#MeToo-Strassenumfrage

17. Oktober 2017 18:03; Akt: 20.10.2017 08:09 Print

«Er wollte mich für 20 Euro f*****»

von B. Zanni - Es geschieht im Ausgang, in der Lehre oder im ÖV: Frauen schildern Situationen, in denen Männer sie sexuell belästigten.

Sexuelle Belästigung versetzt Frauen oft in einen Schockzustand, wie eine Strassenumfrage in der Schweiz zeigt. Video: Bettina Zanni
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Unter dem Hashtag #MeToo wehren sich zahlreiche Schweizer Frauen mit Schilderungen von eigenen Erfahrungen gegen sexuelle Belästigung. Auch 20-Minuten-Leserinnen fielen schon sexuellen Grenzüberschreitungen von Männern zum Opfer. Dazu kommt es häufig im Ausgang. Vani (24) erinnert sich an eine Silvesterfeier, an der sie mit Freundinnen tanzte. Hinter sich habe sie einen Typen immer näher kommen sehen. «Auf einmal fasste er mir direkt von hinten in den Schritt. Das tat auch richtig weh.» Aus lauter Wut und Reflex habe sie ihm sofort eine geklatscht und ihn angeschrien. «Darauf erhob er seine Hand und nannte mich Schlampe.»

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Was würden Sie tun, wenn Sie sexuell belästigt worden wären?

Opfer eines Club-Mitarbeiters wurde Fabiana Lang (33). «Er drängte mich in einem unbeobachteten Moment in ein Hinterzimmer. Anschliessend verschloss er die Tür und drückte mich aufs Sofa mit den Worten: ‹Ich habe dir angesehen, dass du das willst› und fing an, mich zu küssen.» Lea wurde mit 17 Jahren betrunken von einem Kollegen nach Hause begleitet. «Am nächsten Tag fand ich heraus, dass ich bewusstlos war und von ihm missbraucht worden war.»

«Er wollte mich für 20 Euro f*****»


Julie Tara berichtet von fast täglichen Erfahrungen mit sexueller Belästigung. Sei es auf Instagram, im Club oder während dem Einkaufen. «Die Männer pfeifen mir hinterher oder nehmen sich das Recht heraus, mir an den Po zu fassen.» So hätte erst kürzlich jemand sie begrapscht. Einige Minuten später erhielt sie per Instagram eine Nachricht mit der Frage, ob es ihr gefallen hätte. «Frauen sind keine Objekte, die man für sich beschlagnahmen darf» betont Julie.

Auch Eliane Müller wurde schon Opfer eines sexuellen Übergriffes. Ein Mann sei ihr mitten in der Nacht vom Bahnhof nach Hause gefolgt. Sie hätte schon im Zug bemerkt, wie er sie anstarrte und versuchte daraufhin, ihn abzuwimmeln. Als dies nichts nützte, teilte sie ihm mit, dass sie keinerlei Interesse an ihm hätte. Doch das schien er gar nicht zu hören. «Er folgte mir, packte meine Hand und legte sie an seine Genitalien. Ich war völlig geschockt und paralysiert.» Glücklicherweise konnte sie sich aber losreissen und von ihm flüchten.

«Nicht einmal tagsüber fühle ich mich sicher»

Ramona A. erzählt von einem «Kollegen», der rein freundschaftlich ein Mal mit ihr das Bett geteilt hatte. Als sie in der Nacht aufgewacht sei, waren seine Finger überall - nur nicht bei ihm. «Ich habe mich schlafend gestellt, in der Hoffnung, dass er dann aufhört.» Mit dem Kollegen habe Sie aber nie über die Nacht gesprochen.

