Goldinitiative

17. November 2014 18:32; Akt: 18.11.2014 10:51 Print

«So sinnlos, wie wenn wir Panzer im Ausland hätten»

von Philippe Flück - Die Goldinitiative ist von allen Seiten unter Beschuss. Initiant und SVP-Nationalrat Lukas Reimann über goldsüchtige Zwerge und Verschwörungstheorien.

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Lukas Reimann: «Im Notfall schaut jedes Land für sich. Gold im Ausland zu lagern, ist gleich absurd, wie wenn wir unsere Panzer im Ausland hätten und denken würden, wir könnten sie im äussersten Notfall in die Schweiz holen.» (Bild: Tobias_riedmueller)

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Herr Reimann, im Abstimmungskampf zur Gold-Initiative bläst Ihnen ein rauer Wind entgegen: Der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm bezeichnet Sie als «goldsüchtigen Zwerg», man stellt Sie in die Ecke der Verschwörungstheoretiker. Nimmt man Ihr Anliegen überhaupt ernst?
In einem Abstimmungskampf sind solche Argumente unterste Schublade. Wenn die Gegner mit Begriffen wie «Zwerg» oder «Verschwörungstheoretiker» argumentieren müssen, spricht dies für unsere Seite. Es fehlen offensichtlich sachliche Argumente.

Sie weisen den Vorwurf also zurück, wonach Ihr Anliegen aus der
Ecke der Verschwörungstheorien kommt?

Wir wollen lediglich den bewährten Zustand von 1999 – welcher der Schweiz Stabilität, Sicherheit und Unabhängigkeit gebracht hat – wiederherstellen, mit massvollen 20 Prozent – statt wie damals 40 Prozent – Goldanteil. Gold ist die Versicherung für riskante hunderte Milliarden von Euro und Dollar, welche die SNB hält. Wo ist hier der Verschwörungsgedanke?

Vor zwei Jahren verlangten Sie die physische Überprüfung der Schweizer Goldreserven im Ausland. Ihre Gegner haben Sie als paranoid betitelt, da Sie das Gefühl hatten, das Gold sei verschwunden.
Ich würde nicht das Wort «verschwunden» benutzen. Allerdings kann das Gold verliehen werden. Als der Deutsche Bundesrechnungshof vor kurzem die deutschen Goldreserven in New York wenigstens inspizieren wollte, wurde ihm dies von Washington untersagt. Gestattet wurde Berlin, wenige Tonnen pro Jahr nach Deutschland zurückzuholen. Eingehalten wurde diese Konzession bis heute nicht. Weiter weiss ich von Experten aus der Edelmetall-Branche, dass oft Goldbarren, wenn sie zurückkommen, nicht der richtigen Zahl Karat entsprechen. Das heisst, dass das Gold zwar physisch da ist, allerdings nicht den erwarteten Wert hat.

Nicht einmal Ihre eigene Mutterpartei unterstützt die Initiative.
Diese Aussage muss man relativieren. 20 von 26 Kantonalparteien befürworten die Initiative. Im Volk sind wir breit abgestützt.

Die Finanzbranche fürchtet um den Wert des Frankens. Dieser könnte bei einer Annahme der Initiative in die Höhe schnellen, heisst es. Ist diese Befürchtung aus Ihrer Sicht unbegründet?
Ja. Die SNB könnte immer noch unlimitiert Fremdwährungen kaufen, nur 20 Prozent des Vermögens müsste aus Gold bestehen. Ausserdem hat die SNB auch vor 1999 zahlreiche Krisen erfolgreich überstanden – mit 40 Prozent unverkäuflichem Goldanteil.

Schon jetzt hat die Schweiz allerdings die höchste Geldmenge pro Kopf weltweit. Was soll mit einem weiteren Anstieg erreicht werden?
Wir verlangen keinen Goldanteil pro Kopf. Relevant ist der Prozentualanteil aller Devisenreserven und da sind wir erschreckend weit hinten im internationalen Vergleich: Wir liegen nicht einmal mehr in den Top 40. Unsere Nachbarländer Frankreich, Deutschland, Österreich und Italien liegen alle bei über 50 Prozent. In Zeiten eines scheinbar grenzenlosen staatlichen Schuldenmachens, eines gleichzeitig fast unlimitierten Gelddruckens durch Zentralbanken und im Angesicht von Währungs- und Finanzmarktkrisen fragen weitsichtige und sicherheitsorientierte Nationalbanken auf der ganzen Welt Gold stärker nach.

