscenter für Veganer.

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«Die stärksten Tiere der Welt sind Pflanzenfresser: Gorillas, Büffel, Elefanten und ich.» Mit diesem Slogan wirbt Patrik Baboumian für die deutsche Tierschutzorganisation Peta. Baboumian ist nicht irgendwer – der Bodybuilder und Strongman ist der offiziell stärkste Mann Deutschlands. Bratpfannen rollt er mit blossen Händen zusammen, als wären sie aus Papier. Telefonbücher reisst er mühelos in Fetzen. Und Baboumian ist Veganer: Er isst kein Fleisch und Fisch, weder Milchprodukte noch Eier.

Umfrage
Können Sie es sich vorstellen, ohne tierische Produkte zu leben,
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11 %
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Insgesamt 4581 Teilnehmer

Damit ist er in der Szene in guter Gesellschaft: Der ehemalige Bodybuilding-Weltmeister Alexander Dargatz lebt genauso vegan wie US-Bodybuilder Robert Cheeke, auch Box-Legende Mike Tyson ernährt sich rein pflanzlich. Gemäss einem Bericht des «Surprise»-Magazins hat im April zudem in Berlin das erste vegane Fitnessstudio Deutschlands seine Tore geöffnet.

Fitnesscenter für Veganer auch in der Schweiz

Die Entwicklung macht auch vor der Schweiz nicht Halt. Im Innerschweizer Fitnesscenter D&R-Performance können Veganer seit einiger Zeit ein Training absolvieren, das speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Das heisst: Die ganze Verpflegung ist frei von tierischen Produkten, die Themen Gesundheit und Vitalität spielen beim Coaching eine zentrale Rolle.

Mitgründer Daniel Hüsser ernährt sich selbst seit rund einem Jahr ganz ohne tierische Produkte, wie er auf Anfrage von 20 Minuten sagt. «Eine rein pflanzliche Ernährung bringt im Training nur Vorteile», ist er überzeugt. «Der Körper übersäuert weniger und regeneriert sich schneller.» Die Nachfrage sei da: «Es melden sich immer mehr Veganer bei uns – aber auch Menschen, die als Teil ihres Trainings für eine bestimmte Zeit auf tierische Produkte verzichten wollen.»

Hockeyprofi Hänni lebt seit 17 Jahren vegan

Einer, der sich schon seit vielen Jahren vegan ernährt, ist auch der langjährige Schweizer Eishockeyprofi Andreas Hänni. Als er im Alter von 18 Jahren aus ethischen Gründen beschlossen habe, auf tierische Produkte zu verzichten, sei das schon «etwas exotisch» gewesen, so der 35-Jährige, der zuletzt beim EHC Biel gespielt hat. Viele hätten das Bild von ihm – einem knapp 1,90 Meter grossen, kräftigen Profisportler – nicht mit dem gängigen Image eines Veganers zusammengebracht. Inzwischen habe sich der Zeitgeist, und mit ihm die Akzeptanz der Veganer, aber gewandelt. «Viele haben gemerkt, dass es einfach gut tut, sich vegan zu ernähren.»

Das bestätigt auch Natascha Badmann, sechsfache Gewinnerin des Ironman Hawaii. Sie lebt seit 20 Jahren vegetarisch, zeitweise auch vegan. «Ich habe gemerkt, dass ich im Training belastbarer bin, wenn ich auf Fleisch verzichte.»

Gefragte Superfoods

Vegane Ernährung boome nicht nur bei Profis, sondern auch bei Amateuren, weiss Cristina Roduner von der veganen Gesellschaft Schweiz. Ein Beispiel dafür sei die Läufergruppe Vegan-Runners Switzerland, die bereits mit mehreren Gruppen am Zürich Marathon angetreten ist. «Der Trend ist von Amerika nach Deutschland und dann in die Schweiz geschwappt.»

Den Hype bekommt auch Samuel Huber zu spüren. Sein Unternehmen Bunaroba vertreibt seit rund einem Jahr alles, was das vegane Sportlerherz höherschlagen lässt – vom Superfood-Kraftriegel bis hin zum Hanfprotein für milchfreie Shakes. «Die Nachfrage steigt laufend», freut er sich. Innerhalb eines Jahres hätten sich die monatlichen Umsätze vervielfacht.

Vitamin-B12-Mangel droht

Beatrice Conrad, diplomierte Ernährungsberaterin FH und selbst aktive Ausdauersportlerin, bestätigt, dass immer mehr Sportler auf eine vegane Ernährung umsteigen. Allerdings steht sie dem Trend kritisch gegenüber: «Kurzfristig mag dies ein Gewinn sein, unter anderem, weil man an Gewicht verliert – langfristig bilden sich bei rein veganer Ernährung aber Mängel aus.» So fehle den Veganern das Vitamin B12, zudem sei es schwierig, den Proteinbedarf zu decken.

Samuel Huber, der nach eigenen Angaben mit veganer Ernährung 20 Kilo abgenommen hat, winkt ab: «Meine Blutwerte waren noch nie so gut wie heute.» Eine vollwertige vegane Ernährung sei sicher gesünder als die typische Schweizer Küche. Und Vitamin B12 könne man notfalls auch in Tablettenform einnehmen. Natascha Badmann sagt, sie habe das Glück, dass ihr Partner Ernährungscoach sei: «Dank ihm habe ich viele Hülsenfrüchte und andere hochwertige Proteinquellen auf dem Menüplan.» Auch Hockeyprofi Andreas Hänni betont, er habe sich in seinen 17 Jahren als Veganer nie weniger leistungsfähig gefühlt als seine fleischessenden Kollegen: «Ich war immer einer der Kräftigsten.»

