Verkaufs-Statistik

25. März 2017 20:08; Akt: 25.03.2017 20:22 Print

Hier verläuft der Sextoy-Graben

«Fifty Shades Darker» sorgt für einen Sexspielzeug-Boom bei Jungen. Wer auf dem Land wohnt, bestellt aber eher online, um nicht dem Nachbarn zu begegnen.

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Um im Bett für Spannung und Abwechslung zu sorgen, greifen Schweizer auch mal zu Helfern aller Art. Dabei gibt es aber regionale Unterschiede: Besonders viele Sexspielzeuge pro Kopf werden im Kanton Appenzell-Innerrhoden verkauft, wie eine Auswertung des Online-Shops Amorana für 20 Minuten zeigt.

Im Ostschweizer Kanton liegen die Verkaufszahlen 25 Prozent über dem Schweizer Durchschnitt. Die Innerrhödler stossen damit die Glarner vom Podest, die letztes Jahr noch den Spitzenplatz der Verkaufsstatistik belegten, es dieses Jahr aber nur noch ins vordere Mittelfeld schaffen. Da in kleinen Kantonen schon wenige Einkäufe den Unterschied machen können, ist dies nicht verwunderlich. Genaue Verkaufszahlen gibt Amorana nicht heraus.

Platz 2 geht an den Kanton Schwyz (16 Prozent über dem Durchschnitt), auf Platz 3 folgt der Kanton Aargau mit Verkaufszahlen, die 11 Prozent über dem Schweizer Mittel liegen. An letzter Stelle befindet sich der Kanton Basel-Stadt, dort werden rund ein Drittel weniger Sextoys verkauft als im Rest der Schweiz.

Die Auswertung bezieht sich nur auf Online-Shopping. Dass vor allem Einwohner ländlicher Kantone viel bestellen, liegt also nicht unbedingt daran, dass diese beim Sex experimentierfreudiger sind, sondern daran, dass man in urbanen Gebieten häufiger Erotikläden aufsucht.

Die Betreiber von Amorana vermuten, dass die «etwas konservative Landbevölkerung» sich vor dem Gang in einen Sexshop eher geniert. «Auf dem Land hat man eher Angst, dass man beim Einkauf vom Nachbarn gesehen wird», sagt Geschäftsführer Alan Frei.

«Viele Kunden fahren lieber eine Filiale weiter»

Tatsächlich kaufen Städter eher in Ladenlokalen ein: «Aufgrund der hohen Dichte unserer Läden in städtischen Ballungszentren stellen wir fest, dass die meisten unserer Kunden aus der Stadt und den dazugehörenden Agglomerationsräumen kommen», sagt Thomas Tetzlaff, CEO der «Magic X»-Ladenkette. Über alle Läden betrachtet seien die Kunden aus der Stadt deutlich in der Überzahl – auch prozentual gemessen an der Bevölkerungsdichte.

Doch der Trend betrifft nicht alle Erotik-Shops. «Im Online-Geschäft scheint die Stadt-Land-Verteilung ziemlich ausgewogen zu sein», sagt etwa Phil Scheck vom Erotik Markt. Bei den Ladengeschäften beobachte man, dass die Leute nicht unbedingt dort einkaufen, wo sie wohnen. «Viele Kunden fahren lieber eine Filiale weiter, um beispielsweise ein Zusammentreffen mit Bekannten zu vermeiden.»

Ein Trend, den die Sextoy-Verkäufer dieses Jahr besonders festgestellt haben: Die 18- bis 24 Jährigen bestellen viel häufiger Sextoys als noch letztes Jahr.

«Aktuell sind die Kunden um die 20 Jahre die fleissigsten Käufer», sagt Frei. Jeder Besucher in dieser Altersgruppe gebe im Schnitt fast doppelt so viel aus wie die 35- bis 44-Jährigen.
Auch in die «Magic X»-Geschäften kommen mehr Junge: «In Bezug auf die Altersstruktur sehen wir eine deutliche Trendentwicklung in Richtung der jungen Konsumenten.»

