Stillhalteabkommen mit PLO

14. Februar 2016 12:10; Akt: 17.02.2016 15:35 Print

Ziegler revidiert seine Aussage zum Geheimdeal

Seit Wochen mutmasst die Schweiz, ob es 1970 ein geheimes Abkommen mit der PLO gab. Jetzt ändert ein wichtiger Zeitzeuge seine Aussage.

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Der Soziologe und ehemalige SP-Nationalrat stand mit der PLO in Kontakt: Jean Ziegler. (Foto: Nicolas Righetti / Lundi13)

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Am 21. Februar 1970 explodierte eine Paketbombe im Laderaum des Swissair Flugs SR330 von Zürich nach Tel Aviv. Die Maschine stürzte in Würenlingen ab, alle 47 Menschen an Bord starben. Der Terroranschlag auf die Schweiz bleibt bis heute ungesühnt, die mutmasslichen Attentäter einer Splittergruppe der «Palästinensischen Befreiungsorganisation» (PLO) wurden nie vor Gericht gestellt.

Das Schweizer PLO-Abkommen
Gemäss dem kürzlich erschienenen Buch «Schweizer Terrorjahre: Das geheime Abkommen mit der PLO» des NZZ-Journalisten Marcel Gyr ist die Passivität der Schweizer Justiz darin begründet, dass der damalige Aussenminister Pierre Graber ein geheimes Schweigeabkommen abschloss, in dem er für eine Sicherheitsgarantie für die Schweiz der PLO im Gegenzug Straffreiheit für die Attentäter und diplomatische Unterstützung bei der UNO versprach. Doch nun revidiert einer von Gyrs wichtigsten Zeitzeugen, der Genfer Alt-Nationalrat (SP) Jean Ziegler, teilweise seine Aussage.

Zieglers neue Version

Die «Sonntagszeitung» fragte bei Ziegler nochmals nach. Der ist sich nun nicht mehr sicher, ob es einen solchen Geheimdeal tatsächlich gab. «Ich bin heute verwirrt und erstaunt, dass es nicht zur Anklage und nicht einmal zu einem internationalen Haftbefehl kam. Aber ich weiss nicht, was die Gründe für die Passivität des Bundesanwalts gewesen sind,» sagte Ziegler.

Damit widerspricht sich Ziegler selbst. Nicht nur bestätigte er Gyrs Recherchen gegenüber dem Journalisten, sondern er wiederholte den Sachverhalt ausdrücklich nochmals im «Echo der Zeit» vom 20. Januar 2016, wo er bestätigte: «[Bundesrat Graber] hat eine Wahl getroffen, er hat für die Staatsräson, für den Schutz der Schweizer Bevölkerung – also für die Verhinderung neuer Attacken – votiert und hat den Rechtsstaat dafür gebrochen. Es hat keine, irgendwelche [unverständlich] strafrechtlichen Verfolgungen gegeben gegen die Attentäter von Kloten – vom ersten Angriff – und dann auch nicht gegen die Attentäter vom Massenmord in Würenlingen. Und diesen Rechtsbruch hat Bundesrat Graber in Kauf genommen, akzeptiert, damit dieses Stillhalteabkommen zu Stande kommt.»

Noch im «Echo der Zeit» sprach er von einer «Kerngruppe», die das angebliche Stillhalteabkommen im Geheimen hinter dem Rücken des Gesamtbundesrats ausgehandelt haben soll. Namentlich seien das Bundesrat Graber, Bundesanwalt Hans Walder, der Geheimdienstchef André Amstein und Personen in der Politischen Direktion des EDA gewesen.

Ein Geheimdeal sei «unmöglich»

Gemäss dem Artikel in der «Sonntagszeitung» scheint das aber wenig plausibel, denn «dazu hätte es mindestens die Komplizenschaft des damaligen Justizministers Ludwig von Moos gebraucht». Der ehemalige Staatssekretär Franz Blankart bezeichnete ein solches Geheimabkommen in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sogar als «unmöglich».

Ob es also ein Stillhalteabkommen zwischen der Schweiz und der PLO gab, ist weiterhin unklar. In der «Sonntagszeitung» heisst es zusammenfassend: «Sämtliche noch lebenden Schweizer Zeitzeugen, die sich bisher geäussert haben und die etwas hätten wissen können, bezweifeln, dass es einen Deal gegeben hat.»

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bruno am 14.02.2016 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Mühsam

    Der selbstverliebte Selbstdarsteller ist wieder in den Schlagzeilen, so wie es ihm (noch immer) gefällt.

  • Arnoldo am 14.02.2016 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist sicher bei Ziegler?

    Welche Wahrheit die neue oder alte Version von Ziegler zutrifft werden wir wohl nie genau erfahren!Manchmal ist Schweigen besser als Dementi von Dementi! Sorry,ich kann Ziegler nicht ernst nehmen.

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  • R.S. am 14.02.2016 12:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unwahrheiten!

    Es wäre schon interessant zu wissen, warum alt Nationalrat Ziegler ursprünglich Unwahrheiten zum "Geheimdeal" verbreitete!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • John Kipkoech am 15.02.2016 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Ziegler ist glaubhaft

    Halt! Halt! Jean Ziegler ist einer unserer brilliantesten Diplomaten, was selbst von der UNO anerkannt ist. Das er sich für das gebeutelte Volk der Palästinenser einsetzt, ist ihm hoch anzurechnen.

  • Jaloki am 15.02.2016 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Ziegler ab

    Warum ist der Ziegler eigentlich immer noch frei? Der gehoert schon seit Jahrzehnten eingesperrt.

  • Zuckerrausch am 15.02.2016 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Scherzkekse - welche Kekse?

    Bei Aufklärungen dubioser Machenschaften in der Poltik leiden plötzlich alle unter Demenz? Sehr witzig!

  • Reto am 15.02.2016 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    Dem Meistbietenden

    Wenn ich solche Sachen lese, frage ich mich ernsthaft auf wessen Seite die "Sozialpolitiker" stehen. Mehr für ein paar Wenige, oder heisst dies übersetzt, wir verkaufen unser Land?

    • Radarraser am 15.02.2016 13:35 Report Diesen Beitrag melden

      Dass die Sozialisten unser Land

      verkaufen, das ist schon längst klar. Leider wollen viele Schweizer das nicht wahrhaben. Dem Volk wird nicht geholfen, das Land wird an die EU verschleudert, nur den Fremden wird geholfen.

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  • Mike Meier am 15.02.2016 05:45 Report Diesen Beitrag melden

    Vorgedrängelt

    Dieser Mann ist keineswegs dement...aber er ist ein Wichtigtuer, schlimmer geht's nimmer. Er wollte sich ganz einfach wieder mal in den Vordergrund drängen, wurde nun aber vermutlich von anderer Seite zurückgepfiffen. Nun steht er nicht mehr zu seiner Aussage. Typisch oder peinlich, wie man's nimmt.