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Zu freizügig
17. Juni 2011 09:07; Akt: 17.06.2011 10:24 Print
Konservative attackieren Sex-Unterricht
von Jessica Pfister - Der Bund plant, die Sexualkunde in Schulen und Kindergärten schweizweit obligatorisch einzuführen. Nationalräte von SVP, EDU und CVP wollen dies mit einer Petition verhindern.

Wissen, woher die Babys kommen. Schon Kindergärtler sollen sich mit dem Thema Sex auseinandersetzen. (Bild: Keystone)
Kindergärtler interessieren sich für die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Und sie wollen wissen, wo die Babys herkommen. Nun soll die Aufklärung noch weiter gehen: Kinder ab vier Jahren sollen ihren eigenen Körper spielerisch wahrnehmen, Körperteile benennen oder angenehme von unangenehmen Berührungen unterscheiden können.
VideoSeit Dezember führt die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit das Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule. Laut BAG verfolgt es folgende Ziele:
- flächendeckende und verbindliche Verankerung von Sexualpädagogik inklusive HIV-Prävention in den Lehrplänen der Schweizer Volksschulen
- Sexualpädagogik soll zu einem festen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen werden
- Unterstützung der Lehrpersonen durch den Betrieb einer Informations- und Austauschplattform.
Das BAG unterstützt das Zentrum mit einem jährlichen Beitrag von 300 000 Franken.
So zumindest sieht es das «Grundlagenpapier Sexualpädagogik und Schule» des Kompetenzzentrums für Sexualpädagogik der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz (PHZ) vor. Gestützt auf das Papier entwickelt das Zentrum Unterrichtsprogramme und Lehrmittel für die Altersstufen von 4 bis 15 Jahren. Ziel ist, die Sexualerziehung schweizweit verbindlich in den Lehrplänen zu verankern. Der Auftrag hierfür kam vom Bundesamt für Gesundheit (siehe Box).
Für konservative Politiker aus den Reihen der SVP, CVP und EDU ist dieses Ziel schlicht «eine Katastrophe». «Ich bin nicht prüde», sagt CVP-Nationalrat Pius Segmüller gegenüber 20 Minuten Online. Aber die Aufklärung sei nun mal Sache der Eltern und ein obligatorischer Sexualkunde-Unterricht gehe zu weit. «Zudem ist es nicht natürlich, Kinder schon mit vier Jahren für das Thema Sex zu sensibilisieren.» Deshalb reicht Segmüller am Freitag zusammen mit den Nationalräten Ulrich Schlüer (SVP), Walter Messmer (FDP) und Andreas Brönnimann (EDU) eine Petition «Gegen die Sexualisierung der Volksschule» ein. Diese ist an sämtliche kantonale Bildungsdirektoren adressiert.
Keine Lehrmittel mit Anleitungen
«Wir wehren uns gegen das geplante Obligatorium und verlangen, dass sich Kinder jederzeit vom Sexualkunde-Unterricht dispensieren können», sagt der Zürcher SVP-Politiker Ulrich Schlüer. Ausserdem fordere man, dass die Lehrmittel weder Anregungen für Sexspiele noch Anleitungen zum Ausprobieren besonderer Sexualpraktiken enthalten. Auch an Pornografie grenzende Illustrationen sollen genauso wie «sexuelle Vulgärsprache» verboten werden.
«Es kann nicht sein, dass Primarschüler mit Anleitungen oder Holzpenissen zum Üben von Sexualpraktiken aufgefordert werden», sagt Schlüer und bezieht sich dabei vor allem auf den in Basel geplanten Unterricht mit Sexkoffern. Die eigentliche Aufklärung gehöre in den Biologieunterricht der Oberstufe. Bei konkreten Problemen wie Handy-Pornos oder einer Schwangerschaft sei es an den Lehrern, dies mit den Schülern altersgerecht zu diskutieren. «Es braucht dazu kein Fach Sexualkunde.»
Gemäss Schlüer wird das Anliegen von über zehn Elternvereinen und christlichen Organisationen unterstützt. Eine davon ist die IG Sexualerziehung. «Mit der obligatorischen Sexualkunde werden die Kinder schon fast zum Sex verführt», befürchtet Lisa Leisi, Vizepräsidentin der EDU St. Gallen und IG-Mitglied. Zudem sei es nicht möglich, einen Sexualunterricht wertneutral durchzuführen. «Es steckt immer eine Ideologie dahinter.» Es gehe zum Beispiel nicht an, dass Lehrer die Schüler über jegliche Praktiken wie beispielsweise die der gleichgeschlechtlichen Liebe aufklären.