Laeticia S. fühlt sich auch tagsüber nicht mehr sicher vor sexuellen Übergriffen. So sei sie ganz normal mit Jeans und Jacke durch den Bahnhof spaziert. Als ein Mann ihr richtig auf den Po starrte, stellte sie ihn zur Rede. Der Typ wurde darauf wütend: Er nannte sie eine Bitch und sagte ihr, sie solle sich halt nicht so aufreizend anziehen. «Obwohl der Bahnhof voller Leute war, fühlte ich mich ganz alleine.»

Sie überlege sich mittlerweile bei jedem anzüglichen Spruch, was passieren könnte, wenn sie antworten würde. «Was, wenn ich nichts sage, ihn ignoriere, beginne, loszuschreien. Was, wenn ich keine Kraft habe, mich zu verteidigen, und wenn er Gewalt anwendet?», fragt Laeticia. Sie fühlt sich der ganzen Situation ausgeliefert: «Ich bin mir nicht einmal sicher, ob mir jemand zu Hilfe kommen würde».

Belästigungen im ÖV

Viele Leserinnen wurden im öffentlichen Verkehr von Männern unangemessen behandelt. «Im Zug von Biel nach St. Gallen setzte sich ein Typ mir gegenüber, nahm sein iPhone hervor, schaute einen Porno und begann vor mir zu wichsen», schreibt Johanna (27). Sie sei aufgestanden und habe das Weite gesucht. Eine 19-Jährige berichtet: «Ich wurde mit 13 Jahren von einem Mann im Zug begrapscht. Zuvor hatte er mir Alkohol angeboten. Ein schlimmes und prägendes Erlebnis, von dem ausser mir niemand weiss.»

Aber auch vor der Arbeitswelt macht sexuelle Belästigung nicht halt. Sonja Müller* (31) war gerade in der Kochlehre. «Ich wurde von einem Mitarbeiter ein paarmal an den Brüsten ‹massiert› und einmal geküsst.» Jedes Mal sei sie allein mit ihm in der Küche gewesen und habe Angst vor einer Wiederholung gehabt. «Ich war wie gelähmt und wehrte mich nicht.» Daniela (24) erzählt: «Mein Vorgesetzter belästigte mich in der Lehre mit unsittlichen E-Mails. Später wollte er mich in seinem Büro küssen und grapschte mich an.»

Auf der Strasse in den Schritt gefasst

Eine Mutter (33), die anonym bleiben will, hat Angst um ihre Töchter. «Ich mache mir Sorgen, dass ihnen so etwas auch passieren könnte.» Sie sei schon mehrfach sexuell belästigt worden. «In der Lehre grapschte mich ein Mitarbeiter im Lift an und bedrängte mich. Auf der Strasse wurde mir schon in den Schritt gefasst.»

In den meisten Fällen fühlen sich die jungen Frauen nach solchen Erlebnissen im Stich gelassen. So beklagt Daniela: «Das Schlimmste jedoch war, dass mein Lehrlingsbetreuer mir nicht glaubte, als ich ihm von dem Vorfall erzählte.»

Im Video einer Strassenumfrage sehen Sie weitere Berichte von Frauen, die Opfer sexueller Belästigung wurden. Ines (23) erzählt etwa von einem Typen, der sie auf dem Nachhauseweg verfolgte: «Er wollte mich für 20 Euro f*****.»

*Name der Redaktion geändert.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ramon am 17.10.2017 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die geschilderten Vorfälle

    sind wirklich absolut nicht zu tolerieren und werden von einer kleinen Minderheit von Männern begangen. Deswegen sollte man das mit den Komplimenten, den flapsigen Sprüchen etc. nicht dermassen hochstilisieren. Es lenkt bloss von klaren Grenzüberschreitungen, wie oben beschrieben, ab..

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  • nixda am 17.10.2017 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht es um Frauen...

    Ist das Geschrei riesig, kann ich auch nachvollziehen!! Aber auch Kerle werden von Zeit zu Zeit sexuel belästigt. Ich spreche da aus eigener Erfahrung!!! Es war nicht der Griff in den Schritt jedoch ist auch Hintern fummellei von ca. 30 Jahren älteren Frauen recht unangenehm als Kerl!

