Migrantinnen aus Osteuropa

19. März 2017 09:23; Akt: 19.03.2017 09:43 Print

Bund lässt Ausbeutung von Pflegepersonal zu

In der Schweiz sind Tausende Osteuropäerinnen in der privaten Pflege tätig. Weil es keine verbindlichen Regeln gibt, arbeiten sie meist unter skandalösen Bedingungen.

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Arbeiten unter prekären Bedingungen: In der Privatpflege werden viele Migrantinnen ausgebeutet. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Wer in der Schweiz privat eine Haushaltshilfe beschäftigt, kann dies nach eigenem Ermessen tun. Denn Care-Arbeit ist nicht dem Arbeitsgesetz unterstellt. Zwar kennen die Kantone minimalste Normalarbeitsverträge für Regelung der Arbeitszeit. doch können Arbeitgeber auch schlechtere Bedingungen aushandeln. Damit ist Missbrauch ist Tür und Tor geöffnet.

Davon betroffen sind gemäss Schätzungen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) Zehntausende. schreibt der «Sonntagsblick». Laut aktuellsten Zahlen wandern pro Jahr zwischen 3000 und 3500 Hauswirtschaftsangestellte in die Schweiz ein. Dabei hat sich seit 2005 der Anteil der Personen aus EU-Staaten in Osteuropa, also Ländern wie Polen, Ungarn oder der Slowakei mehr als verdoppelt, die Zahl der Kurzaufenthalterinnen hat sich seither sogar vervierfacht.

Behörden verschleppen eine Regelung

Für die Zürcher CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer ist das ein unhaltbarer Zustand. Sie hat im Parlament einen Vorstoss zur Verbesserung der Situation eingereicht. Inzwischen wurde von der Bundesverwaltung ein 30-seitiger Bericht erstellt, der mehrere Lösungsvorschläge diskutiert. Doch konkret umgesetzt wurde davon bisher nichts. «Ich habe stark den Eindruck, dass der Bund eine Lösung einfach verschleppt», sagt Schmid im «Sonntagsblick». Dabei sei klar: «Diese Frauen werden als günstige Arbeitskräfte missbraucht – deshalb braucht es minimalste gesetzliche Regelungen.»

«Es gibt viele schwarze Schafe in der Branche», sagt Donar Barrelet von Pflegehilfe Schweiz, einer grossen Vermittlerin von Pflegepersonal in der Schweiz, im «Sonntagsblick». Ein 24-Stunden-Betreuungsdienst mit nur einer Person sei eigentlich gar nicht möglich. Sein Unternehmen setze jeweils mehrere Personen zur Pflege ein und bezahle auch Minimallöhne.

Zu Schwarzarbeit gezwungen

Selbst wenn Arbeitsvermittler einen guten Lohn versprechen, erhalten die Frauen am Ende viel weniger ausbezahlt. «Die Firma war von Anfang an komisch», berichtet eine Betroffene, die im Sommer 2012 über eine Schweizer Vermittlungsfirma für einen Arbeitseinsatz von Polen in die Schweiz kam. Zuerst habe ihr Chef sie gar nicht korrekt angemeldet. «Ich arbeitete schwarz», sagt die Frau im «Sonntagsblick». Erst als sie interveniert, werden ihr die Sozialversicherungsbeiträge verrechnet. Dennoch erhielt die Frau laut «Sonntagsblick» bloss rund 2000 Franken netto pro Monat ausbezahlt, obwohl sie 24 Stunden und sieben Tage die Woche im Einsatz war.

Die Frau habe sich dann bei den Behörden informiert und herausgefunden, dass ihr mehr Geld zustünde Als sie von ihrem Chef ein paar Hundert Franken mehr Lohn verlangte, habe dieser das Arbeitsverhältnis beendet, berichtet «Sonntagblick». Inzwischen habe das Unternehmen einfach eine andere Frau aus Polen beschäftigt. Sie selbst versucht nun einen Teil des Lohnes auf dem Rechtsweg zu erstreiten.

(chi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sohn am 19.03.2017 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein betroffener

    Meine Mutter war im Pflegeheim. Rund 11500 kosten pro Monat. Wäre mein Vater dazu gekommen wäre es doppelt so teuer in Basel notabene. Der Skandal sind nicht osteuropäische Pflegerinnen der Skandal ist, dass Pflegeheime die volksenteignung mit Segen der Regierung vornehmen. Der preis steht in keinem erklärbaren Verhältnis zur Leistung.

