Fall Adeline

17. Mai 2017 11:07; Akt: 18.05.2017 08:45 Print

Szene aus «Braveheart» war Vorlage für Mord

Im Prozess gegen Fabrice Anthamatten haben heute die Gutachter ausgesagt. Demnach hatte der Angeklagte seit der ersten Begegnung mit der Sozialtherapeutin Fantasien.

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Bat vor Gericht nicht um Vergebung: Fabrice A., hier bei einer Anhörung zu seiner Auslieferung vor einem Gericht im polnischen Szczecin. (22. Oktober 2013) Ihr Mandant habe nur den Gefängnisausbruch, nicht aber den Mord geplant: Die Anwälte von Fabrice A., Yann Arnold (l.) und Leonardo Castro. (15. Mai 2017) Täter Fabrice A. wusste von der Beziehung der beiden Therapeuten Adeline und Juan: Juan P., der Lebenspartner der ermordeten Adeline, spricht zu Reportern vor dem Gericht in Genf. (15. Mai 2017) «Auf diese Art und Weise ist es entsetzlich»: Adelines Eltern Esther (l.) und Jean-Claude vor dem Gericht in Genf. (15. Mai 2017) Polizisten am Prozessauftakt vor dem Genfer Justizpalast. (15. Mai 2017) Der bereits wegen zweifacher Vergewaltigung verurteilte Täter: Fabrice A. soll seine Sozialtherapeutin Adeline M. im September 2013 bei einem Freigang an einen Baum gebunden und ihr die Kehle durchgeschnitten haben. Er gestand den Mord. (10. Dezember 2008) Fluchtplan durchkreuzt: Seine Flucht während des Freigangs habe er von langer Hand und in allen Details geplant. Die 34-jährige Mutter sei zum Hindernis geworden. Der Fall erregt grosses Aufsehen: Der Anwalt der Opferfamilie stellt sich am ersten Prozesstag der Presse. (3. Oktober 2016) Wollen Gerechtigkeit: Die Eltern von Adeline M. (links) mit ihrem Anwalt Simon Ntah (rechts) auf dem Weg zum Gerichtssaal in Genf. (3. Oktober 2016) Angespannt: Generalstaatsanwalt Olivier Jornot betritt das Gerichtsgebäude. (3. Oktober 2016) Vertritt den Angeklagten: Yann Arnold ist der Anwalt von Fabrice A. (3. Oktober 2016) Kameras sind nicht erlaubt: Eine Gerichtszeichnung zeigt Fabrice A. auf der Anklagebank. (3. Oktober 2016) Zum Auftakt des zweiten Prozesstages machen zwei Gutachter deutlich, dass der 42-jährige Angeklagte Monate vor dem Delikt Fantasien zur Tötung einer Frau hatte. (3. Oktober 2016) Müssen den Anblick des Mörders ihrer Tochter ertragen: Die Eltern von Adeline M., dargestellt vom Gerichtszeichner. (3. Oktober 2016) Rückblick: Im Wald von Versoix (Kanton Genf) wurde die Leiche von Adeline M. im September 2013 gefunden. (13. September 2013) Polizeichef François Schmutz und Staatsanwalt Olivier Jornot gaben Auskunft zum Vorgehen der Polizei. Fabrice A. wurde über Interpol gesucht. Fabrice A. gelang die Flucht über die Grenze nach Deutschland: In Weil am Rhein in Baden-Württemberg wurde er am Bahnhof geortet. Suchten Fabrice A.: Deutsche Polizisten vor dem alten Zollhaus in Weil am Rhein. Verhaftet wurde er an der polnischen Grenze. Er war auf dem Weg nach Polen, um seine Ex-Freundin zu töten. Ständerat This Jenny (SVP, GL) forderte damals, dass der Sexualtrieb von Vergewaltigern wie Fabrice A. unterbunden werden müsse. Hier lernten sich Täter und Opfer kennen: Das Genfer Gefängnis La Pâquerette.

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Die beiden Schweizer Gutachter schätzen das Risiko für Wiederholungstaten beim Angeklagten im Tötungsdelikt Adeline als sehr hoch ein. Sie machten am Mittwoch jedoch keine Aussagen zur Frage der lebenslänglichen Verwahrung.

Die beiden Experten Alexandra Rageth und Eric Luke zweifeln daran, ob sich der Angeklagte ändern kann. Mit 42 Jahren sei dieser aber noch jung. Sein Zustand müsse im Laufe der Jahre überprüft werden, sagte Alexandra Rageth.

Die beiden Gutachter gaben an, sich nicht zur Frage der lebenslänglichen Verwahrung äussern zu können, da es unmöglich sei, das Risiko des Angeklagten auf Lebenszeit abzuschätzen. Die beiden Experten sind überzeugt davon, dass der Angeklagte ihnen nicht alles gesagt hat.

Keine Prognose auf Lebenszeit

«Ich denke, dass er uns willentlich angelogen hat», sagte Alexandra Rageth. Ihrer Ansicht nach will er sich immer in ein gutes Licht rücken. Zudem hatten die Experten den Eindruck, dass der französich-schweizerische Doppelbürger sie beeindrucken wollte.

Die beiden Schweizer Experten wurden am Mittwochmorgen befragt, nachdem am Dienstagnachmittag die beiden französischen Gutachter an der Reihe gewesen waren. Die beiden französischen Experten hatten ebenfalls keine Prognose auf Lebenszeit gemacht.

Fantasien zu Filmszene

Gemäss den Schweizer Experten hatte der Angeklagte seit dem Tag, als die Sozialtherapeutin ihn in dem auf Resozialisierung spezialisierten Zentrum «La Pâquerette» empfangen hatte, erotische Fantasien.

Der französisch-schweizerische Doppelbürger habe zudem in seiner Zelle immer wieder Szenen aus dem Film «Braveheart» angeschaut, bei der einer Frau die Kehle durchgeschnitten wird. «Er sagte uns, dass er sich selbst und Adeline in dieser Szene vorgestellt habe», sagte Eric Luke. Er wähnte sich dabei in der Rolle des Schauspielers, welcher die Frau tötet.

Der 42-Jährige muss sich wegen Mordes, Freiheitsberaubung, sexueller Nötigung und Diebstahls vor dem Genfer Strafgericht verantworten. Er hat gestanden, die 34-jährige Genferin am 12. September 2013 während eines Freigangs getötet zu haben.

(woz/sda)