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Couchepin Rücktritt
12. Juni 2009 12:29; Akt: 15.06.2009 11:55 Print
Das Gerangel um den Bundesratssitz geht los
von Katharina Bracher - Der grosse Magistrat aus dem Wallis ist zurückgetreten. Nicht erst seit der Bekanntgabe seines Rücktritts wird über die Nachfolge von Bundesrat Pascal Couchepin diskutiert. Im welschen Freisinn sind mögliche Kandidaten dünngesät. Wichtigster Favorit: Der Neuenburger Ständerat Didier Burkhalter. Doch auch die CVP schielt auf einen Sitz.
Der Rücktritt des 67-Jährigen Wallisers Pascal Couchepin kommt für niemanden überraschend, am wenigsten wohl für seine Partei. Die FDP dürfte sich längst auf die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin gemacht haben. Doch im welschen Freisinn einen Kandidaten mit echten Chancen zu finden, ist ein schwieriges Unterfangen. Viele in Frage kommende Kandidaten gibt es nicht. Die Anforderungen sind hoch: Der oder die Kandidierende muss erstens schon einige Zeit ein politisches Amt innehaben, zweitens Kenntnisse über die Bundespolitik und die Deutschschweiz besitzen, drittens in der Landespartei des Freisinns gut verankert sein, viertens der deutschen Sprache mächtig sein und – last but not least - noch ein paar Jahre bis zur Pensionierung vor sich haben.
Die Dreifaltigkeit der dünnen FDP-Personaldecke über der Romandie: Brunschwig-Graf, Burkhalter, Broulis (v.l.n.r.)
Didier Burkhalter: Hohe Chancen auf eine Kandidatur
Doch die FDP hat seit der Staatsgründung der Schweiz im Jahr 1848 noch immer ihre Bundesratssitze zu besetzen gewusst. Auch diesmal gibt es ein paar wenige Kronfavoriten. Am höchsten gehandelt wird Didier Burkhalter, FDP-Ständerat aus Neuenburg. Ihm wird viel Fleiss, Verlässlichkeit und Respekt für die Schweizer Konkordanz nachgesagt. Doch Burkhalter ist kein Alphatier. Seine Medientauglichkeit wird nicht allzu hoch geschätzt. Ob allerdings das Parlament nach Couchepin überhaupt wieder einen Charismatiker will, der zuverlässig für Medienrummel sorgt, ist ungewiss. Trotzdem sprechen einige einleuchtende Gründe für Burkhalter: Seine Erfahrung, seine pragmatische Art und sein vergleichsweise jugendliches Alter von 49 Jahren. Ausserdem ist der Romand gut vernetzt mit seinen Parteikollegen in der Deutschschweiz.
Martine Brunschwig Graf: Vierte Frau im Bunde?
Doch auch eine Frau könnte theoretisch das Rennen machen. Ein Name, der regelmässig ins Spiel gebracht wird, ist der von Martine Brunschwig Graf. Sie gehört den Liberalen des Kantons Genf an, verfügt über jahrelange Erfahrungen im Genfer Regierungsrat und ist seit 2003 Nationalrätin. Da die Liberalen auf Bundesebene mit der FDP zusammenspannen, käme Brunschwig durchaus in Frage. In der Öffentlichkeit sorgt die Genferin mit pointiertem Witz und intelligenter Schlagfertigkeit für Aufmerksamkeit. Doch mit 59 Jahren ist Brunschwig Graf eher an der oberen Altersgrenze für die Landesexekutive, der eine Verjüngungskur doch gut zu Gesicht stünde.
Lateiner mit Chancen: Fulvio Pelli
Doch nicht nur in der Westschweiz finden sich mögliche Erben von Bundesrat Couchepin. Ein potenzieller Kandidat: Fulvio Pelli. Der Ticinese ist seit 2005 der Präsident der FDP Schweiz. Er weiss sich in drei Sprachen auszudrücken und seine Kompetenz auf Kantons- und Bundesebene ist unbestritten. Doch auch er ist trotz jugendlichem Auftreten mit Jahrgang 1951 bereits recht nahe am Rentenalter. Er selbst habe jedoch die Kantonalpartei gebeten, ihn nicht zu nominieren, wie Pelli am Freitag vor den Medien sagte. Eine Kandidatur wolle er aber nicht ganz ausschliessen.
Pascal Broulis: Regierungsrat mit Bankerfahrung
Mit seinen 44 Jahren könnte Pascal Broulis, ein weiterer Name, der auf der Liste der Kandidaten auftaucht, die erhoffte Frischzellenkur für den Bundesrat sein. Der Waadtländer Finanzdirektor, früheres Kadermitglied der Waadtläner Kantonalbank, äusserte sich jüngst kritisch zum Schweizer Bankgeheimnis. Seine Stimme zählt, wenn auch vorwiegend auf Kantonsebene. Denn seine Kenntnisse auf Bundesebene und seine Bekanntheit in der Deutschschweiz sind beschränkt. Auch mit Couchepins Zweisprachigkeit kann der Waadtländer Regierungspräsident nicht mithalten.
Rechnung offen: Auch die CVP dreht am Kandidatenkarrusell.
Doch neben der FDP gibt es wie bei jedem frei werdenden Sitz andere Parteien, die ihren Anspruch auf Einsitz in der Landesexekutive geltend machen wollen: Seit der Abwahl von Ruth Metzler 2003 etwa haben die Christdemokraten noch eine Rechnung mit dem Freisinn offen: Die CVP hat ihren Anspruch auf einen Bundesratssitz proklamiert. Im Gegensatz zur FDP müsste die CVP eigentlich nicht lange nach einer glaubwürdigen und kompetenten Vertretung der Welschen suchen: Mit dem Charisma von Parteipräsident Christoph Darbellay hätte sie einen Kandidaten mit hohen Chancen, in das siebenköpfige Gremium der Landesregierung gewählt zu werden. Nur: Er hat bereits abgesagt. Hingegen erachtet es Fraktionschef Urs Schwaller als möglich, dass sein Name auf der Kandidatenliste figurieren wird. Schwaller stammt zwar aus dem Kanton Fribourg, doch als waschechten Romand kann man ihn, dessen Muttersprache Deutsch ist und in Tafers wohnt, nicht bezeichnen. Trotzdem ist der Rechtsanwalt sattelfest in Französisch und sein Name fiel in der Romandie als möglicher Kandidat bereits vor der Wahl von Bundesrätin Widmer-Schlumpf.
Bis zum 10. August können die Kantonalparteien der FDP ihre Vorschläge einreichen. Über die Kandidaten, die von der FDP Schweiz schliesslich unterstützt werden bei der Bundesratswahl, entscheiden die Freisinnigen Ende August.
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Alle 188 Kommentare































der Beste der Besten
Der Couchepin hat nie versucht, sich beliebt zu machen. Er war meines Erachtens ( bin ein Linsk-Denkender) ein würdiger Bundesrat, mit staatsmännischem Charakter. Schade, dass er geht. So einer wie er, kommt nicht alle Tage.
Ein Bundesrat der Besten
Pascal Couchepin war ein guter Bundesrat. Sein Rücktritt ist bedauerlich, doch gönnen wir ihm seinen Ruhestand, möge er ihn noch lange geniessen können.
Endlich !
Von Couchepin als König oder Staatsmann zu reden ist lächerlich. Ein Staatsmann kann sein Maulwerk in Zaun halten, nicht so Couchepin. Im Uebrigen besteht bei diesem BR eine kollosale Differenz zwischen grossartigem Gehabe und wenig Erreichtem. Jetzt braucht es "change" !