Schweiz

03. Januar 2011 23:02; Akt: 04.01.2011 00:35 Print

Gerecht, doch bei Armut und Bildung hapert es

von Nico Menzato - Laut einer Studie belegt die Schweiz bei der sozialen Gerechtigkeit nach Skandinavien einen Spitzenplatz. Einiges zu tun gibt es jedoch beim Zugang zu Bildung und bei der Vermeidung von Armut.

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Soziale Gerechtigkeit bedeutet gemäss der Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung, dass jede Person gleiche Verwirklichungschancen hat. Demnach rangiert die Schweiz unter 31 OECD-Staaten auf Platz 7. Einzig Island,
die vier skandinavischen Staaten und die Niederlande sind noch ­gerechter. Abgeschlagenes Schlusslicht ist die Türkei hinter Griechenland.

Besonders gerecht ist in der Schweiz der Arbeitsmarkt
(Platz 2) – die generelle Beschäftigungsquote und auch jene der Zuwanderer, Jungen und Alten ist vergleichsweise hoch. Zudem ist Gerechtigkeit zwischen Jung und Alt gross (Platz 5). Dies zeigt sich unter anderem an den geringen Schulden und einer guten Rentenpolitik. Beim Faktor Gleichheit, der unter anderem die Verteilung von Einkommen sowie Diskriminierung umfasst, belegt die Schweiz Platz 11.

Beim laut Studie wichtigsten Faktor für Gerechtigkeit herrscht jedoch Handlungsbedarf: Die Armut – auch jene von Kindern und Rentnern – ist hierzulande vergleichsweise weit verbreitet (Platz 16). Als arm gilt, wer weniger als die Hälfte des Medianeinkommens zum Leben hat, in der Schweiz also weniger als brutto 2900 Franken. Dies ist fast jeder Zwölfte. Neben Skandinavien stehen hier unter anderem Österreich, Frankreich und auch Deutschland besser da. Auch wie erfolgreich ein Kind in der Schule ist, hängt hierzulande stark von Herkunft und so­zialem Hintergrund ab. Um die Chancengleichheit von Migrantenkindern in Schulen ist es also schlecht bestellt. Dies unter anderem auch deshalb, weil im OECD-Vergleich am achtwenigsten für frühkindliche Bildung ausgegeben wird.