Vorschlag der Expertengruppe

30. Mai 2017 13:30; Akt: 30.05.2017 16:31 Print

70 neue Kampfjets für 14 Milliarden Franken?

Die Expertengruppe des Bundes erachtet den Kauf neuer Kampfjets als dringend. Wie sie trotz Volks-Nein zum Gripen vorgehen will.

Claude Meier, Chef Armeestab, sagt, weshalb die Armee neue Kampfjets will. (Video: Tamedia/SDA)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach dem Gripen-Debakel sollen neue Kampfjets über das Armeebudget beschafft werden. Damit wäre ein Referendum ausgeschlossen. Dies empfiehlt die Expertengruppe des Bundes. Je nach Variante würde der Kauf zwischen vier und 14 Milliarden Franken kosten.

Umfrage
Braucht die Schweiz 70 neue Kampfjets?
58 %
10 %
11 %
2 %
19 %
Insgesamt 5919 Teilnehmer

Eigentlich hätten schon ab nächstem Jahr Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab am Schweizer Himmel kreisen sollen. Insgesamt sollten 22 Flugzeuge für 3,1 Milliarden Franken beschafft werden. Am 18. Mai 2014 lehnten aber 53,4 Prozent der Stimmenden den Kauf an der Urne ab.

Im vergangenen Jahr nahm der Bundesrat einen neuen Anlauf zum Kauf von Kampfjets und zog Lehren aus dem Gripen-Debakel. Er setzte eine Expertengruppe mit Vertretern von Armee, armasuisse und dem Verteidigungsdepartement (VBS) ein, um grundlegende Fragen einer Beschaffung zu klären. Mit der Schaffung einer Begleitgruppe wollte er die Bundesratsparteien besser einbeziehen.

Bodluv wieder auf Tapet

Die Expertengruppe Neue Kampfflugzeuge und die Begleitgruppe haben nun am Dienstag ihre Empfehlungen den Medien präsentiert, die in den Grundzügen bereits in der Sonntagspresse durchgesickert waren. Grundsätzlich erachten sie den Kauf neuer Kampfjets als dringend, weil die Schweiz sonst alle Fähigkeiten verlieren würde, um ihren Luftraum eigenständig zu schützen.

Parallell zur Beschaffung neuer Flugzeuge müsste deshalb auch ein System für die bodengestützte Luftverteidigung evaluiert werden, heisst es im Bericht. Nach der Sistierung des Bodluv-Projekts empfiehlt die Expertengruppe aber zuerst eine Marktanalyse durchzuführen. Als Herausforderung sieht sie, dass nun beide Grossprojekte nicht wie ursprünglich gestaffelt sondern im selben Zeitraum im politischen Prozess sind.

Knacknuss Volksabstimmung

Konkret schlägt die Expertengruppe vier Varianten vor: Zur Diskussion steht die Beschaffung von 20 bis 70 Flugzeugen. Kostenpunkt: zwischen vier und 14 Milliarden Franken. Anders als beim Gripen, der über einen Fonds hätte beschafft werden sollen, empfiehlt die Expertengruppe die Finanzierung über das ordentliche Armeebudget. Alle anderen Finanzierungsmodellen hätten wirtschaftliche, finanzpolitische und nicht zuletzt sicherheitspolitische Nachteile, heisst es in ihrem Bericht.

Zwar teilt die Begleitgruppe die Auffassung, dass eine Sonderfinanzierung nicht empfehlenswert ist. Uneinig ist sie sich aber in der Frage, ob das Volk das letzte Wort haben soll. Eine Mehrheit befürwortet eine ordentliche Beschaffung, wie die Begleitgruppe in ihren Empfehlungen schreibt. Damit wäre ein Referendum ausgeschlossen. Für Gegner bliebe nur die Möglichkeit, eine Initiative zu lancieren.

F/A-18 im Notfall noch länger in Betrieb

Die teuerste Variante in der Höhe von 15 bis 18 Milliarden Franken sieht den Kauf von 55 bis 70 Kampfjets sowie Systeme der bodengestützten Luftverteidigung (Bodluv) grösserer und kleinerer Reichweite vor. Damit könnten aus Sicht der Expertengruppe die Durchhaltefähigkeit im Falle längeren Spannungen die Kampfkraft der Luftwaffe am umfassendsten erfüllt werden.