Junge wollen Vaginalkugeln aus «Fifty Shades Darker»

Der Grund für den Ansturm der Jungen ist laut den Anbietern der Film «Fifty Shades Darker», der mit Sexszenen aus dem Bondage- und SM-Bereich aufwartet. Der grösste Verkaufsschlager sind dabei die so genannten «Smart Balls» – Vaginalkugeln, die die Protagonistin Anastasia Steele im Film von ihrem Angebeteten Christian Grey eingeführt bekommt und während eines schicken Benefiz-Dinners trägt. «Die Liebeskugeln waren bei uns wenige Tage nach der Kinopremiere ausverkauft», sagt Frei von Amorana. Auch beim Online-Shop KissKiss.ch sind die Liebeskugeln der Topseller unter den «Fifty Shades»-Artikeln, bei Magic X stiegen die Verkäufe der Kugeln nach dem Film um 150 Prozent.

Mit den Smart Balls in verschiedenen Gewichtsklassen kann die Frau ihre Beckenboden-Muskulatur trainieren. Durch das Training verstärkt sich laut den Anbietern die Muskulatur, was zu einem verbesserten Gefühl beim Geschlechtsverkehr und zu einem stärkeren Orgasmus führen soll. Ausserdem können die Kugeln zur Stimulation beim Sex, aber auch während des Reitens oder Motorradfahrens benutzt werden. Laut Empfehlung der Hersteller sollte man den Umgang mit den Kugeln aber vorerst zu Hause üben. Ansonsten bestehe das Risiko, dass die Liebeskugeln in der Öffentlichkeit herausfallen.

(the)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • bnc am 25.03.2017 20:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgerechnet !

    Appenzell Innerrhoden !! So ein eher Konservativer Kanton tja die Frauen machen es dort lieber selber.

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  • Sabrina am 25.03.2017 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wegen einem Film

    Ich habe Zuhause eine Box randvoll mit tollen Toys die ich mir in den letzten 5 Jahren zusammengekauft habe. Ich muss nicht auf solche Sachen zurückgreifen nur weil mir ein Film sagt, dass es grade hip und in ist. Ich habe aus Überzeugung Spass daran und nicht weil mir jemand sagt, dass das gerade im Trend ist. Ich komme aus Bern.

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  • Martin am 25.03.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Der letzte Satz ist der Hammer

    Ich stelle mir das grad bildlich vor: Da sitzt du friedlich im Tram und liest, da steht eine Frau vor dir auf und ihre Kugeln fallen plötzlich scheppernd zu Boden. Alle Köpfe drehen sich nach ihr...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schleich W. am 26.03.2017 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Werbebeitrag in Newstarnung

    Wo kann man diese Frau kaufen? - Wie hiess die Firma wieder? Muss man Werbung anschreiben?

  • WaleLi am 26.03.2017 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut gibt es Toys

    Ist doch gut: Ein Sex-Toy ist immer griffbereit, ein Wesen aus Fleisch und Blut leider nicht ;-)

  • Marcel am 26.03.2017 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Jetzt betrachte ich die Frauen an der Arbeit genauer. Vielleicht haben sie ja Lustkugeln drin. Unglaublich heute wie der Scham vor Sexualität fehlt.

  • Swissgirl am 26.03.2017 11:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Soviel sagtdie Statistik auchnicht aus. Wenn es im eigenen Kanton keinen Sexshop gibt, dann bestellt man halt eher statt ne 3/4h zu fahren...

  • Melina am 26.03.2017 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    call me Mr Gre,

    Wer so etwas wegen so einem unrealistischen Mainstream-Film kauft wird sich wahrscheinlich so lange damit beschäftigen wie der Film gehypt wird. An mir kann der Anstieg nicht liegen meine Schubladen sind schon voll...