Abstimmung eröffnet

27. März 2017 21:36; Akt: 27.03.2017 21:36 Print

«Wer Ja stimmt, soll in die Türkei gehen»

Seit Montag können die Türken in der Schweiz über das Referendum abstimmen. Bereits am ersten Tag nutzten viele die Gelegenheit.

Was die Schweizer Türken gestimmt haben und womit die Gegner rechnen, sehen Sie im Video. (vro)
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In der Schweiz, Österreich, Deutschland, Belgien, Dänemark und Frankreich können die wahlberechtigten Türken in ausgewiesenen diplomatischen Vertretungen vom Montag bis zum 9. April über ein Referendum über die Einführung eines Präsidialsystems in ihrem Land abstimmen. Hierzulande stehen in den drei diplomatischen Missionen der Türkei in der Schweiz Urnen für die Abstimmung bereit.

Umfrage
Würden Sie für oder gegen das Referendum stimmen?
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Insgesamt 16144 Teilnehmer

Ihre Stimme abgeben können Türkinnen und Türken bis am 9. April – und zwar täglich von 9 bis 21 Uhr in der Botschaft in Bern sowie in den beiden Generalkonsulaten in Zürich und Genf.

Grosser Ansturm am Wochenende

Ein Augenschein in Zürich zeigt: Viele nutzten bereits den ersten Abstimmungstag, um ihre Stimme abzugeben. Viele von ihnen stimmten gegen das Referendum. Sie wolle nicht Terror und Diktatur unterstützen, sagt etwa die 20-jährige Ewin aus Zürich zu 20 Minuten. «Wer Ja stimmt, soll in die Türkei gehen.»

Auch Hüseyin ist am Montag in Zürich vor Ort. Er ist Mitverantwortlicher der demokratischen Partei HDP und rechnet damit, dass rund 75 Prozent der Schweizer Türken gegen das Referendum stimmen werden. Da es sich um eine aussergewöhnliche Situation handelt, rechnet er zudem mit einer hohen Wahlbeteiligung.

Laut Hüseyin wurden gar Busse und Fahrgelegenheiten organisiert, um die Leute an die Urnen zu bringen. Er fordert seine Landleute auf, an der Abstimmung teilzunehmen. «Die Leute sollen aber wenn möglich unter der Woche kommen.» Besonders für das Wochenende rechnet Hüseyin mit einem grösseren Ansturm.

Stimmabgabe per Brief oder E-Vote nicht möglich

Für eine Stimmabgabe seien eine Identitätskarte oder ein türkischer Pass nötig, hiess es am Dienstag auf Anfrage beim türkischen Generalkonsulat in Genf. Diese Dokumente könnten vor der Stimmabgabe auch gleich erneuert werden, sollten sie nicht gültig oder abgelaufen sein.

Türken in der Schweiz stimmen über Referendum ab

Eine weitere Möglichkeit, über das Referendum abzustimmen, besteht für Türken im Ausland an den Häfen und Flughäfen in der Türkei. Hier werden die Abstimmungsurnen vom Montag bis zum 16. April aufgestellt sein. Nicht möglich sind die briefliche oder elektronische Abstimmung.

Wahlberechtigte müssen ihre Stimme nicht in dem Konsulat, in dem sie sich registriert haben, abgeben. Sie können auch in einem anderen Wahllokal im Ausland oder an Grenzübergängen wählen. Grenzübergänge mit Wahlmöglichkeit sind unter anderem die Flughäfen Atatürk und Sabiha Gökcen in Istanbul, der Flughafen Esenboga in der Hauptstadt Ankara sowie mehrere Land- und Seeübergänge.

Fünf Prozent der Stimmen aus dem Ausland

Im Ausland leben rund 2,97 Millionen registrierte wahlberechtigte Türken. In Deutschland sind es rund 1,43 – mehr als in jedem anderen Land ausserhalb der Türkei. Es folgen Frankreich (326'000), die Niederlande (253'000), Belgien (138'000) und Österreich (109'000).

Weitere Länder mit einer hohen Zahl an Stimmberechtigten sind das nur von der Türkei anerkannte Nordzypern (105'000), die USA (100'000), die Schweiz sowie Grossbritannien (93'000).

In einigen Staaten beginnt die Abstimmung in den Auslandsvertretungen später, endet jedoch ebenfalls am 9. April. Die Auslandtürken machen rund fünf Prozent aller Stimmen aus – und könnten bei einem knappen Ergebnis das Zünglein an der Waage sein. Insgesamt sind rund 55,3 Millionen Menschen in der Türkei wahlberechtigt.

(vro/sda)