Für neun Milliarden Franken könnte die Schweiz 40 Flugzeuge und ein Bodluv-System grösserer Reichweite beschaffen. Mit letzterem liesse sich in etwa die Fläche des Mittellands abdecken. Objekte und eingesetzte Kampfverbände wären aber nur beschränkt geschützt.

Die dritte Variante sieht den Kauf von 30 Flugzeugen und ein umfangreicheres Bodluv-System als Variante 2 vor. Ein Nachteil wäre aus Sicht der Expertengruppe aber die begrenzte Durchhaltefähigkeit von einigen wenigen Wochen bei der Wahrung der Lufthoheit. Diese Variante erhielt in der Begleitgruppe die grösste Zustimmung. Drei von vier Bundesratsparteien befürworteten sie.

Als minimale Variante erachten die Experten den Kauf von 20 Flugzeugen und einem Bodluv-System analog zur Variante 2 für insgesamt fünf Milliarden Franken. Dabei müsste das Ende der Nutzungsdauer der F/A-18 zusätzlich hinausgezögert werden. Damit stünden zumindest bis Anfang 2030 rund 50 Kampfflugzeuge zur Verfügung, um die Lufthoheit zu wahren.

Drohnen keine Alternative

Die Expertengruppen hat auch Alternativen zum Kauf neuer Kampfjets geprüft. Keine Option in absehbarer Zukunft sind aus ihrer Sicht unbemannte Kampfflugzeuge wie Drohnen. Die Experten sprechen sich auch gegen eine kleine Flugzeugflotte aus, im Gegenzug für eine erhebliche Ausdehnung der internationalen Kooperation. Diese Vorstellung sei «illusorisch».

«Ein Typenentscheid soll bis 2020 fallen, das Parlament soll bis 2022 über die Beschaffung entscheiden», sagte Claude Meier, Vorsitzender der Expertengruppe sagte Claude Meier, Vorsitzender der Expertengruppe, vor den Medien in Bern. Ab 2025 sollen die neuen Flugzeuge geliefert werden und von 2030 bis in die 50er oder 60er Jahre in der Luft bleiben.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Doni am 30.05.2017 13:34 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach eine Abstimmung veranlassen

    Wenn das Angebot vernünftig ist, wird sich bestimmt eine Mehrheit finden lassen.

    einklappen einklappen
  • Swiss12 am 30.05.2017 13:35 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig so!

    Die Armee sollte unbedingt neue Kampjets beschaffen! Die Investition in neue Systeme ist schon längst hinfällig und sollte deshalb auch ordentlich durchgeführt werden.

    einklappen einklappen
  • Walter am 30.05.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Das Geld gehört der Bevölkerung

    Stopfen wir lieber die angeblichen Löcher in der AHV, denn es nutzt niemanden in Armut von neuen Kampfjets überflogen zu werden, die im besten Fall luftpolizeiliche Funktionen ausüben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Busted am 01.06.2017 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Fall!

    NEIN! Das brauchen wir nicht, mehr Geld für Bildung und Sport. 14 Mia. für Flugzeuge welche nur Standschäden erleiden und eine neutrale Schweiz nicht braucht! Armee okay, aber die Luftwaffe ist ein zu teures Unterfangen!

  • Fork33 am 30.05.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gesenkt werden

    Armeebuget sollte generell gesenkt werden.

  • Cocitoni am 30.05.2017 16:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    70 Kampfflugzeug für was denn? Unglaublich wie die Schweiz das Geld zum Fenster Rauswirft! Hiet Spielt alles keine Rolle aber sonst muss überall Gespart werden! Bildung Gesundheit das darf nichts Kosten! Dabei haben wir über 500000 Leute die in Armut Leben!

  • Fork33 am 30.05.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NoNoNo

    Sanieren wir lieber das Schulsystem und das Gesundheitssystem und die Feuerwehren und die Polizei und stecken das Geld in Fluss-Renaturisierung als 70 Flugzeuge zu kaufen die Wahrscheinlich nie benutzt werden oder eh in 20 Minuten besiegt werden. irgend wan kommt es zurück was man heute vermasselt.

  • Martin am 30.05.2017 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer wollten es so

    Das es jetzt sicher viel Teurer wird Alls vor der Abstimmung war von Anfang an Klar.Die Schweiz braucht neue Jets und die werden irgendwie sicher beschafft.Das eine Volksabstimmung mit nein ausgeht heisst meistens immer es wird mehr kosten.Alls Schweizer schäme ich mich das ein Teil dieser Bevölkerung einfach nicht weiter denken kann.