Gotthard-Durchschlag

07. Oktober 2010 23:59; Akt: 11.10.2010 14:05 Print

Sawiris bringt auch die Bündner zum Träumen

von Ruedi Lämmler, SDA - Vor drei Jahren ist die Porta Alpina auf Eis gelegt worden. Sedrun sind die Visionen aber nicht abhanden gekommen. Sie sind verknüpft mit einem Namen.

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Samih Sawiris will die Porta Alpina unterstützen. (Bild: Keystone)

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Ein Bahnhof 800 Meter unter Sedrun, eine Umsteigestation, von der Bahnpassagiere vom Gotthard-Basistunnel ins Bündner Oberland gelangen: Das ist die Porta Alpina.

Und das ist ein auf 50 Millionen Franken veranschlagtes Projekt, das im September 2007 von der Bündner Regierung in den Schlafzustand versetzt wurde. Regierungsrat Stefan Engler sprach damals von einem «nicht verkraftbaren Risiko».

Von der Vision Porta Alpina blieb der Ausbruch der Wartehallen, wofür 15 Millionen Franken investiert worden waren. Und es blieb die Hoffnung, spätere Generationen könnten das Projekt, dem die SBB immer skeptisch gegenüberstand, realisieren.

Ein Fünkchen Hoffnung glühte unlängst wieder auf, als die Bündner Medien den ägyptischen Investor Samih Sawiris mit der Porta Alpina konfrontierten. Er werde das Projekt unterstützen, sagte der Mann, der in Andermatt UR ein Ferienresort baut.

Zuerst müssen andere wollen

Sawiris will die Porta Alpina nicht gleich aus dem eigenen Sack bezahlen: «Wenn die SBB, der Kanton Graubünden und der Bund die Porta Alpina wollen, beteiligen wir uns, in welcher Form auch immer. Das hat Sawiris schon vor zwei Jahren gesagt», stellt Franz Egle, Verwaltungsrat von Sawiris Orascom Development, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA klar.

Zwischenzeitlich ist die Idee einer «Galleria Alpina» aufgeworfen worden - ein Erlebnisraum für Touristen in den Wartehallen der Porta Alpina. Wieder eine Vision. Die Gemeinde Tujetsch, zu der Sedrun gehört, konzentriert sich aber unterdessen auf Visionen auf der Erdoberfläche.

Riesige Investitionen

Drei Projekte stehen im Vordergrund: Der Zusammenschluss der Skigebiete von Andermatt und Sedrun, der Bau eines Ferienresorts und die Inszenierung der Rheinquelle. Bis 150 Millionen Franken sollen in den Zusammenschluss der Skigebiete investiert werden. Im Ferienresort im Ort Dieni sollen zwischen 700 und 800 Personen nächtigen können.

Allein mit der Finanzierung dieser Projekte hapert es noch. Pancrazi Berther, Gemeindepräsident von Tujetsch, spricht von Investoren, die gesucht werden müssten, von der Gründung einer Holding und von Samih Sawiris. Tatsächlich hat der Ägypter wegen des Resorts in Andermatt und seiner Klientel dort ein Interesse am Zusammenschluss der Skigebiete.

Es sei das Ziel, dass diese Verbindung komme, sagt Franz Egle. Das Überleben der Bergbahnen beidseits des Oberalppasses sei nur gesichert, wenn sie sich zusammenschlössen.

Tujetsch hat schon profitiert

Immerhin: Vom Bau des Gotthard-Basistunnels hat die Gemeinde Tujetsch bereits profitiert. Zwischen 1996 und 2003 wurden in der Region 122 Millionen Franken zusätzlich eingenommen, vor allem durch Steuern. Die Gemeinde steht finanziell besser da als ihre Nachbargemeinden.

Bis 700 Arbeiter waren in Sedrun mit dem Bau des Tunnels beschäftigt. Mit dem Durchstich werden es in den nächsten Jahren deutlich weniger. Sedrun, die Gemeinde Tujetsch, muss sich auf die Zeit danach einstellen.

Kein Selbstläufer

Hat die Gemeinde die Chance der zusätzlichen Einnahmen und Publizität genutzt und sich fit gemacht für eine nachhaltige Entwicklung? Die Aussichten seien gut, sagte Simone Strauf von der Universität St. Gallen und Co-Autorin einer Langzeitstudie über die Auswirkungen des Tunnelbaus auf die Gemeinde Tujetsch.

Laut Strauf sind genügend Ansatzpunkte vorhanden zur Bildung eines attraktiven Wohn- und Ferienortes. Allerdings werde die Zukunft von Tujetsch kein Selbstläufer. Es müsse etwas getan werden, in Kooperation mit einer anderen Region, etwa mit San Gottardo, dem Gemeinschaftsprojekt der Kantone Uri, Tessin, Wallis und Graubünden.