«Weder Holzpenisse noch Plüschvaginas»
Titus Bürgisser, Leiter des Kompetenzzentrums Sexualpädagogik und Schule an der PHZ kann die Aufregung der Petitionäre nicht nachvollziehen. «Eltern und Lehrpersonen erleben täglich, dass Kinder Fragen stellen – sei es zum eigenen Körper, zum eigenen Geschlecht oder zur Entstehung und Geburt des Menschen.» Das Kompetenzzentrum setze sich dafür ein, dass Lehrpersonen aller Stufen dafür ausgebildet werden, kompetent auf diese Fragen einzugehen und entsprechende Lehrplanthemen gut zu unterrichten. «Es ist überaus wünschenswert, wenn Kinder im Elternhaus aufgeklärt werden», sagt Bürgisser. Nur sei dies leider je länger je weniger der Fall. Hier habe die Schule neben den Eltern im Bereich der Sexualerziehung einen ergänzenden Bildungs- und Erziehungsauftrag.
Was die Aufklärung im Kindergarten angehe, handle es sich vor allem um eine Sozialerziehung. «Es werden auf dieser Stufe keine Holzpenisse oder Plüschvaginas verwendet oder gezeigt», so Bürgisser. Auch würden die Kinder nicht angehalten, lustvolle Berührungen zu erfahren, wie schon in Medien berichtet wurde. Lehrpersonen der Kindergartenstufe seien sich der anstehenden Entwicklungsthemen der Kinder bewusst und würden die Fragen und die entsprechenden Lehrplanthemen umsichtig und sensibel angehen. Die Forderung der Politikergruppe, dass sich Kinder vom Sexualunterricht dispensieren lassen können, lehnt Bürgisser ab. «Wir sind der Meinung, dass alle Kinder und Jugendlichen über dieses wichtige Thema Bescheid wissen und Antworten auf ihre Fragen erhalten sollten.»
«Nicht massgebend für Lehrplan»
Auch Roger Staub, Leiter Prävention und Promotion beim Bundesamt für Gesundheit (BAG), kann über die Aussagen der Petitionäre nur den Kopf schütteln. «Ich vermute, dass hier wieder mal nur Wahlkampf gemacht wird.» Gerade die SVP benutze das Thema, um ihre Volksschuldebatte weiterzutreiben.
Dem BAG gehe es vor allem darum, den Lehrplanprojekten, den Pädagogischen Hochschulen und den Lehrpersonen geeignete Grundlagen bereitzustellen. Die Kantone würden selber entscheiden, ob sie diese verwenden möchten oder nicht. Dies bestätigt die Deutschschweizer Konferenz der Erziehungsdirektoren: «Das Grundlagenpapier ist weder im Auftrag noch unter Mitwirkung der Erziehungsdirektoren-Konferenz entstanden, seine Inhalte sind für den künftigen Lehrplan nicht massgebend.»
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Alle 339 Kommentare





























Wer soll Kinder aufklären?
Gruselig die Vorstellung, dass verklemmte, irritierte Erwachsene, die keine Ahnung haben von Sex, Kindern etwas darüber erzählen sollen. 16-jährige haben heute mehr Ahnung von Sex, als es ihre Eltern je haben werden. Erwachsene sollten von Teenagern aufgeklärt werden.
son Quatsch
Hallo. Ich wurde auch nicht aufgeklärt und weiss wie der Hase läuft? Ausserdem muss ein Primarschüler dies gar nicht wissen. Interessieren sich die Kinder erst ab der Pupertät für das andere Geschlecht und so blöd kann man nicht sein dass man nicht selber herausfindet wie Kinder geboren werden und gemacht. Ich bin nicht verklemmt und sehr offen, aber Sexualunterricht halte ich für überflüssig. Es ist die einfachste Sache der Welt? Ausserdem sollen die Menschen es selber herausfinden und erfahren. Ich würde mein Kind vom Unterricht befreien lassen. Ich kann es ihm selber erklären.
Was kümmert euch das...?
Auch wenn dieses Thema bei migranten Eltern tabu ist. Habe noch nie einen Ausländer gesehen der mit 16 noch nicht wusste was ein Penis oder eine Vagina ist oder keine Ahnung hatte von wo Babys kommen. Leute im Ernst, das ist nicht euer Problem wenn gewisse Eltern ihre Kinder nicht "zu früh" aufklären wollen, dann lasst es ihre Sache sein, das sind IHRE Kinder und nicht die euren. Wollen wir jetzt sogar Papa und Mama vorschreiben wie sie ihre Kinder erziehen sollen? Das geht zu weit! Egal ob aufgeklärt oder nicht, Gefahren im Internet sowie Missbrauch würden auch dann immer noch bestehen!