Der vegane Bodybuilder Patrik Baboumian mit einem Weltrekord:
(Quelle: Youtube.com/ Berlin-av)

Die Vegan Runners am Zürich Marathon:
(Quelle: Youtube.com/VGSchweiz)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MJ am 30.05.2014 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ist die Toleranz?

    Ich lebe auch seit Jahren vegan und solche Diskussionen regen mich einfach nur auf! Jedem das seine. Ich finde es sollte beides als normal angesehen werden und nicht immer diese 'wer-ist-der-bessere-mensch' vergleiche! Ist doch klar dass 20Minuten darüber einen Artikel schreibt, es ist halt nunmal gerade für viele Leute interessant. Ich als Hockey-Fan nerve mich auch nicht nur weil im Moment so viel über Fussball geschrieben wird. Werdet doch alle ein wenig mehr tolerant gopf!!!

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  • Fleischli am 30.05.2014 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Seit geraumer Zeit schreibt 20min dermassen regelmässig über die verschwindend kleine Gruppe der Veganer, dass ivh den Eindruck habe, dass mich da jemand manipulieren möchte. Oder ist einfach einE SchreiberIn vor kurzem umgestiegen und möchte ihr neues Glück mit uns teilen? Ich selbst lebte um die zehn Jahre vegetarisch, esse aber seit längerem wieder Fleisch. Ich denke, es ist wichtiger, bewusst zu essen, als eine neue Religion daraus zu machen.

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  • Antonietta/Tumminello am 01.06.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Go vegan !

    Eine vegane Ernährung ist deutlich umweltfreundlicher als die übliche, fleisch- und käsebetonte Durchschnittskost: Sie verbraucht weniger Energie, Rohstoffe und Wasser, belegt weniger Landfläche und erzeugt deutlich weniger Klimagase. Aus ethischer Sicht ist die vegane Ernährung die konsequenteste Art, verantwortlich mit unserer Mitwelt umzugehen und so wenigen Mitlebewesen wie möglich durch unsere Lebensmittelauswahl zu schaden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • echtes multitalent kaiserslautern am 04.06.2014 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    go vegan mit thermomix

    vegane ernährung kinderleicht umgesetzt im thermomix -schnell, frisch, ökonomisch und natürlich gesund! ;-) facebook echtes multitalent kaiserslautern

  • Pascal Mächler am 02.06.2014 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    so ein mist

    haha Beatrice Conrad hat aber nicht sehr gut aufgepasst in der Schule:D hört mal auf mit dieser b12- und proteinmangelpropaganda! entweder recherchiert richtig oder lasst es sein oder sucht euch zeitnahe Ernährungswissenschaftler! und wie schlimm ist dieser angebliche B12 Mangel gegenüber dem zu hohen Cholesterienspiegel etc. der mit einer normalen Kost daherkommt? ach wisst ihr was selber schuld, soll doch jeder essen was er will, ist ja eure Gesundheit;-)

  • Antonietta/Tumminello am 01.06.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Go vegan !

    Eine vegane Ernährung ist deutlich umweltfreundlicher als die übliche, fleisch- und käsebetonte Durchschnittskost: Sie verbraucht weniger Energie, Rohstoffe und Wasser, belegt weniger Landfläche und erzeugt deutlich weniger Klimagase. Aus ethischer Sicht ist die vegane Ernährung die konsequenteste Art, verantwortlich mit unserer Mitwelt umzugehen und so wenigen Mitlebewesen wie möglich durch unsere Lebensmittelauswahl zu schaden.

  • Chris Fogg am 01.06.2014 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollen sie..

    Jedem das seine. Wenn sie auf alles was Spass macht und schmeckt verzichten wollen sollen sie. Aber bitte versucht mich nicht zu bekehren.

  • Gianluca L am 01.06.2014 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Informiert euch!

    Ihr werdet es alle eines Tages sehen: der Fleisch Konsum wird abnehmen MÜSSEN und das hat ökologische Gründe: die Fleischproduktion wie sie Heute betätigt wird ist nicht nachhaltbar: die nördlichen Ländern gehen desshalb in den Süden um da Fleisch zu produzieren und somit Resourcen zu plündern. Wenn jetzt auch der Süden mehr Fleisch will sind wir geliefert. Es braucht 15 kilo Zerealien um 1 kilo Fleisch zu produzieren; es ist eine verschwendung an Energie!! Studien besagen in Europa hätten wir genug Land um uns selbst zu ernähren, doch wir müssten 80% weniger Fleisch essen. Denkt nach

    • Lianguca S. am 06.06.2014 22:48 Report Diesen Beitrag melden

      Informier dich doch selber!

      Und für das Soja als Fleischersatz werden ganze Regionen Amazonasregenwald abgeholzt. Jede Ernährungsform hat Vor- und Nachteile. Aber hört auf, Carnivorer als Monster, Unmenschen, Bestien etc. zu bezeichnen! Der Ernährungskrieg geht mir langsam auf den Sack.

    • Niccolo F. am 08.06.2014 09:45 Report Diesen Beitrag melden

      Eine Information ist noch kein Wissen

      Keine Monster, aber Menschen, die gerne, wie Sie auch, mit Nebelkerzen um sich werfen, um ihre moralische Integrität zu erhalten. Sie haben nämlich völlig Recht, für den Sojaanbau werden riesige Flächen auch im Amazonasregenwald gerodet. Nur wird dieses Soja (oft auch noch gentechnisch verändertes) zu über 80% für die Tiermast verwendet. Einzelne Informationen sind eben nicht Wissen. Wissen entsteht durch Verbindung(en).

    • Marc H. am 09.06.2014 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      *räusper*

      Das Soja, für das der Regenwald gerodet wird, geht zu 95% in die Massentierhaltung... Diese Uninformiertheit der Fleischesser geht mir langsam auf den Sack

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