Fricker-Nachfolgerin Kälin

02. Oktober 2017 08:34; Akt: 02.10.2017 09:43 Print

«Werde mich beim Islam mit der SVP anlegen»

Irène Kälin profitiert von der Holocaust-Affäre und rückt für Jonas Fricker in den Nationalrat nach. Sie ist Studentin der Islamwissenschaft und gegen das Verhüllungsverbot.

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«Allergrössten Respekt» zolle sie Jonas Fricker, dass er nach seinem unangebrachten Holocaust-Vergleich sein Amt zur Verfügung gestellt hat, sagt die Aargauer Grossrätin Irène Kälin. Vom Rücktritt profitiert die 30-Jährige unmittelbar: Sie erbt den Platz Frickers im Nationalrat. Ihre Freude darüber hält sie zurück: «Es gibt angenehmere Umstände, als so ins Amt zu kommen.» Dem Vernehmen nach wurde der parteiinterne Druck auf Fricker zu gross.

Kälin ist eine Hoffnungsträgerin bei den Grünen: Diese hatten die junge Aargauerin 2015 in den Ständeratswahlkampf geschickt und bei den Nationalratswahlen auf den ersten Listenplatz gesetzt – Fricker überflügelte sie jedoch.

Feministin und Studentin der Religionskulturen

Im Gegensatz zu Fricker hat Kälin ein typisches linkes Profil: Sie arbeitete bei den Gewerkschaften, ist Umweltaktivistin und bezeichnet sich als Feministin. Auf Wahlplakaten zeigte sich Kälin mit Schnauz, da sie so «20 Prozent mehr» verdiene.

Das Amt setzt Kälin bei ihrer Masterarbeit unter Druck: Wegen der Studienzeitbegrenzung muss sie noch in diesem Semester abgeben. Kälin studiert Religionskultur in Bern und beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit der Frage, ob der Islam öffentlich-rechtlich anerkannt werden soll. Kälin befürwortet das und sieht in einer Anerkennung ein Mittel im Kampf gegen den radikalen Islam.

Die Lenzburgerin sagt, es sei falsch, wenn die Linke der Islam- und Asyldebatte ausweiche. «Ich werde mich beim Thema Islam mit der SVP anlegen», so Kälin. Das Burka-Verbot lehnt sie im Gegensatz zu einigen Feministinnen ab. «Es liegt nicht an mir, zu bestimmen, ob jemand eine Burka oder einen Bikini tragen soll.» Die Verschleierung sei kein reales Problem in der Schweiz: «Es gibt keine Burkas in der Schweiz – damit ist die Debatte eine reine Scheindebatte.»

«Sie hat noch nie ihr eigenes Geld verdient»

SVP-Nationalrat Andreas Glarner, von dem Kälin sagt, er betreibe «einen menschenrechtsverachtenden Diskurs an der Grenze der Legalität», freut sich auf die neue Gegnerin: «Sie ist eine typische Linke, die noch nie im Leben ihr eigenes Geld verdient hat. Sie wird schon ruhiger, wenn sie sieht, dass man im Rat hart arbeiten muss.»

Die «Laisser-faire-Mentalität Kälins gegenüber dem politischen Islam» sei fahrlässig. Da sie mit dem Ringier-Journalisten Werner de Schepper (52) liiert sei, werde sie sich aber kaum über mangelnde mediale Aufmerksamkeit beklagen müssen.

Kälin sieht da keinen Zusammenhang: Sie sei nicht die einzige Politikerin, die mit einem Medien-Mann zusammen sei. «Wer jetzt die Berichterstattung des 'Blick' mit meinem Partner in Zusammenhang bringt, will nur den grossen Schritt des Rücktritts meines Parteifreundes Jonas Fricker untergraben.»

Nach dem Holocaust-Vergleich zog Jonas Fricker die Konsequenzen.

Der Präsident der Aargauer Grünen zum Rücktritt von Fricker:

(daw)