Vergewaltiger, Mörder, Pädophile

09. Oktober 2017 05:48; Akt: 11.10.2017 12:48 Print

So lange sitzen Kriminelle wirklich im Gefängnis

von Nikolai Thelitz - Neue Zahlen des Bundes zeigen: Vergewaltiger, Verkehrssünder oder Dealer kommen oft weit unter der Maximalstrafe davon.

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Neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Täter in der Schweiz haben meist weit weniger Tage hinter Gitter verbracht, als von Gesetzes wegen möglich wäre. Wer wegen sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt wurde, kommt im Median mit 462 Tagen Haft aus dem Gefängnis frei, also nach 1,3 Jahren. Hier beträgt das Strafmass bis zu 5 Jahre oder Geldstrafe. Insgesamt entliessen Schweizer Gefängnisse letztes Jahr 50 Vergewaltiger, 23 Mörder und 32 Personen, die sexuelle Handlungen an einem Kind vorgenommen hatten. Doch nicht nur die tatsächlich verbüssten Tage, auch die ausgesprochenen Urteile erreichen das Höchstmass nur selten. Bei Diebstahl waren es im Schnitt 120 Tage. Die Höchststrafe wäre hier 10 Jahre. Bei groben Verstössen gegen die Verkehrsregeln, häufig überhöhte Geschwindigkeit, gab es in 21'340 Fällen (89%) nur eine bedingte Haftstrafe, ins Gefängnis mussten nur 169 Verurteilte (1%), 46 davon teilbedingt. 7166 Personen wurden wegen Handel mit Betäubungsmittel verurteilt, davon mussten 28% (2037 Personen) hinter Gitter, 40 Prozent (2870 Personen) erhielten eine bedingte Geldstrafe. Strafrechtsprofessor und SP-Nationalrat Daniel Jositsch sagt, es sei «eine Verweigerung der Gerichte», dass keine härteren Strafen ausgesprochen würden. «Das widerspricht dem Willen des Gesetzgebers, der ja das Strafmass festlegt.» Auch SVP-Nationalrätin Natalie Rickli kritisiert die nachsichtigen Urteile: «Leider nutzen viele Richter in der Schweiz das Strafmass nicht aus.» «Ist man Opfer einer Straftat, kommt einem verständlicherweise jede Strafe zu gering vor. Doch man kann deswegen nicht einfach nur noch Höchststrafen aussprechen», fragt FDP-Ständerat Andrea Caroni. Das Strafmass müsse sich am Verschulden orientieren.

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Letztes Jahr entliessen Schweizer Gefängnisse 50 Vergewaltiger, 23 Mörder und 32 Personen, die sexuelle Handlungen an einem Kind vornahmen. Die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: Die Täter haben meist weit weniger Tage hinter Gitter verbracht, als von Gesetzes wegen möglich wäre.

Die entlassenen Mörder verbüssten im Median (siehe Box) 4424 Tage oder 12,1 Jahre hinter Gittern, der Strafrahmen reicht von 10 bis 25 Jahren. Ein Vergewaltiger sass im Mittel 904 Tage ein, also rund zweieinhalb Jahre. Möglich wären 1 bis 10 Jahre. Wer wegen sexueller Handlungen mit einem Kind verurteilt wurde, kommt im Mittel nach 462 Tagen Haft aus dem Gefängnis, also nach 1,3 Jahren. Hier sieht das Strafgesetzbuch bis zu 5 Jahre Haft oder eine Geldstrafe vor. Fälle, in denen die Täter nur eine bedingte Strafe erhielten, sind nicht eingerechnet.

Bei Vergewaltigung und sexuellen Handlungen mit Kindern gab es dabei einige wenige Fälle, die besonders hart bestraft wurden. Der Durchschnittswert liegt bei 1209 beziehungsweise 1056 Tagen viel höher als der Median, was auf harte Strafen für einige Verurteilte schliessen lässt, die diesen Wert nach oben drücken.

Auch die Urteile reizen das Strafmass selten aus

Doch nicht nur die tatsächlich verbüssten Tage, auch die ausgesprochenen Urteile erreichen das Höchstmass nur selten. So war 2015 bei den Verurteilungen wegen Vergewaltigung eine unbedingte Strafe im Median 1644 Tage (4,5 Jahre) lang, 52 Prozent der Vergewaltiger erhielten eine solche Strafe. 19 Prozent verbüssen eine teilbedingte Strafe, diese soll im Mittel 974 Tage (2,7 Jahre) dauern. Eine bedingte Strafe wurde in 28 Prozent der Fälle ausgesprochen, sie ist laut Urteil im Mittel 548 Tage (1,5 Jahre) lang.