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  • Reto Kissling am 19.03.2017 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchler

    Klar. Wenn man etwas verdienen kann, krümmen die Schweizer immer das Gesetz. Ein Heuchlerstaat war es schon immer. Bsp. dafür gibt es genug: Migros, Federer, Ruag...

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  • PatrickDaniel am 19.03.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

    Personenfreizügigkeit sei dank!

    Durch die Kündigung der Personenfreizügigkeit wäre dieser Missstand ein für alle mal behoben. Die CH-Bevölkerung wollte aber die Personenfreizügigkeit und die Bilateralen 1 und muss jetzt mit Arbeitsplatzverdrängung, Lohndumping, höherer Arbeitslosigkeit und solchen Missständen leben. Selber schuld!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W.Höfi am 20.03.2017 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pflege aus Liebe

    Habe meine Frau bis 4 Tage vor ihrem Tod zu Hause Gepflegt. Bin nicht Gelernter Pleger,aber habe meine Frau aus Liebe Gepflegt.Im Spital ,in der Abteilung,wo ich dann meine Frau gebracht habe,wollte die Zuständige Pflege Fach Frau mir nicht glauben,das ich sie Alleine gepflegt habe.

    • Mary J. am 20.03.2017 13:54 Report Diesen Beitrag melden

      Wenn es machbar ist...

      Schön, wenn man es sich leisten kann, zeitlich gesehen! Aber viele können nicht weil sie einen Vollzeitjob haben weil sie eine Familie zu ernähren haben. Auch ist die Pflege äusserst anstrengend und bringt viele Angehörige an ihre Grenzen..

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  • Jaypo am 20.03.2017 00:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pflege

    ich arbeite in der Pflege. nach abzug von kk, miete und essen habe ich keine 2000 franken übrig. und wenn ich mit einrechenn wärde das ich in einer wg wohne dann hätte ich evt die 200 franken übrig. jedoch müsste ich damit tv, heizkosten auto kostem etc auch bezahlen.. ich finde solche 24stunden betreuung durch eine person nicht vernünftig. weder für die klientin noch für die betreuerin.

  • Herrcool.es am 20.03.2017 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    eigenartiges

    Verhalten dieser Behörde. Bekommt BR Berset auf diese Art und Weise die Verteuerung der Krankenkassen in den Griff? Nein, er scheitert wie mit der Rentenreform. Wo hat er eigentlich Erfolg?

  • Scheronimonli am 19.03.2017 23:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3Generationen-Gemeinschaft

    Ich finde, am besten wäre,man würde viel mehr wieder "Zusammeleben".Das heisst ein 3-Generationenhaushalt.Alle unterstützen einander, die Jungen lernen von den Alten und den Alten wird nicht langweilig, man wird eingebunden automatisch.Einfach sich gegenseitig unterstützen und Respekt voreinander haben.Ich denke wenn das mehr Gang und Gäbe wäre, hätten wir viel weniger solch "Altersheimprobleme". Später,wenn die Alten pflegebedürftig werden,kann man sicher gemeinsam eine Lösung finden (man muss auch mal zurückschrauben,weniger Ferien usw)die Jungen schauen sich das dann ab,wenn man Glück hat.

    • luna am 20.03.2017 07:30 Report Diesen Beitrag melden

      sparen

      Wer würde dann so eine grosse Wohnung Bezahlen und dann könnte die alten auf ihre Enkel aufpassen und wenn die Jungen kein Geld mehr hat leben sie von denn Eltern und der AHV oder wie stellt ihr euch das vor????????? das sind genau diese Leute wo selber gerne Ferien machen aber anderen Leute Vorschriften machen. Es ist gut das es Alters und Pflegeheime gibt die werden überwacht von der Gemeinde oder der Stadt

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  • Peter am 19.03.2017 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir werden ausgebeutet

    Lieber eine Frau aus Osteuropa als eine Unwillige und Unfähige aus der gleichen Region, die sich in einem Pflegeheim als angestellte Pflegekraft durchmogelt.