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Cornu-Bericht
27. November 2009 11:00; Akt: 30.11.2009 19:33 Print
Die volle Wahrheit über die «Geheimarmee» P-26
von Lukas Mäder - Die Schweiz war vorbereitet auf eine Besetzung durch die Sowjets. Doch noch immer ist ein Bericht zur Geheimorganisation P-26 nicht zugänglich. Das will Nationalrat Josef Lang ändern. Ein Kenner winkt ab: Im Bericht gebe es keine brisanten Details, meint er.
Die Schweiz war gerüstet für einen möglichen Einmarsch der Sowjetunion. Zu den Vorbereitungen während des Kalten Krieges gehörte auch eine Geheimorganisation von Kaderleuten, die im Falle einer Besetzung die Verbindung zum Bundesrat im Exil hergestellt und den Widerstand in der Schweiz organisiert hätte. Als letzte solche geheime Kaderorganisation entstand Anfang der 1980er-Jahre die P-26. Im Nachgang der Fichenaffäre 1989 flog die Organisation auf, doch die Geheimhaltung blieb. So ist der sogenannte Cornu-Bericht von 1991 noch heute geheim. Das will Nationalrat Josef Lang (Grüne/ZG) nun ändern. Er hat am Donnerstag eine entsprechende Motion eingereicht.
Lang hatte bereits vor vier Jahren die Veröffentlichung des Cornu-Berichts gefordert. Erfolglos. Der Bundesrat argumentierte, dass der Quellenschutz und der Schutz lebender Auskunftspersonen gewährleistet bleiben müsse. Zudem könnte eine Publikation die Beziehungen zu befreundeten Nachrichtendiensten belasten. Denn der damalige Neuenburger Untersuchungsrichter Pierre Cornu hatte die Aufgaben, die Verbindungen der P-26 zu anderen europäischen Widerstandsorganisationen und der Nato aufzuzeigen. Der Bericht, der nur in einer gekürzten Version veröffentlicht wurde, kam zum Schluss, dass die P-26 keine solchen Verbindungen unterhielt. Einzig zu den Briten habe die Geheimorganisation zum Zweck der Ausbildung enge Kontakte unterhalten.
«Veteranen haben Informationsmonopol»
Dass Lang erneut eine Veröffentlichung des Cornu-Berichts fordert, hat mit den veränderten Rahmenbedingungen zu tun. Im August hob der Bundesrat die Schweigepflicht für die Angehörigen der geheimen Kaderorganisationen seit 1940 auf und verdankte ihre Arbeit (20 Minuten Online berichtete). In den Medien haben sich seither auch Exponenten der P-26 geäussert, wie ihr Chef Efrem Cattelan im «Tages-Anzeiger». Nationalrat Lang sieht deshalb die Geheimhaltung nicht mehr gerechtfertigt. Auch seien seit 1991 zahllose Informationen über die vom Cornu-Bericht betroffenen ausländischen Geheimdienste und Widerstandsorganisationen publiziert worden.
Als weiteres Problem sieht Lang, dass nun einzig die ehemaligen Angehörigen der Geheimorganisationen Informationen preisgeben dürfen: «Die Veteranen haben das Informationsmonopol und damit auch die Deutungshoheit über dieses Kapitel des Kalten Krieges», sagt er. Doch die Historiker müssten auch Zugang zu den Akten erhalten, um sich ein abschliessende Bild zu machen. Derzeit ist für Lang das Gegenteil im Gange: «Der Historiker Felix Nöthiger betreibt eine Rehabilitierung der Geheimorganisationen.» Nöthiger betreibt bei der Militärhistorischen Stiftung des Kantons Zürich ein Projekt, das die ungeschriebene Geschichte der Widerstandsorganisationen für eine feindbesetzte Schweiz mit noch lebenden Zeitzeugen aufarbeitet. Er gab auch den Anstoss, die Schweigepflicht der Angehörigen aufzuheben.
«Nichts Brisantes im Bericht»
Nöthiger selbst nimmt die Kritik von Nationalrat Lang gelassen — und schiesst zurück: «Josef Lang ist ein Altmarxist, der die P-26 als liebgewonnenes Feinbild pflegt.» Dabei seien die Geheimorganisationen nicht in ein Links-Rechts-Schema einzuordnen. So seien auch immer Sozialdemokraten beteiligt gewesen. «Er kennt die Fakten nicht», wirft Nöthiger Lang vor. Doch ihm lägen die Informationen dank 120 Interviews mit Zeitzeugen vor.
Im Dienste der Geschichtsschreibung ist Nöthiger deshalb auch für eine Publikation: «Die Veröffentlichung des Cornu-Berichts würde zur Versachlichung der Diskussion beitragen», sagt er. Sowieso würden im geheimen Teil des Berichts nur banale Dinge stehen, die bereits bekannt sind. «Die Geheimhaltung geschieht aus reiner Rücksichtnahme gegenüber zwei befreundeten ausländischen Nachrichtendiensten», meint Nöthiger. Er rät dem Bundesrat, den Bericht zu veröffentlichen: «Dann würde es nur ein grosses Gähnen geben, und Nationalrat Lang stünde blamiert da.»
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Alle 39 Kommentare





























Wer hat im Diskurs um P-26 das Sagen?
Die öffentliche Debatte zeigt m. E. vor allem völlige Unkenntnis über die Perspektive der Angehörigen der P-26. Ähnlich wie z. B. bei einer Diskussion über Hexerei in Brasilien, fehlt es an Wissen, ohne das die Aussagekraft einer Evaluation logischerweise absurd sein muss. Die Welten der Geheimdienste, globaler Wirtschaftsspieler oder des Diplomatenparketts werden in den Medien durch auf sich selbst referenzierende Legenden erzählt. Also: keine Veröffentlichung! Untersuchung durch eine Delegation, deren Mitglieder das Vertrauen des Volkes besitzen und die Schlussevaluation verfassen.
Herr Lang und die STASI
Seltsam. P-26 wurde durch die PUK EMD unter dem Vicepräsidium des Kommunisten Werner Carrobbio (PSA) über 293 Seiten des Berichtes seziert, die Hauptfrage des Berichtes Cornu ist längst glaubwürdig beantwortet. Doch Lang will "volle Transparenz". Wo war sein Wunsch nach Transparenz, als ein Thurgauer Nationalrat beantragte, in riesigen STASI-Archiv die Tätigkeiten von Schweizern für die DDR abzuklären? Damals wollte Herr Lang keine Transparenz. Er ist in seinem Innersten immer noch der Bewunderer des totalitären Sozialismus, mit schlecht deckendem grünen Tarnanstrich.
Joe Langs Vergangenheit wäre spannend
Ich kenne Linksaktivisten aus dem selben Jahrgang wie Lang und auch aus dem Freiamt, die waren in der Gymizeit in der DDR in Ausbildung. Lang auch? ich weiss es nicht. Wäre spannend...