Vereinfachte Abgabe

07. November 2012 14:37; Akt: 07.11.2012 17:35 Print

Medikamente ohne Rezept in der Apotheke

Der Bundesrat will die Medikamenten-Abgabe in Apotheken und Drogerien lockern: Rezeptpflichtige Medikamente sollen in Zukunft nach einem Gespräch erhältlich sein.

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Der Bundesrat will die Selbstmedikation vereinfachen. (Bild: Keystone)

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Der Bundesrat will die Regeln zur Medikamenten-Abgabe lockern: Apotheken sollen einige rezeptpflichtige Medikamente nach einem Beratungsgespräch abgeben dürfen. Für den Detailhandel und Drogerien gibt es ebenfalls Erleichterungen.

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Mit der vereinfachten Abgabe von Arzneimitteln soll die Selbstmedikation vereinfacht werden, wie Gesundheitsminister Alain Berset am Mittwoch vor den Medien in Bern sagte. Die Regierung verabschiedete dazu die Botschaft für die Revision des Heilmittelgesetzes.

Apothekerinnen und Apotheker sollen demnach ihre Kunden vor der Abgabe von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln fachlich beraten müssen. Ob ein Medikament in Apotheken ohne ärztliches Rezept abgegeben werden darf, soll das Heilmittelinstitut Swissmedic überprüfen. Noch unklar ist, wie viele Medikamente in Frage kommen.

Tabletten bei Coop und Migros

Drogerien sollen sämtliche nicht-rezeptpflichtigen Medikamente verkaufen dürfen. Einige dieser Mittel sollen zudem auch im Detailhandel erhältlich sein. Dazu gehörten beispielsweise Tees oder Halswehtabletten, sagte Berset. Trotz der Lockerung stehe die Sicherheit der Patienten aber nach wie vor im Zentrum.

Nicht gerüttelt wird an der Medikamentenabgabe in Arztpraxen, die Bersets Vor-Vorgänger Pascal Couchepin als Sparmassnahme verbieten wollte. Nach dem starken Widerstand der Ärzteschaft verzichtete der Bundesrat darauf, dass heisse Thema in dieser Vorlage anzupacken. Wer wie viel Marge aus dem Medikamentenverkauf erhalten soll, will Berset gesondert angehen, wie er sagte.

Ein Sparpotenzial dürfte laut Berset auch die neuen Verkaufsregeln bergen. Wie viel gespart werden kann, sei aber schwierig abzuschätzen.

Verbindungen offenlegen

Verbessern will der Bundesrat auch die Transparenz zu Anreizen, mit denen Pharmafirmen die Ärzte und Apotheken zur Verschreibung und zum Verkauf ihrer Produkte animieren wollen. «Ärzte sollen sich voll auf ihr Fachwissen stützen und nicht durch finanzielle Anreize beeinflusst werden», sagte Berset.

Gewisse Rabatte will der Bundesrat verbieten. Ganz unterbinden will er die Anreize aber nicht. «Der Wettbewerb soll möglich bleiben», sagte Pascal Strupler, Direktor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Bei Vorteilen oder Geschenken wie Warenboni oder Gratismuster müsse jedoch Klarheit herrschen.

Ärzte und Apotheker sollen auf Rechnungen ausserdem deklarieren, welche Preisrabatte und Rückvergütungen sie beim Einkauf eines Heilmittels erhalten haben. Auch geschäftliche Verbindungen zu Herstellern sollen sie offenlegen. Geplant sind zudem Geld- oder sogar Freiheitsstrafen für Vergehen.

Für die bessere Information der Patienten will der Bundesrat zudem eine Informationsdatenbank zu zugelassenen Arzneimitteln schaffen. Die Pharmafirmen, denen die Publikation solcher Angaben heute obliegt, kommen ihrer Pflicht laut Bundesrat nicht immer nach.

Kindermedikamente fördern

Ferner zielt die Revision darauf ab, die Entwicklung von Kindermedikamenten zu fördern, die wegen des grösseren Aufwands heute teilweise fehlen. Als Anreiz für die Pharmaindustrie, solche Medikamente auf den Markt zu bringen, soll beispielsweise der Patentschutz verlängert werden.

Der Bund soll zudem eine Datenbank zum Medikamenteneinsatz bei Kindern aufbauen. Für den Aufbau der Datenbank, die sich an Ärzte richtet, veranschlagt Berset rund drei Jahre.

Weiter regelt die Revision die Zulassung von Medikamenten der Komplementärmedizin und Pflanzenheilkunde. Diese sollen Erleichterungen erfahren und damit leichter zugänglich sein.

Bei der Heilmittelgesetz-Revision handelt es sich um die zweite Etappe, nachdem 2010 die Arzneimittel-Versorgung für Spitäler verbessert wurde.

(sda)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Caspar P. Felder am 08.11.2012 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Apotheker fürchten um ihre Pfründe!!

    Das ist schon klar, dass nun die Apotheker/Drogisten Zeter und Mordio schreien, denn sie fürchten um ihre Pfründe! Die (scheints unabdingbar benötigte "Beratung" (?) die die Apotheker leisten müssten, ist ein Witz! Wer lesen kann, informiert sich aufgrund dem Beipackzettel, den man vom früheren Medikamentenbezug z.B. Venensalbe/Hustensirup etc. kennt! Ich brauche KEINE kostenpflichtige "Beratung".Zudem kassierten die Apotheker jahrelang mit dem Verkauf von Sälbeli und Tinkturen in Millionenhöhe! z.B. in der gleichen Stadt verlangen Apotheker versch. Preise:Hustensirup Fr. 14.40 oder Fr. 15.15!

  • Eliza am 08.11.2012 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Theater um nicht viel

    Dass dagegen Apotheker und Aerzte opponieren, ist ja klar, denn es geht um ihr Portemonnaie ;-)! Die Apothekergebühr war eh ein Witz, denn nicht ein einziges Mal wurde ich 'beraten'! Trotzdem werden die Preise noch viel teurer sein als in Deutschland. Vergleiche z.B. Coop Abtei Doppelherz Magnesium Fr. 9.90 / D = 3.60!

  • Markus Gerber am 08.11.2012 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Beste Idee die es gibt

    Ja, das ist doch eine gute Idee! Dann motzen zwar alle wieder, dass die Medikamente teurer werden, aber das macht ihr ja gerne. Ich freue mich jetzt schon auf Artikel wie: Apotheker geben Ritalin nicht allen ab, oder Morphium ist deutlich teurer als der Lieferpreis... Und wenn ich erst an all die Leute denke, die dann nur noch Antibiotika bei Schnupfen schlucken... einfach toll!

  • s.k. am 08.11.2012 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    endlich

    wenn man schmerzen hat und kein medikament und kein arzttermin bekommt ist dies sehr qualvoll, zudem spart so die krankenkasse, auch gut. für alle gegner: tabletten süchtig wird man so oder so.

    • anonym am 08.11.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      @ s.k.

      Leichtere Schmerzmittel sind nicht Rezeptpflichtig. Zb. ist Dafalgan 500mg noch zu bekommen. Wenn die nichts mehr nützen sollte man wirklich zum Arzt oder wenn es noch schlimmer ist in den Notfall

    einklappen einklappen
  • luzernerin am 07.11.2012 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    nicht sinnvoll

    Ärzte geniessen nicht unbedingt mein Vertrauen - aber eine Abgabe von rezeptpflichtigen Medis nach einem Gespräch in der Apotheke verleitet nur dazu, schneller und mehr Medis zu nehmen. Und das ist alles andere als sinnvoll!

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