Streitgespräch zur No-Billag-Initiative

01. November 2017 14:42; Akt: 01.11.2017 23:21 Print

«De facto wäre die SRG tot»

Im Frühling stimmen wir über die No-Billag-Initiative ab. Co-Initiant Silvan Amberg und Gegner Martin Candinas stellen sich Leserfragen.

Geben sich kämpferisch: Initiant Silvan Amberg (r.) und Gegner Martin Candinas (l.). (Video: 20 Minuten)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Zum Liveticker im Popup

In vier Monaten kommt die No-Billag-Initiative vors Volk – doch bereits wird heftig über die Abschaffung der Empfangsgebühren gestritten. Auf der 20-Minuten-Redaktion kreuzten Co-Initiant Silvan Amberg und CVP-Nationalrat Martin Candinas die Klingen. Sie bezogen Stellung zu einigen der rund 200 Fragen, die Leser gestellt haben.

Candinas: Die SRG ist ein Verein, der weiter bestehen kann. Aber: Der Gebührenanteil von 1,2 Milliarden Franken, der 75 Prozent der Einnahmen ausmacht, würde wegfallen – und auch Werbeeinnahmen würden wegbrechen. Es blieben maximal zehn Prozent der Gelder. De facto wäre die SRG tot.

Amberg: Die Initiative bedeutet keine Abschaffung. Klar, die SRG wird es in der heutigen Form nicht mehr geben. Sie wird etwa über ein Gebührenmodell neue Einnahmequellen erschliessen und etwas sparen müssen.

Candinas: Man kann nicht immer von Zwang reden. Wir bezahlen auch andere Abgaben. Die 365 Franken sind ein solidarischer Beitrag, dass es in allen Sprachregionen ein ausgewogenes Programm in Informationen, Unterhaltung, Sport und Kultur gibt. In rätoromanisch Bünden hätten wir sonst gar nichts.

Amberg: Ich rege mich auf, wenn ich etwas bezahlen muss, das mir unbestellt aufgedrängt wird – etwa, um ein überdimensioniertes rätoromanisches Angebot zu finanzieren. Das Kostenwachstum war zuletzt ungebremst.

Amberg: Die SRG ist nicht die einzige Hüterin der absoluten Wahrheit. Es gibt auch andere Medien. Medien sollten als vierte Gewalt auch staatskritisch sein. Zudem suggeriert die Frage, dass die SRG nicht mehr weiterbestehen würde.

Candinas: Das ist eine Illusion, wenn man glaubt, der Markt regle alles. Der Schweizer Markt ist klein. Fast alle regionalen TV-Sender hängen von Gebühren ab.

Amberg: Ich sehe Sparpotential beim Angebot. Die SRG müsste sich auf Nischen konzentrieren wie Newssendungem mit Schweiz-Bezug. Leider gibt es bei der SRG null Willen zum Sparen.

Candinas: Falsch! Es gibt ein Kostendach von 1,2 Mia. Franken. Ich bin aber gegen einen Kahlschlag. Sparen ginge nur mit weniger Eigenproduktionen und der Aufgabe der dezentralen Strukturen.

Amberg: Nur mit einem Ja werden die Zwangsgebühren abgeschafft. Die SRG würde wirklich reformiert.
Candinas: Ein Nein zu «No Billag» ist ein Ja zur SRG, zur Medienvielfalt und zu einem föderalistischen Medienland Schweiz.

In einer früheren Version dieses Artikel stand fälschlicherweise im Lead, dass Co-Initiant Silvan Amberg Mitglied der SVP sei und sein Vorname Christian laute. Die Redaktion entschuldigt sich für diese Fehler.

(dp/daw)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arnold Joseph am 01.11.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Billag-Gebühren

    Wenn man schon diese stolzen Billag-Gebühren bezahlen muss, so sollte man auch ein Mitspracherecht haben. Aber bei Kritik oder Verbesserungs-Vorschlägen reagiert SRF sehr empfindlich oder überhaupt nicht.

    einklappen einklappen
  • Otmar Müller am 01.11.2017 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Darum Ja

    Irgend wie muss man die Erhöhungen der Krankenkassen ab federn. Da eignet sich diese Initiative bestens. Da unsere schein Elite nicht in der Lage ist die Kosten in den griff zu kriegen.

    einklappen einklappen
  • Bruno Seiler am 01.11.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Hauptsache das Parteibüchlein stimmt

    Kein CVP hackt dem andern CVP ein Auge aus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Silberlicht am 02.11.2017 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    No-Billag bedeutet :

    Wenn die No-Billag Initiative angenommen wird, dann bedeutet es : keine Untertitelung und keine Gebärdensprachdolmetscher mehr.. aber eben auch keine Audiodeskription. Das bedeutet in der Folge : Kein Zugang mehr zum TV für Blinde, Gehörlose, Schwerhörige, und Hörsehbehinderte. Das verschweigen Euch die No-Billag Initianten. Aber sie wissen das ganz genau.. ebenso wie sie genau wissen, dass Privatsender keine Untertitelung und auch keine Gebärdendolmetscher bereitstellen.. genauso wenig werden sie Audiodeskription bereitstellen. Die Privatsender wollen also nur Geld haben, und null Leistung...

  • maja naef am 02.11.2017 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    Zug ist abgefahren

    Die SRG hat lange genug Zeit gehabt ein besseres Programm zu bieten. Der Zug ist hoffentlich jetzt abgefahren. Selber schuld.Die Gäste bei Sternstunde Philosophie kommen auch nur wenn sie ihre Bücher anpreisen dürfen. Alles nur versteckte Werbung auf unsere Kosten.

  • Tschüss am 02.11.2017 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Dann wäre SRG halt tot, der Moloch soll endlich auf ein Minimum schrumpfen. Oder sich auflösen. Lange genug hat der geschützte Betrieb uns das Geld aus der Tasche gezogen und sich aufgebläht. Das Angrbot jedoch wurde immer schlechter.

  • 807687 am 02.11.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Nein zur No-Billag...

    ist ein Ja zur "Information" durch den Filter der Transatlantischen Bündnisse, wie zB. der Atlantikbrücke. Unsere Medienministerin geht an Bilderbergtreffen, ist direkt verbandelt mit Organisationen wie Rive-Reine, und via Bilderberger mit New American Century, Nato-Otan, National Security Concil USA, Council on Foreign Relations und Atklantik-Brücke. Und dafür soll ich auch noch bezahlen? Ich will wirklich unabhängige Information, und die bekomme ich gegen Bezahlung, aber nicht bei der SRG.

  • Junge mach es selbst am 02.11.2017 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Man schämt sich im Ausland für das TV

    Wir als kleinst Unternehmen bekommen auch keine Allmosen vom Staat. Warum soll ich die SRG unterstützen, zuerst einmal von dem Kuhschweizer TV weg und dann können wir wieder darüber sprechen. Sowieso alles rechts konservativ gesteuert. Von mir bekommen die kein Geld. Ich habe auch schon seit über 10 Jahren kein Schweizer TV gesehen, aber es reicht mir schon wenn ich das TV -Programm sehe, richtig Kuhschweizer! Arte, N24, NT-V etc. das sind die klassischen Sender für mich. Kein SRF 1-3 und kein Schweizer TV für mich ist klar. Ich müsste mich nur schämen für das was die vom Stapel lassen, 3Sat