SBB-Chef zum Bahnen-Streit

08. September 2017 21:48; Akt: 08.09.2017 21:48 Print

«Irgendwann kommt sonst eine ausländische Bahn»

von Stefan Ehrbar - SBB-Chef Meyer und BLS-Chef Guillelmon kämpfen um Bahnlinien. Im Interview sagen sie, was ihr jeweiliges Unternehmen besser kann.

SBB-Chef Andreas Meyer sagt im Interview, weshalb die SBB die beste Lösung für die Schweiz biete, und spricht über Probleme der BLS. (Video: Stefan Ehrbar).
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Die SBB und die Berner Bahngesellschaft BLS treten im Kampf um Fernverkehrs-Linien gegeneinander an. Das haben die beiden Bahnen an separaten Medienkonferenzen am Freitag bekanntgegeben. Eine «Konsenslösung», die von den Verwaltungsräten beider Bahnen bereits abgesegnet worden sei, sei von der SBB wieder gekippt worden, teilte die BLS mit.

SBB-Chef Andreas Meyer ist überzeugt, dass eine alleinige Konzession für die ganze Schweiz für die SBB der beste Weg ist. Wenn der Bund nun beginne, andere Anbieter zuzulassen, öffne er die Schleusen. «Beim nächsten Mal werden dann wieder weitere Linien vergeben, und irgendwann kommt ein ausländischer Anbieter», sagt Meyer zu 20 Minuten (siehe Video).

«Wettbewerb ist immer Rosinenpickerei»

Im kleinen Schweizer Netz sei das nicht gut. Auch dem Zusammenhalt des Landes schade das Vorgehen. Diese Konkurrenz diene den Kunden nicht. «Wettbewerb ist immer Rosinenpickerei», sagt Meyer. Man könne nicht einfach profitable Linien an einen Anbieter vergeben, und der andere bleibe auf den unprofitablen Linien sitzen. «Wettbewerb ist in der Regel nun mal so, dass man sich nicht für die unprofitablen Linien bewirbt.»

Wenn die BLS nun ebenfalls Linien betreiben dürfe, werde das gut funktionierende System aufgebrochen und die Gesamtkosten würden steigen, sagt Meyer. Wenn nur die SBB aber eine Konzession erhalte, würden die Preise bis 2020 nicht steigen, verspricht er. Das sei dank des Sparprogramms bei der SBB möglich.

«Der BLS gehts nicht um grosse Gewinne»

BLS-Chef Bernard Guillelmon widerspricht dieser Darstellung. «Wir können mit SBB-Zahlen zeigen, dass die Linie zwischen Bern und Zürich die hochprofitable ist, die auch stark wachsen wird.» Für diese hat sich die BLS nicht beworben. «Unser Konzessionsgesuch betrifft viel weniger rentable Linien», sagt Guillelmon zu 20 Minuten (siehe Video).

Das Konzept der BLS sei ursprünglich mit der SBB erarbeitet worden. Der Fernverkehr trage auch nicht zur Finanzierung des Kantons Bern als BLS-Anteileigner bei. «Es geht uns nicht darum, grosse Gewinne zu schreiben», sagt Guillelmon.

Der CEO der BLS, Bernard Guillelmon, reagiert auf Aussagen der SBB. (Video: Stefan Ehrbar)

Die BLS-Lösung sei machbar und realistisch. Weshalb die Einigung mit der SBB nicht zustande gekommen sei, wisse er nicht, sagt der Berner Bahn-Chef.

«Zentral, die Konzession selbst zu haben»

Eine ähnliche Lösung wie jene der SBB und der SOB, bei der die SOB unter Konzession der SBB fährt, ist für Guillelmon keine Option. «Für uns ist es absolut zentral, die Konzession selbst zu halten. Nur so haben wir die Einnahmen und die Gestaltungsfreiheit.» Die BLS wolle die Fahrgäste insbesondere mit besserem Service begeistern. Dazu gehören etwa das Verpflegungsangebot, die Begleitung aller Züge durch Personal und der Billettverkauf im Zug. Auch die Rückkehr der Minibar ist ein Thema.

Die BLS will die Konzession noch nicht ab dem kommenden Fahrplanwechsel, sondern schrittweise je nach Linie ab 2020. So könnten die notwendigen Züge beschafft werden. Welche Züge dereinst für die BLS im Intercity-Verkehr rollen würden, ist noch nicht klar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 20min User am 08.09.2017 21:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Wenn die SBB die Monopolstellung behalten will, sollte sie nicht von Jahr zu Jahr teurer werden und im gleichen Athemzug, von Jahr zu Jahr Dienstleistungen abschaffen.

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  • Tina am 08.09.2017 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CEO in Panik

    Meyer ist ja voll schwach, so etwas rauszulassen. Der ist echt sein Geld nicht wert.

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  • Nina M. am 08.09.2017 21:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hoffentlich...

    ... wenn sie dafür 50% billiger ist. Mir ist es egal wenn es im Zug kein Starbucks gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RC am 09.09.2017 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen und Wein trinken!!

    ...die SBB bevorzugen beim Einkaufen ihrer Produkte auch nicht immer den inländischen Markt, es kommt nur darauf an, wer der günstigste ist und nicht ob die Wertschöpfung in der Schweiz bleibt. Dann spielt es keine Rolle, ob die Waren Kilometer weit aus dem Ausland mit LKW's auf der Strasse angekarrt wird. Keine Konkurrenz für die SBB bedeutet geringe Effizienzsteigerung...

  • g. bernasconi am 09.09.2017 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Warten auf die Auslaender

    Es sollen ruhig die Japaner kommen. Hr. Meyer wird sofort geschasst und ohne Abfindung.

  • 20Min Superuser. am 09.09.2017 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlich?

    Liebe Leute. Was soll das Angstmachen seitens der SBB hinsichtlich ausländischer Bahnanbieter, welche der SBB die Aufträge wegnehemen? Wenn jemand seinen Job gut macht, dürfte es doch kein Problem sein sich durchzusetzen. Aber eben, die SBB ist hier unehrlich, immerhin lässt sie Infrastrukturprojkete von mehreren 100 Millionen durch ausländische Ingenieurfirmen planen und ausführen. Und deren Mitarbeiter zahlen weder in der Schweiz Steuern noch fahren die hier Bahn oder kaufen hier ein. Da soll sich nun jeder selber die richtigen Gedanken dazu mchen.

  • Nuggi am 09.09.2017 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geschützte Werkstatt

    Die SBB ist für viele eine geschützte Werkstatt. Bei der Gütersparte ist die Liste von Personen, die man sofort entlassen sollte Ordnervoll

  • Ueli der Motzer am 09.09.2017 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ärger

    Normale Politiker hätten Herrn Meyer nach dem S-Bahn Debakel von Berlin nie zum CEO SBB gemacht.