Gegner der Initiative befürchten, dass bei Annahme der Initiative die SNB nicht mehr flexibel genug wäre, um auf internationale Wirtschaftsentwicklungen zu reagieren.
Je mehr Goldreserven wir haben, desto sicherer ist unsere Währung. Unsere Initiative lässt der Nationalbank alle Freiheiten; aber wenn sie Geld druckt, muss sie wenigstens einen kleinen Teil in realen Werten anlegen. Bereits heute hat die Nationalbank für über 400 Milliarden Franken Fremdwährungen gekauft – ein Grossteil davon Euro. Niemand weiss, ob es den Euro in ein paar Jahren noch gibt. Gold wird es auch dann noch geben, als Garant für die Zukunft und zugleich als Absicherung für unsichere Zeiten und unberechenbare Finanzmärkte.

Die Kantone sind auf die Gewinne der SNB angewiesen. Falls diese durch die Risikowährung Gold ausfallen, müssten die Finanzlöcher mit Steuererhöhungen und Sparmassnahmen geschlossen werden. Haben die Initianten dieses Risiko berücksichtigt?
80 Prozent der Nationalbank-Reserven müssen für Spekulation und Renditespiele genügen. Und jede Investition birgt ein Risiko. 20 Prozent sollen als Versicherung dienen. Zudem: Gold steigt erfahrungsgemäss dann, wenn es wirtschaftlich ganz schlecht läuft. Genau in diesen Zeiten sind die Kantone am dringendsten auf Auszahlungen angewiesen.

Die Initiative sieht vor, dass der gesamte Goldvorrat der SNB in der Schweiz gelagert werden soll. Gegner behaupten, das Gold könne somit im Notfall nicht schnell genug verkauft werden. Wie schätzen Sie dieses Risiko ein?
Im Notfall schaut jedes Land für sich und wir werden so vom Ausland erpressbar. Gold im Ausland zu lagern ist ebenso absurd, wie wenn wir unsere Panzer im Ausland hätten und denken würden, wir könnten sie im äussersten Notfall in die Schweiz holen. Während des 2. Weltkriegs, als wir letztmals das Gold wirklich brauchten, wurden unsere Goldreserven im Ausland ab 1941 gesperrt.

Ihr Video zur Goldinitiative ist auf Youtube ein Renner. Wie erklären Sie sich das?
Die Rede ist nicht sonderlich originell oder gut vorgetragen. Was mich freut, ist die Tatsache, dass die Inhalte der Rede zählen und sie dem Volk sehr nahe gehen: Es interessiert die Leute, was mit ihrem hart erarbeiteten Geld geschieht – in einer Zeit von sich immer häufiger ereignenden Währungskrisen.

Stimmt es, dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) Ihnen mit einer Klage gedroht hat, weil Sie ein Youtube-Video gepostet haben?
Offenbar wird das Interesse an solchen Youtube-Videos sogar als Bedrohung wahrgenommen: Das SRF drohte uns mit einer Klage, weil wir einen 10vor10-Beitrag zum Thema auf Youtube posteten. Wir mussten es entfernen. Jetzt verhelfen wir dem SRF zu mehr Zuschauern – und sie wollen nicht einmal, dass ihre Beiträge gesehen werden können (lacht).

Laut aktuellen Umfragen sind die Befürworter momentan in Führung. Sehen sie dem Urnengang positiv entgegen?
Es ist alles offen: Es gibt noch zahlreiche Unentschlossene. Wer den besseren Endspurt hat, kann das Rennen für sich entscheiden. Ehrlich gesagt finde ich es schade, dass man nicht öfter sachlich über die Initiative diskutieren kann. Zu Unrecht stehen Ecopop und Pauschalbesteuerungsinitiative derzeit im Zentrum des Interesses.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Festungwächter am 17.11.2014 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz kann Gold selber Lagern

    Das Gold muss zurück in die Schweiz. Warum sollen wir das Gold bei Staaten lagern die uns politisch& Wirtschaftlich immer mal wieder unter Druck setzen? Das Schweizer Gold lagern die nicht gratis, wir bezahlen dafür. Nur wir haben zig moderne , sichere Bunkeranlagen, die die Schweizer Armee ab 2016 nicht mehr braucht. Diese Bunkaranlagen erfüllen alle Anforderungen (NBC Sichere Panzertore, Fingerprint&Iriskontrolle etc) um das Gold sicher zu verwahren und kosten uns nichts extra.

