Transgender-Korrespondentin

20. August 2017 11:30; Akt: 21.08.2017 15:20 Print

«SRF hat vorbildlich gehandelt»

Valentina De Vos war früher ein Mann – jetzt steht sie als Frau vor der Kamera. Andere Transmenschen hatten weniger Glück: Sie verloren ihren Job.

Bildstrecke im Grossformat »
Valetina De Vos ist Springer-Korrespondentin des SRF. Hier ist sie am 8. August 2017 bei einer Liveschaltung vom Bundesstrafgericht in Bellinzona in die «Tagesschau am Mittag» zu sehen. Der Name Valentina De Vos ist für die SRF-Zuschauer neu, obwohl dieselbe Person seit vielen Jahren am Bildschirm zu sehen ist. Bis vor zwei Jahren trat De Vos als Mann auf - unter dem Namen Reto Stutzer. Dieser ist durch eine Geschlechtsanpassung zur Frau geworden. Die Reaktionen in der Trans-Community fallen positiv aus. «Wir sind sehr froh darüber, dass das Coming out am Arbeitsplatz für Frau De Vos so reibungslos verlaufen ist», sagt Janna Kraus, Sprecherin des Transgender Networks Schweiz. Ein prominenter Fall wie dieser könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und für manche Leute den Dialog an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu öffnen. Auch für Patrick Weber, Leiter der Beratungsstelle «Du bis Du», der auch Transmenschen beim Coming-Out berät, hat SRF vorbildlich gehandelt. «Genau das erwarten wir von den Arbeitgebern: Kein Tam-Tam veranstalten, zur Tagesordnung übergehen und die Person ihre Arbeit machen lassen.» Auf dem Arbeitsmarkt ist die Handhabung, wie sie SRF pflegt, jedoch noch längst nicht der Normalfall. «Kündigungen, Mobbing und generelle Verunsicherung sind dabei traurigerweise an der Tagesordnung», betont Kraus. Laut einer Untersuchung des Transgender Networks erhielt nur die Hälfte der Personen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können, Unterstützung vom Arbeitgeber.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Valentina De Vos!? War sie mal ein Er?» Diese Vermutung postete ein SRF-Zuschauer auf der Facebook-Seite des Senders diesen Frühling.

Tatsächlich war Korrespondentin Valentina De Vos, die für verschiedene Sendungen wie «Schweiz Aktuell» und «Tagesschau» arbeitet, bis vor zwei Jahren ein Mann, wie der «SonntagsBlick» berichtete. De Vos hatte sich beinahe unbemerkt einer Geschlechtsanpassung unterzogen.

«Prominenter Fall kann dazu beitragen, Vorurteile abzubauen»

Die Reaktionen in der Trans-Community fallen positiv aus. «Wir sind sehr froh darüber, dass das Coming-out am Arbeitsplatz für Frau De Vos so reibungslos verlaufen ist», sagt Janna Kraus, Sprecherin des Transgender Networks Schweiz. Ein prominenter Fall wie dieser könne dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und für manche Leute den Dialog an ihrem eigenen Arbeitsplatz zu öffnen.

Und für Patrick Weber, Leiter der Beratungsstelle «Du bis Du», der auch Transmenschen beim Coming-out berät, hat SRF «vorbildlich gehandelt». «Genau das erwarten wir von den Arbeitgebern: Kein Tam-Tam veranstalten, zur Tagesordnung übergehen und die Person ihre Arbeit machen lassen.»

Dabei sei es auch nicht relevant, ob es sich um ein in der Öffentlichkeit stehendes Grossunternehmen wie SRF oder einen kleinen Handwerksbetrieb handle: «Ich erwarte von Vorgesetzten, dass sie eine Person, die auf der Suche nach ihrer wahren Geschlechteridentität ist, unterstützen – sofern diese Hilfe benötigt.»

Nur die Hälfte erhält Unterstützung vom Chef

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Handhabung, wie sie SRF pflegt, jedoch noch längst nicht der Normalfall. «Kündigungen, Mobbing und generelle Verunsicherung sind dabei traurigerweise an der Tagesordnung», betont Kraus.

