«Geld-zurück-Garantie»

14. September 2012 14:17; Akt: 14.09.2012 14:35 Print

Deutsche Sterbehilfe in Zürich aktiv

Der Verein Sterbehilfe Deutschland (StHD) hat einen Sitz in der Schweiz eröffnet. Damit wollen sie den deutschen Gesetzen aus dem Weg gehen.

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Der Verein Sterbehilfe Deutschland (StHD) hat neu einen Sitz in Zürich. Grund dafür ist ein laufendes Gesetzgebungsverfahren in Deutschland, das gewerbsmässige Suizidhilfe unter Strafe stellen will. Das könnte ein Verbot für StHD in Deutschland bedeuten.

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Laut Statuten setzt sich der Verein für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen im Leben und im Sterben ein. In erster Linie verfolgt er das Ziel, dieses Recht in Deutschland nach Schweizer Vorbild zu verankern. «Wir wollen nicht in der Schweiz Suizidhilfe leisten», sagte der Vorsitzende des Vereinsvorstands, Roger Kusch, am Freitag vor den Medien.

Der Zürcher Verein soll vor allem für die südlichen deutschen Bundesländer zuständig sein, derjenige in Hamburg für Norddeutschland. Eine strikte regionale Trennung gibt es jedoch nicht. Der Verein arbeite wie Exit, leiste also keine kommerzielle Sterbehilfe, sagte Kusch.

Um nicht als gewerbsmässiger, kommerzieller Anbieter zu gelten, hat StHD vor kurzem seine Satzung geändert. Dort heisst es nun: «Um zu dokumentieren, dass der Verein keinerlei wirtschaftliche Zielsetzung hat, zahlt er im Falle eines begleiteten Suizids sämtliche Geldbeträge zurück, die er zuvor von dem Mitglied erhalten hat.»

Diese «Geld-zurück-Garantie» sei keinerlei Kritik an Schweizer Organisationen, sondern eine Konsequenz der deutschen Gesetzgebung, sagte Kusch. Der Verein werde drauflegen. «Wenn wir feststellen, dass wir finanziell nicht über die Runden kommen, müssen wir die Satzung ändern.»

Schweiz als «sicheres Terrain»

Trotz neuer Satzung fürchtet der Verein das Aus in Deutschland. «Über dem Verein schwebt das Damoklesschwert des Verbots», sagte Kusch. Dann sei der Verein nicht mehr handlungsfähig. Ein Gerichtsverfahren, um gegen ein Verbot vorzugehen, könnte Jahre dauern. Daher weicht StHD nun auf das «sichere Terrain der Schweiz» aus.

StHD ist seit 2010 tätig und hat rund 300 Mitglieder. Der Verein mit Geschäftsstelle in Hamburg hat, laut Kusch, bislang in rund 60 Fällen Suizidbegleitung geleistet. Die Statuten des Schweizer und die Satzung des deutschen Vereins sind identisch, und auch der Vereinsvorstand ist derselbe.

Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hatte 2008 für Schlagzeilen gesorgt, weil er mit seinem Verein «Dr. Roger Kusch Sterbehilfe e.V.» Sterbebegleitung zu einem Preis von 8000 Euro angeboten hatte. Dies wurde gerichtlich verboten. «Es war ein Fehler, gegen Geld Sterbehilfe anzubieten», sagte Kusch dazu am Freitag.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • z. imperlich am 14.09.2012 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    totentanz:

    wenn bei uns viele deutsche eingeäschert werden, so haben unsere krematorien viel altes zahngold zur verfügung... :-)))

  • Leser am 14.09.2012 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ist unser Land nicht herrlich

    Die Schweiz sehen und sterben.

  • Emma am 14.09.2012 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sterbehilfe

    Wenn ich mich umbrigen will kann ich das alleine selber machen ohne einen dubiosen Verein der dafür noch viel Geld nimmt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 14.09.2012 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ist unser Land nicht herrlich

    Die Schweiz sehen und sterben.

  • B. Berger am 14.09.2012 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz DE in der CH

    Wenn die deutsche Politik so weiter macht, dann werden wir bald ganz Deutschland in der Schweiz haben! Und dann wird der Druck seitens Deutschland dermassen gross, dass wir alle Gesetze und Vorschriften von Deutschland übernehmen müssen! :-) (Hmmm, was denn eigentlich noch, wenn schon alle bei uns sind?).

    • Flachland Indianer am 15.09.2012 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      Berg:

      Gratuliere! Made my Day !

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  • Calvin W. am 14.09.2012 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja eine Schande ...

    ... wie immer mehr die Persönlichkeitsrechte eingeschränkt werden. Es ist eine Unverschämtheit jemandem, der sich von Sterbehilfe eine Erleichterung seiner Schmerzen erhofft, diese nicht zu gewähren. Ja, sie wird sogar von Staates wegen verboten. Jetzt kommen also noch mehr Flüchtlinge aus Deutschland zu uns.

  • Rosmarie Kull am 14.09.2012 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder so wie er will

    Jeder soll sterben wie er das möchte. Wenn ich sterbenskrank wäre, wäre mir lieber selber bestimmen wann ich gehen kann und vor allem lieber mit Jemanden noch die Hand hält als mit Tabletten einsam und verlassen alleine zu sterben. Jedem so wie er will.

    • Sepp am 14.09.2012 19:39 Report Diesen Beitrag melden

      Ah ah

      Ah. Da muss man also nach deiner Meinung angeben, dass man entweder Sterbenskrank ist oder zumindest ein Burnout hat um sterben zu dürfen. Einfach lächerlich wie die Menschen auf zahlende Steuerzahler fixiert sind!

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  • Norbi B. am 14.09.2012 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Na toll!

    Das jetzt die Deutschen zum Sterben in die Schweiz komen...

    • Holger am 14.09.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      ..und erlaubt!

      ..warum nicht? Ist doch toll hier

    • r.buhl am 14.09.2012 21:52 Report Diesen Beitrag melden

      was ist das Problem

      Bist Du Norbi schon einmal in einem Pflegeheim gewesen Abteilung, Schwerst Alzheimer??

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