Für Mord und sexuelle Handlungen mit Kindern sind die entsprechenden Statistiken aus Datenschutzgründen nicht verfügbar, doch es gibt hier Zahlen zu Vemögens-, Verkehrs- und Drogendelikten. Bei Diebstahl wird in 34 Prozent der Fälle eine unbedingte Haftstrafe ausgesprochen, sie soll im Mittel 120 Tage dauern. In 43 Prozent der Fälle gibt es nur eine bedinge Geldstafe. Die Höchststrafe wäre hier fünf Jahre.

Bei groben Verstössen gegen die Verkehrsregeln, häufig überhöhte Geschwindigkeit, gab es in 21'340 Fälle (89%) nur eine bedingte Geldstrafe, ins Gefängnis müssen nur 169 Verurteilte (1%), 46 davon teilbedingt. 7166 Personen wurden wegen Handel mit Betäubungsmittel verurteilt, davon mussten 28% (2037 Personen) hinter Gitter, 43 Prozent (3111 Personen) erhielten eine bedingte Geldstrafe.

Was Politiker zur Strafen-Statistik sagen, lesen Sie hier.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Désiree am 09.10.2017 06:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unakzeptabel

    "Für Mord und sexuelle Handlungen mit Kindern, sind die entsprechenden Statistiken aus Datenschutzgründen nicht verfügbar." Nur schon dies zeigt auf welche Art in der Schweiz gewurstelt wird; von den Strafmassen mal abzusehen.

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  • Ernst Kappeler am 09.10.2017 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und warum erstaunt...

    ... mich das jetzt in keiner Art und Weise? Nun ist es ja quasi sogar offiziell, dass von 'unserer' Justiz ein Kuschelkurs gefahren wird! Aber klar, Konsequenzen wird dies nicht haben. Der Krug geht zum Brunnen bis er bricht...

  • Emil am 09.10.2017 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Es muss sich was änder

    Das Mindeststrafmass muss deutlich erhöht werden und bedingte Strafen bei Sexualdelikten oder Gewaltdelikten müssen zwingend abgeschafft werden. Jeder dritte Vergewaltiger kommt mit einer Bewährungsstrafe davon, faktisch also ohne Strafe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Herren am 09.10.2017 20:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    an die Wutschreiber

    Die meisten Wutschreiber scheinen nicht zu wissen, wie einschneidend ein Gefängnisaufenthalt ist. Ob ein Mörder 12 oder 15 Jahre sitzt, macht für ihn keinen Unterschied. Wichtig ist einzig, dass er nach seiner Entlassung wieder ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft wird. Zudem kostet ein Gefangener den Steuerzahler zwischen 280 und 350 Franken - pro Tag. Da können Sie es sich leicht ausrechnen, ob es sich für die Gesellschaft rentiert, einen Mörder 20 anstelle von 12 Jahren sitzen zu lassen.

  • Kosten Frage am 09.10.2017 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tötungsdelikte minimieren

    Die Meinung ist, dass härtere Strafen in diesen Bereichen, bei Wiederholungstätern, vermehrt zur Tötung der künftigen Opfer führen könnte. Da es so gut wie nie, absehbar ist, wie sich ein entlassener Straftäter, in Zukunft verhalten wird, haben sich diese milderen Urteile eingeschlichen. Eine effektivere Überwachung, nach Entlassung, müsste aber zwingend, die Schlussfolgerung sein, um die Gesellschaft zu schützen.

  • Ruth am 09.10.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Geld ist das wichtigste

    Wenn es um finanzen im weitestem sinn geht sind die strafen hart. Geht es "nur" um bürger ( mensch wird verletzt) ist es nicht so schlimm

  • M.M. am 09.10.2017 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    Warum reden hier viele...

    ...immer nur von Resozialisierung und zweiter Chance für den Täter. Es geht auch darum Täter für eine gewisse Zeit aus dem Verkehr zu ziehen und die Opfer und Angehörige mal durchatmen zu lassen. Aber das scheint die Richter nicht zu interessieren.

  • René P am 09.10.2017 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Richter öffentlich erwähnen

    Jedes Gerichtsurteil sollte öffentlich einsehbar sein, inkl. Namen der Richter! Dann würden die ihr Urteil besser überlegen.