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  • SaKo am 17.10.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles

    Es reicht langsam. Alles kann einfach nicht als sexuelle Belästigung abgestempelt werden. Ich (M) war in Australien. Eine Frau kam zu mir und sagte sie möchte mich nach Hause nehmen und vernaschen. Ich lehnte ab und ging meiner Wege. Sexuelle Belästigung? Denke nicht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • FayeS am 18.10.2017 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Täglich

    Ich könnte ebenfalls von täglichen solchen Situationen berichten. Typen die sich das Recht nehmen in ner bar an den Po zu grabschen, einen an sich zu ziehen, Typen auf der Strasse die einen am Arm festhalten mit dem Kommentar 'komm du willst es doch', Typen die einen den Weg abschneiden und sagen komm doch mit nachhause, Patienten die einen in der Pflege ins Bett reissen oder sehr anzügliche Kommentare abgeben, ihre Fantasien mit einem mitteilen, Sitznachbarn im ÖV die einen anfassen oder Leute die einen verfolgen, ich könnte den ganzen Tag so weiter fahren...

  • OG JR am 18.10.2017 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    Vielleicht passt das nicht so ins Schema

    Aber gegen schauen (insofern es nicht übertrieben oder zu offensichtlich ist) ist ja nichts einzuwenden.

  • SandRiver am 18.10.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei nicht Twitter

    Bitte wendet euch direkt an die Polizei wenn ihr wirklich belästigt werdet und Prangert nicht die Gesellschaft Jahre später auf Twitter an wenn ihr nichts untenommen habt.

  • StimmefürsVOLK am 18.10.2017 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja, die andere Seite der...

    Hier geht es doch wieder darum den Mann zu kriminalisieren. Feministen (absichtlich so geschrieben) nutzen diese Gelegenheit um gegen Männer mobil zu machen!! Wieso das passiert hat verschiedene Gründe. Ich will es hier nicht verharmlosen, da es tatsächlich viele Männer gibt, die sich nicht unter Kontrolle haben. Woher kommt das? Die seit Jahren im Internet für jedermann verfügbare Pornographie ist ganz sicher ein Grund. Andere Gründe können sein, daß eine Ablehnung der Frau dies den Täter wie anturnt. Dann in der Menge, z. B. im ÖV werden durch Anonymität Phantasien geweckt. Solche Filme gibt es zu hunderttausende auch verfügbar im Internet. Jeder Mann muß versuchen, seiner Geilheit Herr zu werden, um dann mittels Fürsorge und Anstand bei Madame landen zu können. Ich denke auch, die immer größer werdende Ablehnung gegenüber Männern führt immer mehr in diese Sackgasse. Es könnte auch eine Art Rache sein, um sie dadurch zu demütigen. Ein Teufelskreis, schauen wir nach Indien, oder Japan...? Und viele junge Migranten aus Konservativen muslim. Ländern, im speziellen Nordafrikaner, haben ihre Geilheit absolut nicht unter Kontrolle! Was können wir tun? Der Mann muß sein verlorenes Terrain zurück erobern, und zum perfekten Gentleman, oder Mr. Right konvertieren! go for it... Hoffen wir, das diese Funiciello Religion bald verboten wird, dies wird auch positive Auswirkungen auf uns Männer haben!

  • meister am 18.10.2017 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    vergleich #mentoo

    was man hier absolut vergisst ist die vergewaltigung von männern - nein nicht im physischen sinne, sondern psychisch. wieviele männer werden tagtägglich von frauen schikaniert, ausgelacht, fälschlicherweise beschuldigt, in der scheidung ausgenommen etc etc. in fast allen fällen hat das ebenfalls schwere folgen für die betroffenen (psychisch) und unterscheidet sich daher kaum von dem, was hier die frauen schildern. nur die männer müssens halt einfach aushalten was?