Parasit

20. September 2016 12:09; Akt: 20.09.2016 13:40 Print

Walliserin hat einen Wurm in ihrem Auge

Die junge Walliserin Rebecca trägt einen Parasiten in sich. Im Spital tat man sich am Anfang schwer, den Wurm zu erkennen und sie zu behandeln.

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Mutter Annouchka Nanchen ist empört. In ihrer Tochter Rebecca lebt mindestens ein Wurm. «Ich habe beeindruckende Bilder, auf denen man sieht, wie ein Wurm seinen Kopf aus dem Auge meiner Tochter herausstreckt», sagt sie zu «Le Matin». Doch die Ärzte hätten zuerst nicht erkannt, was mit Rebecca los war.

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Nanchen geht davon aus, dass Rebecca den Parasiten, der sich Loa nennt, während der Ferien vor sieben Jahren in Kamerun eingefangen hat. «Aber kein Arzt bemerkte am Anfang, dass sie einen Wurm in sich trägt.» Zuerst attestierte ihr ein Augenarzt eine einfache Infektion und verschrieb ihr Antibiotika. «Eine Behandlung, die das Problem verschärft hat», so die Mutter.

Keinen Hinweis auf einen Parasiten

In der Permanence Valais Care AG in Martigny, wo Rebecca vor rund einem Monat war, stellt man dies anders dar: «Die Patientin hatte eine normale Augenuntersuchung, es gab keine spezielle Vorgeschichte und die Sehschärfe war auf beiden Seiten gut», sagt der behandelnde Augenarzt Dr. Christophe Cuq. Der Gedanke an einen Parasiten sei ihm zu keinem Zeitpunkt gekommen. «Es gab keinen Hinweis, sonst hätte ich das Mädchen sofort an die Abteilung Parasitologie überwiesen», so der Arzt.
Walliserin hat einen Wurm in ihrem Auge

Er habe dann tatsächlich eine Behandlung mit Antibiotika verschrieben. «Der Patientin habe ich nahegelegt, mich nochmal zu konsultieren, sollte sich ihre Situation verschlechtern.» Zudem habe auch der vor der Untersuchung ausgefüllte Fragebogen keine Hinweise auf etwas Spezielles oder eine aktuelle Reise ins Ausland enthalten.

Wenige Spezialisten in der Schweiz

In den Spitälern gibt es nur wenige Spezialisten für Tropenkrankheiten. «Etwa fünfzig Ärzte in der Schweiz verfügen über eine Ausbildung in diesem Bereich», sagt Dr. Christoph Hatz, Professor am Schweizerischen Tropen-Institut in Basel. Im Zweifelsfall sei es immer am besten, sich direkt an einen Spezialisten zu wenden. «Es ist verständlich, dass ein Allgemeinmediziner über die Details einer solchen Krankheit nicht Bescheid weiss.»

Zum Risiko für Reisende, einen Parasiten wie Loa aufzulesen, sagt Hatz: «Die meisten Tropenkrankheiten bemerkt man wenige Wochen oder Monate nach der Rückkehr.» Nur in ganz seltenen Fällen treten Infektionen bis zu zwanzig Jahre später auf. Vor allem in Afrika, aber auch in Asien und Lateinamerika bestehe die Gefahr, sich einen Parasiten einzufangen. Rebecca sollte ihren jetzt loswerden können. Im Spital Wallis in Sion beginnt sie am Freitag eine Behandlung, die drei Wochen dauert.

Ferien-Souvenirs, die wirklich keiner haben will

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reiner Zufall am 20.09.2016 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder!

    Warum ist die Mutter empört? Wenn der Wurm bei der Untersuchung nicht gesehen wird und bei der Vorgeschichte die (lange zurückliegende) Reise nach Afrika verschwiegen wird, muss sich niemand wundern, dass das Problem nicht erkannt wird, zumal es in unseren Breiten sehr selten ist. Ärzte sind nun mal keine Hellseher. Es handelt sich um einen Wanderwurm oder Loa loa, und wird durch den Stich einer Bremse übertragen.

  • Wulline am 20.09.2016 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Ärztebashing

    Seit wann sind Ärzte unfehlbar? Ich zweifle daran, dass die Mutter den Wurm erwähnt hat, sofern sie ihn denn überhaupt vor und nicht nach der Diagnose gefilmt hat. Scheint mir eine etwas konstruierte Geschichte. Blind ist kein Arzt.

  • Weltenbummler am 20.09.2016 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gerade in Zeiten...

    ..von Zika etc. empfehle ich ausdrücklich den regelmässigen und intensiven Besuch ferner Länder. Ein bisschen Zika aus Südamerika, Antibiotika resistente Organismen im Darm aus Indien, der berühmte Pfeiffen-Beisser-Fisch aus Asien und Augenwürmer aus Kamerun. Alles kostenlose Erinnerungen an die gute Zeit...und für's Klima hat man erst noch was getan wenn man bloss 2 - 3x pro Jahr in der Welt rum fliegt. Inronie nun wieder off. Selbstverantwortung heisst das Zauberwort liebe Mitmenschen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.Schweitzer am 20.09.2016 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    nur zweitklassiges Gesundheitssystem

    Wen erstaunt dies heute noch ?! Die CH hat zwar das 2. teurste Gesundheitssystem der Welt, die Qualität ist leider NUR zweitklassig ! Man wird bei den meisten Ärzten nur als Nummer ( Maschine) betrachtet und meist mit einer 08,15 Lösung abgespiesen ! Da nimmt sich keiner die Zeit zu hinterfragen, forschen etc. etc.

  • Anna am 20.09.2016 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    Überfordert

    Auch ein Leberegel beim Mensch ist sehr selten. Der Betroffene war nicht im Ausland! Wurde lange von einem Universität Spital nicht entdeckt. Hiess immer wieder die starken Schmerzen und der Gewichtsverlust seien psychosomatisch. Einzig der Hausarzt sagte immer wieder das kann es nicht sein. Bis das Viech endlich entdeckt wurde. Nachher 2 mal 3 starke Tabletten, die das Ding dann abtöteten. Und einige Op Eingriffe im Gallengang. Oft sind auch die Universitäts Spitäler mit solchen Dingen total überfordert.

  • Herr Bünzeli Theophil am 20.09.2016 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ist es im Spital nun eher Zufall, wenn etwas richtig erkannt wurde

  • Beno am 20.09.2016 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Im Zweifelsfall an einen Spezialisten

    Ist gar nicht so einfach, weil Spezialisten Patienten oft ohne Überweisung gar nicht akzeptieren. So musste ich mit einem Tumor erst zum Hausarzt (10 Tage Wartezeit) bevor mich dieser zu einem Onkologen überwiesen hat.

  • Weltenbummler am 20.09.2016 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Gerade in Zeiten...

    ..von Zika etc. empfehle ich ausdrücklich den regelmässigen und intensiven Besuch ferner Länder. Ein bisschen Zika aus Südamerika, Antibiotika resistente Organismen im Darm aus Indien, der berühmte Pfeiffen-Beisser-Fisch aus Asien und Augenwürmer aus Kamerun. Alles kostenlose Erinnerungen an die gute Zeit...und für's Klima hat man erst noch was getan wenn man bloss 2 - 3x pro Jahr in der Welt rum fliegt. Inronie nun wieder off. Selbstverantwortung heisst das Zauberwort liebe Mitmenschen!