Laut einer Untersuchung des Transgender Networks erhielt nur die Hälfte der Personen, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können, Unterstützung vom Arbeitgeber. «Im Durchschnitt wurde jeder der befragten Transpersonen während der Transition einmal die Stelle gekündigt», heisst es in der Befragung. Vor allem die Zeit des Coming-outs und der Transition birgt laut Transgender Network ein deutliches Risiko, einen unfreiwilligen Jobverlust oder einen beruflichen Abstieg zu erleiden.

«Dass Transpersonen keine Unterstützung der Vorgesetzten erhalten oder ihnen sogar gekündigt wird, hängt damit zusammen, dass einige Chefs in veralteten Geschlechterbildern denken oder mit der Situation überfordert sind», erklärt Berater Patrick Weber. «Sie glauben, es sei abnormal, wenn sich jemand nicht mit dem biologischen Geschlecht identifiziert.» Dabei ändere sich ja nicht der Mensch, sondern nur sein Äusseres.

Leitfaden zum Umgang mit Namensänderung

Um Transmenschen ein sicheres Arbeitsumfeld zu garantieren und das Betriebsklima für alle Beteiligten möglichst offen und positiv zu gestalten, sind laut Transgender Network Aufklärung, Information und Beratung nötig. Dies soll mit dem Projekt «Trans-Fair» geschehen, wie Sprecherin Janna Kraus erklärt. Mit Broschüren oder in Workshops soll dort etwa die Frage beantwortet werden, wie Angestellte und Arbeitgeber mit administrativen Dingen wie der Namensänderung umgehen können oder wie man gegenüber Kunden kommunizieren soll.

(pam)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman K. am 20.08.2017 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Leben und leben lassen - ist doch seine / ihre Sache. Ein bisschen Toleranz wäre schön.

    einklappen einklappen
  • Stutzer-De Vos am 20.08.2017 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    So etwas von egal

    Wenn er früher und sie also nun heute gute Berichte und Kommentare liefert, sollte es in der heutigen Zeit, kein Thema mehr sein. Aber eben es ist Sonntag läuft wohl zu wenig für 2omin auf der Welt.

  • Barbi3 am 20.08.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen

    Völlig unnötig diese Frau zu outen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hella Sunshine am 21.08.2017 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo SRF, alles richtig gemacht

    Bravo SRF: Die genannten Faktoren dürfen wirklich keinen Einfluss auf die Anstellung oder Weiterbeschäftigung einer Person haben! Es zählt nur die Fachkompetenz! Leider ist das in weiten Teilen der Privatwirtschaft 2017 noch nicht angekommen...

  • Segi am 21.08.2017 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist doch kein Thema

    Ich frage mich wirklich, in welchem Jahrhundert wir leben. Ist doch völlig irrelevant und hat nicht wirklich zu interessieren. Die Dame hat einen Job zu machen. Welches Geschlecht der Speaker hat oder hatte ist nun wirklich egal. Wie wär's mit etwas Toleranz und Respekt gegenüber anderen Lebensformen?

  • swissbird am 21.08.2017 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungeschickt...

    Dass das SRF keine Angaben macht, ist ein absolut korrektes Verhalten. Dass die betroffene Person, in einem solchen Beruf, das Thema dermassen verklemmt behandelt, ist gleichermassen äusserst ungeschickt wie das Ausmass ihres Persönlichkeitsproblems aufzeigend. Hier wäre eine offensive Kommunikation ratsam, um das Thema sogleich in den Status "erledigt" zu bringen.

    • Segi am 21.08.2017 09:58 Report Diesen Beitrag melden

      Outen?

      Warum denn outen?

    • swissbird am 22.08.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Segi

      Weil er beruflich in öffentlichrm Interesse steht, und er dadurch Gerüchten die Kraft nehmen kann. Aber ganz wie er/sie/es will. :-)

    einklappen einklappen
  • ManuElli am 20.08.2017 20:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privat

    Das ist doch völlig irrelevant Gute Leistung zählt alles andere privszsache

  • waldi am 20.08.2017 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    nichts

    Wisst ihr, was uns ihr Aussehen angeht? Nichts, aber auch rein gar nichts!