Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Abzocker-Initiative
09. März 2011 07:50; Akt: 11.04.2011 16:33 Print
Nationalrat sagt Nein zu Boni-Steuer
von Lukas Mäder, Bern - Die Mehrheit des Nationalrats spricht sich gegen eine Boni-Steuer aus. Doch von einer Einigung ist das Parlament weiterhin weit entfernt.
Der Nationalrat hat sich gegen eine Boni-Steuer ausgesprochen - zumindest in einer ersten und noch unverbindlichen Abstimmung. Mit 88 zu 100 Stimmen trat er auf einen Vorschlag des Ständerats ein, der keine solche zusätzliche Steuer vorsieht. Damit setzten sich SVP und FDP durch. Das Geschäft geht nun an die Rechtskommission, die eine Detailberatung durchführt. Dort könnte theoretisch eine Boni-Steuer wieder in die Vorlage aufgenommen werden. Auf den zweiten Vorschlag von Ständerat und Bundesrat - mit Boni-Steuer - tritt der Nationalrat mit 97 zu 92 Stimmen knapp nicht ein.
Abzocker-Initiative und der GegenvorschlagDie sogenannte Abzocker-Initiative von Thomas Minder geht den bürgerlichen Politikern zu weit. Doch sie fürchten an der Urne den Volkszorn gegenüber der Wirtschaft und wollen diesen mit einem Gegenvorschlag zähmen. Doch dabei stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: Der direkte Gegenvorschlag, den ursprünglich die CVP vorantrieb, würde zusammen mit der Initiative dem Volk zur Abstimmung unterbreitet. Er ist inzwischen auf Eis gelegt.
Die beiden Kammern beraten derzeit über einen indirekten Gegenvorschlag, den ursprünglich die SVP einbrachte. Dieser beinhaltet eine Gesetzesänderung, welche die Anliegen der Initiative aufnimmt, und käme nicht zusammen mit der Initiative vors Volk. Die SVP hat dem Initianten Minder die Zusage abgerungen, dass er die Initiative zurückzieht, wenn eine griffige Anpassung des Aktienrechts durchkommt.
Die Abzocker-Initiative will bei Aktiengesellschaft Boni verbieten und die Gehälter von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung beschränken, indem die Aktionäre darüber abstimmen müssen. Umstritten sind dabei mehrere Punkte: dass diese Regelung alle Aktiengesellschaften und nicht nur die börsenkotierten betrifft; dass die Aktionäre auch die Gehälter der Geschäftsleitungsmitglieder bestimmen sollen, obwohl das in der Kompetenz des Verwaltungsrats liegt; dass die Stimmrechtsvertretungen nur noch so erlaubt sind, dass sie kurzfristige Investoren, sogenannte Heuschrecken, begünstigen würde. Aus formalen Gründen kritisieren einige Politiker ausserdem, dass aktienrechtliche Bestimmungen nicht in die Verfassung gehören. Dieser unschöne Umstand, der im Schweizer System der Volksinitiativen häufig vorkommt, würde vom indirekten Gegenvorschlag vermieden. (mdr)
Mit diesem Entscheid setzt der Nationalrat ein Zeichen gegen eine neue Steuer für Vergütungen über 3 Millionen Franken. FDP-Fraktionschefin Gabei Huber hatte in der vorausgegangenen Debatte betont, sie würde das Eintreten auf Vorlage 1 als klaren Auftrag werten, keine Boni-Steuer einzuführen. Doch in der Rechtskommission sind die Mehrheitsverhältnisse knapper, so dass diese Idee wieder aufgenommen werden könnte. Möglicherweise wird es in der Frage der Boni-Steuer auch eine Differenz zum Ständerat geben, der ihr ursprünglich zugestimmt hatte.
In der rund 90-minütigen Debatte gab es scharfe Kritik von den Linken dafür, dass drei Jahre nach der Einreichung immer noch kein Gegenvorschlag auf dem Tisch liegt. Das Parlament verschleppe die Vorlage, während die Abzockerei weitergehe, sagte SP-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer. «Die bürgerlichen Parteien haben Angst vor dem Volk, weil die Initiative gute Chancen hat, angenommen zu werden.» Als Trauerspiel bezeichnete der grüne Nationalrat Daniel Vischer die Tatsache, dass, nachdem sich der Ständerat zu einem griffigen Vorschlag durchgerungen habe, dieser von SVP und FDP torpediert werde. FDP-Fraktionschefin Huber wies den Vorwurf der Verzögerungstaktik zurück. Das Vorgehen des Parlaments und die zeitlichen Fristen seien gesetzlich so vorgesehen.
