Prozess in Brugg

23. August 2017 10:15; Akt: 23.08.2017 18:01 Print

Sex-Sadist Urs W. soll 11 Jahre ins Gefängnis

Urs W. soll sieben Frauen betäubt und sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn elf Jahre Gefängnis, sein Verteidiger einen Freispruch von den Sexualdelikten.

Hier wird Urs W. am Dienstag nach seiner Befragung aus dem Bezirksgericht Brugg abgeführt. (Video: jen)
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Am zweiten Tag des Prozesses gegen den 63-jährigen Urs W. hat die Staatsanwältin Flavia Roy in ihrem Plädoyer das Strafmass bekannt gegeben, nach dem W. zu bestrafen sei.

Sie fordert einen Schuldspruch wegen sexueller Nötigung, Schändung, Vergewaltigung, Gefährdung des Lebens, Körperverletzung, Pornografie, Widerhandlung gegen des Betäubungsmittelgesetz und Urkundenfälschung. Dafür soll der Aargauer Sex-Sadist mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von elf Jahren bestraft werden.

Davon hätte W. wegen seiner bisherigen Haft bereits drei Jahre abgesessen. Begleitet werden solle der Vollzug von einer ambulanten Massnahme, verlangt die Staatsanwältin. Die Vertreter der beiden Privatklägerinnen fordern Genugtuung von insgesamt 35'000 Franken und Schadenersatz von 16'000 Franken.

«Ein Vorzeigefall für skrupelloses Handeln»

In ihrem Plädoyer wies Staatsanwältin Roy auf die «ausgeprägte Manipulationsfähigkeit» sowie das «rhetorische Geschick» des Angeklagten hin. Das Gericht forderte sie auf, die Aussagen von Urs W. mit Bedacht aufzunehmen. Zwar stimme es, dass die Opfer eingewilligt hätten, gegen Bezahlung eine Tablette zu nehmen. Den darauf folgenden sexuellen Handlungen hätten sie aber nicht zugestimmt, diese seien nicht einvernehmlich gewesen.

Zudem betonte die Staatsanwältin, dass die Medikamente, die W. den Frauen verabreichte, gefährlich hoch dosiert gewesen seien, ein Opfer sei für mehrere Stunden ins Koma gefallen. Der Angeklagte habe die Gefährdung des Lebens der Frauen in Kauf genommen. Seine Taten seien grausam gewesen, es handle sich um einen «Vorzeigefall für skrupelloses Handeln».

Dass die Frauen keine Anzeige erstattet hätten, liege unter anderem daran, dass sie keine Erinnerung daran gehabt hätten, welche sexuelle Handlungen W. mit ihnen vollzogen hatte. «Als sie es dann auf den Videos sahen, brachen zwei der Opfer zusammen.» Einem Opfer, das mit W. über eine Anzeige sprach, habe er gesagt: «Asylbewerberinnen glaubt die Polizei sowieso nicht.»

«Urs W. fehlt jegliche Einsicht»

Der Mann habe das Vertrauen der Frauen missbraucht und ihnen vorgespielt, an einer Heirat interessiert zu sein. Falls die Verteidigung den Vorwurf erheben wolle, die Opfer seien naiv gewesen, so müsse man berücksichtigen, wie manipulationsfähig W. sei und dass die Frauen aus einem anderen Kulturkreis stammen. Bei den Opfern handle es sich um «unabhängige, glaubwürdige Zeuginnen».

«Urs W. fehlt jegliche Einsicht», hielt die Staatsanwältin fest. Strafmildernd zu werten sei einzig sein Geständnis in Bezug auf seine Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Laut Verteidiger beging Urs W. keine Sexualdelikte

Der Verteidiger von Urs W. hingegen forderte einen Freispruch in Bezug auf die Sexualstraftaten. Schuldig zu sprechen sei er lediglich wegen der Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz und weiterer Neben-Anklagepunkte. Dafür sei eine Strafe von 18 Monaten angemessen. Hinter Gitter habe W. aber bereits jetzt schon mehr Zeit verbracht – für alles, was über die 18 Monate hinausgehe, sei sein Mandant zu entschädigen.

In seinem Plädoyer sagte der Verteidiger, die sexuellen Handlungen hätten mit dem Einverständnis der Frauen stattgefunden. «Ihnen war vollends bewusst, worum es ging.»

«Es war klar, dass es nicht um Blümchensex ging»

Angesichts der Höhe der Beträge, die Urs W. den Frauen zahlte, sei ihnen auch bewusst gewesen, dass es sich nicht um «Blümchensex» handle. Stattgefunden habe «normaler BDSM-Sex», der weder strafbar noch pervers sei – jedenfalls nicht, wenn er einvernehmlich sei, was ihn diesen Fällen gegeben gewesen sei.

Die Medikamente hätten sie freiwillig und ohne Zwang eingenommen, und keine der Frauen habe durch sie einen gesundheitlichen Schaden erlitten, so der Verteidiger. Das widerstrebende Verhalten der Frauen, das auf den Videos zu sehen sei, sei «Teil des Spiels» gewesen. Zudem stimme es nicht, dass Urs W. die Frauen habe betäuben wollen. Vielmehr sei es ihm beim Einsatz von Rohypnol um die «Luststeigerung» gegangen.

Der Prozess wird am Mittwochnachmittag mit den Plädoyers der Vertreter der beiden Privatklägerinnen fortgesetzt. Das Urteil wird am kommenden Montag eröffnet.

Sex-Sadist (63) steht vor Gericht

(jen/lüs)