Tierhaltung

08. März 2017 20:46; Akt: 08.03.2017 20:46 Print

«Bund fördert Beton-Auslauf für Kälber»

von J. Büchi - Ob ein Rind auf einer Wiese weidet oder Auslauf im Laufstall hat, wird vom Bund gleich abgegolten. Das stört Grüne, Bauern und Tierschützer.

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Kalb eins lebt allein auf einer Fläche von 3,5 Quadratmetern. Ein Quadratmeter davon ist nicht überdacht und dient somit als Auslauffläche.

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Kalb zwei grast zusammen mit anderen Jungtieren auf der Weide und kann sich dort frei bewegen.

Die Halter von Kalb eins und Kalb zwei erhalten dafür gleich viele Fördergelder. «Das ist ein absoluter Fehlanreiz – der Bund fördert auf diese Weise den Auslauf auf Beton», kritisiert der grüne Nationalrat Louis Schelbert, der den Bundesrat in einem Vorstoss mit dem Thema konfrontiert. Der Bund vergibt die Beiträge im Rahmen des Programms RAUS, was für «Regelmässiger Auslauf im Freien» steht.

Bundesrat zum Handeln aufgefordert

Fürs Tierwohl mache es einen grossen Unterschied, ob Rinder und Kälber auf die Weide dürften oder nicht, so Schelbert. Er fordert den Bundesrat dazu auf, die RAUS-Beiträge zu korrigieren. «Ein Bauer, der auf Auslauf beim Stall setzt, soll deutlich weniger Geld erhalten als jener, dessen Tiere Gras unter den Füssen spüren.»

Die Entwicklung ist für ihn umso bedenklicher, als dass die Zahl der Grossbetriebe in der Schweiz zunimmt. So hat sich die Zahl der Betriebe, die über hundert Milchkühe halten, zwischen 2010 und 2015 mehr als verdoppelt.

«Weidetiere erkranken seltener»

Auch dem Schweizer Tierschutz STS sind die Kriterien des Bundes ein Dorn im Auge: Zahlreiche Studien belegten, dass es Tieren bei Weidehaltung deutlich besser gehe, sagt Geschäftsführer Hansuli Huber: «Sie erkranken seltener, haben weniger Abriebe am Fell, ihre ganze Gesundheit ist besser.»

Allerdings sei der Aufwand und der Flächenbedarf für eine Weidehaltung deutlich höher als für einen Beton-Auslauf: «Dies muss bei der Beitrags-Vergabe zwingend abgegolten werden.» Ansonsten sei dies für Tierhalter geradezu eine Einladung, noch mehr Tiere pro Betrieb zu halten – und dafür beim Auslauf zu sparen.

Bauern wollen keine Kürzungen bei Stall-Auslauf

Bauernpräsident Markus Ritter (CVP) betreibt auf seinem Hof, auf dem er rund 30 Milchkühe hält, selber intensive Weidewirtschaft. «Das ist deutlich aufwändiger als einen Auslauf beim Stall zu bauen», bestätigt er. Er spricht sich deshalb auch im Namen des Bauernverbands für höhere RAUS-Beiträge bei Weidehaltung aus.

Von einer Kürzung, wenn ein Landwirt seinen Tieren in Laufställen Auslauf gewährt, will er aber nichts wissen. «Das Niveau dieser Zahlungen muss stabil bleiben, während die Beiträge für die Weidehaltung erhöht werden. Damit kann die Weidehaltung gefördert werden.»

«Feinjustierung» im Gang

Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW bestätigt, dass «bis anhin» bei den RAUS-Beiträgen nicht zwischen den beiden Haltungsformen unterschieden wird. Der Standard-Auslauf, bei dem die Tiere mindestens zwischen Mai und Oktober regelmässig auf die Weide dürfen, werde gleich abgegolten wie der ganzjährige Zugang zu einem «alternativen» Auslauf, also zu einem Laufstall.

Allerdings werde das System laufend «feinjustiert», so Sprecher Jürg Jordi. «Die nächste Möglichkeit ergibt sich im sogenannten Verordnungspaket 2017, das gegenwärtig in Vernehmlassung ist.» Ob es eine Anpassung gibt, sei Sache des Bundesrats.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maus1955 am 08.03.2017 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kälber

    Die Tiere haben ein Recht, ihr kurzes Leben auf einer Weide und nicht auf Beton zu verbringen. Traurig, dass es in der Schweiz noch solche Unterschiede gibt.

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  • Klarsicht am 08.03.2017 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturfreund

    Und als nächstes werden für Kühe lieber Notunterkünfte finanziert, da man auch noch das restliche bisschen Grün in der Schweiz bebauen will? Wo soll das nur hinführen... Die Politiker haben keinen Bezug mehr zur Realität und sowas kommt dabei raus...

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  • Baarer am 08.03.2017 21:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tiere auf die Weide, Mensch in den Beton

    Gerade die Grünen verbauen mit ihrer Zuwanderungs Politik noch die letzten Wiesen in diesem kleinen Land. Klar gehören diese Tiere auf die Weide.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seppli vom Deich am 09.03.2017 19:08 Report Diesen Beitrag melden

    Und für sowas bezahlen wir Subventionen

    Skandal. Kommt wir boykottieren die Migros bis sie das Referendum aufgleist.

  • Sepp. S. am 09.03.2017 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Politik Versus LandWIRTSCHAFT

    Die Landwirtschschaftspolitik mit den Subventionen und anderen Beiträgen ist schon vor 30 Jahren gescheitert. Die Auslaufställe produzieren viel Treibhausgase da der Urin und Kot vertrocknet.Die Tiere stehen oftmals in der eigenen Fäkalien. Wer es nicht glaubt soll mal nachsehen. Tiere stehen draussen in den Weiden bei Nässe Knöcheltief im Morast. Die Politik schreibt den Bauern vor wie Sie die Tiere zu halten haben. Wie krass ist das denn ?

    • Gretel am 09.03.2017 23:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp. S.

      Und deswegen brauchen die Bauern Unterstützung aus der Bundeskasse, weil die Politik jedes Jahrzehnt zweimal die Richtung ändert. Damit enorme Kosten verursachen, die in so kurzer Zeit nicht amortisiert werden können.

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  • Izkierda am 09.03.2017 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Experiment

    Man sollte alle Bauern und Fleischesser mal ein Jahr lang so "halten". DANN diskutieren wir auf dem richtigen Niveau über das Wort "artgerecht"!

  • Mary J. am 09.03.2017 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mass beim Fleischkonsum hilft!

    Ich habe vor 5 Jahren aufgehört Fleisch zu essen, weil ich es nicht über's Herz bringe Baby-Kühe u.a. zu essen! Die ganze "Produktion" von Kalbfleisch ist unmenschlich und brutal, die Mutterkühe leiden und die Kälber erst recht!! Man sollte die Mutterkuhhaltung obligatorisch machen, und die Kälber zu Rindern werden lassen! Diese wundschönen Tiere haben auch das Recht zu leben!! Ich selbst kann es nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren mit meinem Geld zu so einer Ungerechtigkeit und Qual beizutragen!! Wenn der Fleischkonsum zurück geht, bleibt vielleicht auch wieder mehr Platz für die Tiere

  • Rose am 09.03.2017 11:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr Direktzahlungen

    War ja klar, dass die Bauern mit Weidewirtschaft mehr Geld wollen, anstatt den anderen zu kürzen. Wenn wir die Tiere schon essen wollen, können wir sie doch wenigstens anständig behandeln. Das hat was mit Gewissen und nicht mit Gesetz zu tun.