Banker seien nicht stolz
Mit der Annahme der Initiative seien Tausende von Arbeitsplätzen gefährdet, sagte FDP-Präsident Fulvio Pelli. Nicht die ganze Wirtschaft bestrafen wegen zu hoher Boni in der Finanzbranche will BDP-Nationalrat Martin Landolt, der selbst Direktionsmitglied der UBS ist. Er und andere aus seiner Branche seien nicht stolz auf das Geschehene. Der Staat würde sich für SVP-Nationalrat Pirmin Schwander selbst zum Abzocker machen, wenn er Vergütungen über 3 Millionen Franken zusätzlich besteuern würde.
Für einen massvollen Gegenvorschlag plädierte CVP-Nationalrat Norbert Hochreutener. Es gebe einige Punkte beim Vorschlag 2 mit Boni-Steuer, die korrigiert werden müssten. Das könne aber in der Detailberatung geschehen, sagte er. «Dem Volk reisst langsam der Geduldsfaden.» Für seinen Parteikollegen Pirmin Bischof würde die vorgesehene Boni-Steuer nur Gerechtigkeit schaffen. Heute würden Firmen durch eine höhere Unternehmenssteuer bestraft, wenn sie einen Gewinn ausweisen und diesen als Dividende ausschütten. Zieht das Unternehmen jedoch einen hohen Bonus vom Gewinn ab, ist das steuerlich vorteilhaft. «Es geht nicht darum, eine neue Steuer oder eine Lohnobergrenze einzuführen», sagte Bischof. Vielmehr wolle die CVP, dass die zusätzlichen Einnahmen allen Unternehmen über die Unternehmenssteuer wieder zugutekämen.
Countdown läuft
Der Ständerat hatte zwei Varianten eines indirekten Gegenvorschlags ausgearbeitet, über die der Nationalrat abgestimmt hat: Vorschlag 1 umfasst die mehrheitlich unumstrittenen Teile der Aktienrechtsreform. Vorschlag 2 beinhaltet zusätzlich eine sogenannte Boni-Steuer für Vergütungen über 3 Millionen Franken. FDP und SVP sprachen sich klar dagegen aus. Die Linke und die CVP unterstützten diesen Vorschlag.
Für das Parlament beginnt die Zeit knapp zu werden. Für die Ausarbeitung eines indirekten Gegenentwurfs zur Volksinitiative hat es nur noch gut ein Jahr Zeit, bis maximal am 26. August 2012. Dazu muss es jedoch in der Sommersession eine Fristverlängerung um ein Jahr beschliessen. Kann sich das Parlament in der gegebenen Zeit nicht einigen, kommt die Abzocker-Initiative von Thomas Minder ohne Gegenvorschlag zur Abstimmung.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 94 Kommentare































Minder-Iniative muss vor's CH-Volk
zur Abstimmung kommen. Der FDP + CVP wird bei den Hebst-Wahlen 2011 die Rechnung für ihr Verhalten nun präsentiert.
@markus
was meinen Sie damit? Was ist denn mit der SVP? Die war doch auch dagegen?
Gegen das Volk
Das opportunistische Spiel der SVP wird der Wähler genau so wenig honorieren. Es ist Wahljahr. Schon bald.
Minder, bleib dran und zeigs Ihnen!
Wissen unsere Politiker und Wirtschafts Typen eigentlich wie schwirig es ist eine Familie Monat für Monat durch zu bringen, als normalo Arbeiter? Denke nicht! Eigentlich sollte das arbeiter Volk mal via Facebook eine Initiative starten wo man sich gemeinsam weigert in Zunkunft die Steuern zu bezahlen bis diese Abzocker ihre Millionen Bonis auch Versteuern werden. Die grossen kriegen immer mehr und die kleinen immer weniger. Gut gibt es noch eine Person wie ein Herr Minder
Auf der falschen Seite
Da sieht man sehr schön, auf welcher Seite die Ploitiker stehen - auf ihrer Eigenen. Die Interessen des Volkes sind schon lange kein Thema mehr...