Berliner Attentäter

23. August 2017 12:29; Akt: 23.08.2017 14:57 Print

Amri hatte keine Komplizen in der Schweiz

Nach dem Anschlag in Berlin hat die Schweiz ein Strafverfahren gegen Unbekannt eröffnet. Nun ist die Untersuchung abgeschlossen.

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Im Visier: Anis Amris telefonische Kontakte. (Archiv) Bilder einer Überwachungskamera zeigen Anis A. bei der Ankunft in Mailand am Freitag, 23. Dezember, um 1 Uhr morgens. (veröffentlicht 27. Dezember 2016) Der 24-jährige Tunesier wurde zwei Stunden später bei einer Polizeikontrolle erschossen. Anis A. hatte am 19. Dezember in Berlin zwölf Menschen umgebracht: Der von ihm eingesetzte Lastwagen. (20. Dezember 2016) Der Tunesier war laut Innenminister Marco Minniti von einer Polizeistreife angehalten worden und hatte sich eine Schiesserei mit den Beamten geliefert. Zur Schiesserei sei es gekommen, weil sich Anis Amri geweigert habe seine Papiere zu zeigen. Bei der Schiesserei wurde ein Polizist in die Schulter getroffen, er ist nicht in Lebensgefahr. Sicherheitskräfte sperren den Tatort ab. Es bestehe «nicht der Schatten eines Zweifels» an der Identität des Getöteten, sagte der italienische Innenminister Minniti vor den Medien. Sie will keine Anzeichen der Radikalisierung gesehen haben: Nur al-Huda Hassani, die Mutter des Terrorverdächtigen, posiert in ihrem Zuhause in Tunesien mit einem Bild ihres Sohnes. (22. Dezember 2016) Hier war Anis Amri offenbar gemeldet: Sicherheitskräfte durchsuchen ein Flüchtlingsheim in Emmerich, Nordrhein-Westfalen. (22. Dezember 2016) Der gesuchte Tunesier soll in Italien vier Jahre im Gefängnis gesessen haben: Fahndungsplakat des BKA. Der Tunesier habe Kontakte zu salafistischen Kreisen unterhalten und sei als «Gefährder» eingestuft worden, also als eine Gefahr für die öffentliche Ordnung.

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Die Bundesanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Unbekannt im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin vom Dezember 2016 ein. Der Verdacht, dass der Attentäter Anis Amri in der Schweiz Unterstützer gehabt haben könnte, habe sich nicht erhärtet.

Bei dem Verfahren ging es unter anderem um ein Handy mit einer Schweizer SIM-Karte, das Amri nach dem Anschlag benutzt hatte. Es wurde beim Verdächtigen gefunden, nachdem dieser auf seiner Flucht in Sesto San Giovanni bei Mailand von der italienischen Polizei erschossen worden war.

Handy als gestohlen gemeldet

Die Bundesanwaltschaft (BA) eröffnete danach ein Verfahren gegen Unbekannt, weil sie vermutete, dass sich weitere Unterstützer des Attentäters oder Mitglieder der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in der Schweiz befinden könnten. Der IS hatte sich zum Anschlag bekannt.

Nun konnten die Ermittler diesen Verdacht aber nicht erhärten, wie der Einstellungsverfügung vom Juni zu entnehmen ist, die der Nachrichtenagentur sda vorliegt. Die «Neue Zürcher Zeitung» berichtete am Mittwoch darüber. Das Handy mit der Schweizer Nummer war im September 2016 in Berlin als gestohlen gemeldet worden.

Besitzer lebt wohl in Frankreich

Die Ermittlungen legten den Schluss nahe, dass Amri das Handy mit der Schweizer SIM-Karte zwar zeitweise benutzt hatte, aber auch, dass dieses in Berlin entwendet worden war. Ob Amri den Diebstahl persönlich beging, bleibe ungeklärt. Der Besitzer des Handys lebt anscheinend in Frankreich. Die deutschen Behörden hätten deshalb ein Rechtshilfeersuchen an Frankreich gestellt, um die Person befragen zu können.

Eine weitere «Schweizer Spur» war bereits im Januar im Sand verlaufen: Amri hatte den Fahrer des Lastwagens, den er für den Anschlag benutzte, mit einer Faustfeuerwaffe getötet, die Anfang der 1990er-Jahre in die Schweiz importiert worden war. Mit derselben Waffe hatte er danach auf seiner Flucht in Italien bei einer Identitätskontrolle auf italienische Polizisten geschossen.

Doch nach Angaben des Bundesamtes für Polizei (fedpol) war die Waffe legal in die Schweiz importiert worden. Der «Weg, den die Waffe fortan nahm», wurde nicht bekannt. Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen in einen Weihnachtmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast. Zwölf Menschen kamen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt.

(fal/sda)