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  • Frank Gerber am 17.11.2014 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Argumente gegen Angstmache

    Hundert mal: Daumen hoch!

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  • Singer Peter am 17.11.2014 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Weg!

    Lagert das Gold nur in Amerika da geht es euch wie Deutschland oder England! Deutschland wollte sein Gold mal in Augenschein nehmen, Antwort aus USA, NEIN! Deutschland bat um Rückgabe des ausgelagerten Goldes die Antwort der USA Keine Diskussion, Deutschland seihe schliesslich noch besetzt, also Deutsches Gold Jetzt US Gold, genau so ist es England gegangen, alles weg, die Amis haben alles nach China verliehen um die Papierrechnung zum Banknotendruck zu zahlen! Woher kommt dann das ganze Gold? Es wird viel mehr Gold Verkauft als produziert, das heisst es werden Goldreserven Verschleudert!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J.Kuster am 18.11.2014 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz

    Etwas irritiert mich an Jordan, warum weist die SNB seit 2013 Gold und Goldforderungen nicht mehr getrennt voneinander aus? Da klingeln bei mir die Alarmglocken.

  • Constantine am 18.11.2014 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinn und Unsinn

    Über den Sinn Gold zu kaufen das angeblich (im Krisenfall aber nicht unabänderlich) nicht zu verkaufen ist lässt sich streiten. Jedoch das die SNB Milliarden an Euros kauft die schlicht keiner haben will-den zuwenig davon hat ja niemand und sonst wird halt wider gedruckt- die somit unverkäuflich und wertlos sind kann man aber nur mit geschlossen Augen darüber weg sehen und lässt mich an Worten wie good job zweifeln.

    • Johnny Dee am 18.11.2014 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      Nur mal als Gedankenanstoss

      Ich verstehe nicht wie man auf der einen Seite sagen kann, wenn das Geld per Gold Gedeckt ist, ist die Währung sicher. Und dann im nächsten Satz den Euro kritisieren, der aber anscheinend von mehr Gold gedeckt ist, als der Franken. Das sollte einem doch zu denken geben über den Sinn dieses Unterfangens... Das lässt mich auch Zweifeln...

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  • Benjamin am 18.11.2014 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gold muss nicht verkauft werden können

    Ich verstehe nicht, dass so viele immer argumentieren, dass das Gold sowieso wertlos ist, wenn es nicht verkauft werden darf. Eine Nationalbank ist dazu da eine Währung sicher und stabil zu halten und dies wird durch eine Deckung durch reale Werte erzielt. Gold ist ein realer Wert, im Gegensatz zu Papier, das jederzeit wertlos werden kann. Durch eine Teildeckung wie es die Initiative verlangt, wird der SFr. jederzeit weltweit akzeptiert, da alle wissen, dass diese Währung durch reale Werte hinterlegt ist. Deshalb JA zur Goldinitiative!

  • Ich am 18.11.2014 15:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meiner Meinung nach..

    Geht es doch garnicht um Gold oder Silber Arbeitsplätze Inflation Deflation Import Export etc etc Es geht darum dass unser Geldsystem bzw "Die Wall Street" zu einem Casino geworden ist, bei dem jeder auf alles Wetten kann.. Den bankrott von Staaten.. Auf Nahrung.. Energie.. Etc Alles mit Geld, dass "frei" gedruckt werden kann bzw Geld dass gegen Zins aufgenommen wird. Und durch diesen Zins haben wir Systembedingt einen Geldfluss nicht von Arm zu Reich, sondern von fleissig zu Reich. Bei manchen Ländern mehr, bei anderen noch weniger aber das "Ziel" quasi ist bei jedem Spiel das gleiche.

  • JohnDoe82 am 18.11.2014 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Placebo

    Die Goldinitiative ist ein Placebo von dem man sich Wirkung verspricht... Es wäre an der Zeit die Geldschöpfung zu Untersuchen. Diese sollte statt der Privatwirtschaft dem Staat zustehen. Das wir Banken ,durch Kredite die sie vergebe, Geld erschaffen lassen aus Luft und auf dieses "Luftgeld" als Volk Zinsen zahlen ist ein Witz. Die Gold initiative lindert die Symptome, der Wechsel des Machanismus der Geld herstellung bekämpft die Krankheit. --> Vollgeld initiative