Ausstieg aus Kernenergie

23. Mai 2011 17:45; Akt: 23.05.2011 17:46 Print

Leuthards strahlende Atom-VergangenheitLeuthards strahlende Atom-Vergangenheit

von Lukas Mäder - Die Aargauerin Doris Leuthard war wie kein zweiter Bundesrat mit der Atom-Wirtschaft verbunden. Ihr anstehender Entscheid zum Atomausstieg ist aber trotzdem offen.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Wenn die Landesregierung am Mittwoch über den Ausstieg aus der Kernenergie abstimmt, interessiert insbesondere die Haltung der CVP-Bundesrätin und Energieministerin Doris Leuthard. Die einstige Atomlobbyistin aus dem Aargau soll inzwischen den mittelfristigen Abschied von den AKW in der Schweiz befürworten, schreiben die «SonntagsZeitung» und die «NZZ am Sonntag». Doch möglicherweise ist die Wandlung Leuthards nicht so vollständig, wie dies die zwei Sonntagsmedien schreiben. Noch Ende März sagte Leuthard im Interview mit dem «Bund», ohne die Konsequenzen zu kennen, sei die Forderung nach dem Atomausstieg leichtsinnig. Laut «Sonntag» können denn sogar Leuthard-Vertraute nicht abschätzen, welche Position die Bundesrätin inzwischen hat.

Die ursprüngliche Sympathien Leuthards für die Kernenergie sind offensichtlich. Nachdem sie 1999 für den Atomkanton Aargau in den Nationalrat eingezogen war, begann sie sich als Vorstandsmitglied der Schweizerischen Vereinigung für Atomenergie (SAV), dem heutigen Nuklearforum, zu engagieren. 2002 wurde sie in den Verwaltungsrat der Elektrizitäts-Gesellschaft Laufenburg AG (EGL) gewählt, die Anteile am AKW Leibstadt hält. Bis zu ihrer Wahl in den Bundesrat 2006 verdiente sie dort mehrere Zehntausend Franken jährlich. Doch auch nach der Übernahme ihres Regierungsamtes blieben Verbindungen bestehen: Bis Ende 2010 führte das Nuklearforum Leuthard als Ehrenmitglied - bis sie die Streichung ihres Namens verlangte.

Anpassungsfähige Meinung

Trotz dieser Nähe zur Kernenergie hatte sich Leuthard bereits in der Vergangenheit um eine klare Positionierung gedrückt. An den Hearings vor der Bundesratswahl machte sie offenbar widersprüchliche Aussagen zum Bau neuer AKW. Während sie bei der SP klar gegen ein neues Kernkraftwerk ausgesprochen haben soll, bezeichnete sie die Atomenergie vor den SVP-Vertretern als wichtige Säule der Energieversorgung. Wenige Monate nach Amtsantritt als Volkswirtschaftsministerin wollte sie sich in einem «Facts»-Interview zur Frage eines neuen AKW nicht festlegen: «Ich habe mich noch nicht positioniert.»

Für die Wirtschaft blieb Leuthard im Bundesrat dennoch Ansprechperson Nummer eins, wenn es um das Thema Atomkraft ging. 2008 diskutierte die Landesregierung darüber, das Bundesamt für Energie vom Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) unter Führung des damaligen SP-Bundesrats Moritz Leuenberger in Leuthards Volkswirtschaftsdepartement EVD zu transferieren. Offenbar sollen sich Wirtschaft und Atomlobby dafür stark gemacht haben. Die Idee fand schliesslich keine Mehrheit. Der Energiebereich kam aber doch noch unter die Führung Leuthards: Ende 2010 übernahm sie das UVEK vom abtretenden Leuenberger. Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler sagte danach, dass sich nun beim Thema Kernenergie der Zugang zum Departement verbessern werde.

Früher gegen Moratorium

Dass sich in der Politik die Meinungen rasch ändern können, zeigt sich auch bei Leuthards Partei. Für die CVP war noch am Parteitag Ende Januar der Ausstieg aus der Kernenergie mittelfristig nicht realistisch. Inzwischen gehört CVP-Präsident Christophe Darbellay zu den lautesten Befürwortern eines mittelfristigen Atomausstiegs bis etwa 2040. Ob Leuthard ihrem Parteipräsidenten am Mittwoch folgen wird, ist offen. Möglicherweise findet schliesslich auch der Vorschlag eines zehnjährigen Atom-Moratoriums, wie ihn die Wirtschaftsverbände fordern, eine Mehrheit im Bundesrat. Leuthard hätte auch in diesem Fall eine Wandlung durchgemacht: 2003 sass sie noch im Nein-Komitee gegen die MoratoriumPlus-Initiative.

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Rainer Hengartner am 25.05.2011 16:31 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Verstand ausgeschaltet wird

    Da staunt der Laie und als Unternehmer wird mir wenn auch nicht begeistert klar, dass ich bis in ein paar Jahren meinen Betrieb ins Ausland verlegen muss. Weil meine Produktionsfirma nun mal sehr viel elektrische Energie braucht, gleichzeitig aber auch 722 Menschen täglich eine Arbeit gibt, kann ich mich der jetzigen, blinden Ideologie nicht hingeben. Mein Industriebetrieb duldet weder Einschränkung von Energieressourcen noch überteuerte Strompreise. Das hat weder mit Populismus noch mit Angstmacherei etwas zu tun. Ich bin einfach nicht gewillt, unseren Betrieb an die Wand zu fahren.

  • FElix am 25.05.2011 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Na und? Sinneswandel ist Machtabhängig

    Egal auf welcher Stufe: die eigenen Machtgelüste werden mit Hilfe des Staates befriedigt. Na und? Das weiss man ja und soll jetzt nicht so tun als ob es neu wäre. Leuenberger, Villiger, Ogi, wieso nicht auch Leuthard? Geld und Macht sind die Ziele! Alles ander Schönschwäzerei.

  • Soziologin am 24.05.2011 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Ui ui ui..

    Einige Kommentare ja echt Haarstreuabend. Sehe ich das richtig?: Ganzes Haus Energiesparlampen, Warmwasser/Boiler vom Sonnenkollektor (termisch), den restlichen Strom aus Wasser und schon ist man ein Hippie ?!?