Feminismus

20. März 2017 05:43; Akt: 20.03.2017 11:37 Print

«Junge linke Frauen sind der neue ‹Hau-den-Lukas›»

von D. Pomper - SVP-Nationalrat Andreas Glarner und seine Fans ziehen über Juso-Frauen her. Jolanda Spiess-Hegglin wird die Kommentatoren nun anzeigen.

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Kaum war das Bild, mit dem Juso-Chefin Tamara Funiciello mit Parteimitgliedern oben ohne für den Women’s March in Zürich warb, online, ging der Shitstorm los. «Oh mein Gott - ist hier nicht Art. 258 des Strafgesetzbuches (Schreckung der Bevölkerung) erfüllt?», schrieb SVP-Nationalrat Andreas Glarner auf Facebook. Seine Fans teilten seine Meinung: Es folgten über tausend Kommentare auf seiner Wall. Die einen machten sich über die Körper der Frauen lustig («Da ist jeder chinesische Nackthund schöner»), andere fürchten um ihre Gesundheit («Das gibt Augenkrebs»), Frauen gaben an, sich für ihre «Artgenossen» zu schämen.

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Darauf wurde die Gegenseite aktiv. Sie nahm die Juso-Frauen in Schutz und machte sich über die fehlerhafte Rechtschreibung und den Bildungsgrad der Hater lustig («Schame Gefühl?» «Jesses. Ihr und euer Bildungsgrad»). Allerdings blockierte Glarner einige Verfasser kritischer Posts, weil es sich bei ihren Kommentaren um eine «orchestrierte Aktion» gehandelt habe, wie er auf Anfrage sagte.

«Wir sind wütend»

Die Juso-Präsidentin Funiciello reagierte relativ gelassen: «Die Reaktionen heute zeigen, wie nötig diese Diskussionen sind. Wir hatten den Mut, sie anzustossen.» Dann schiebt sie noch eine Warnung nach: «Passt auf, ihr Patriarchen. Wir sind zurück. Wir sind viele. Und wir sind wütend.»

Wütend ist auch die ehemalige Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin. Nachdem sie die Kommentare auf Glarners Seite gelesen hatte, bat sie den Nationalrat per SMS vergeblich darum, seinen Post wieder zu löschen. Sie veröffentlichte Screenshots der Kommentare und bereitet nun die Anzeigen vor. «Rund 70 Kommentatoren haben sich wegen Ehrverletzungsdelikten oder Vergewaltigungsandrohungen wohl strafbar gemacht», sagt Spiess-Hegglin, die im letzten Oktober den Verein #NetzCourage gegründet hat. Dieser unterstützt Menschen, die im Netz Opfer von Cybermobbing oder Beschimpfungen geworden sind. In den nächsten Wochen will sie die Anzeigen erstatten. Den Übeltätern drohen tausend Franken Busse und eine Probezeit von zwei Jahren.

«Ich sage, was ich denke»

«Ich werde auch weiterhin sagen, was ich denke und was ich doof finde», sagt Glarner, der überzeugt ist, dass die Juso den Frauen «einen Bärendienst» erwiesen haben. Er räumt allerdings ein, dass er nicht mit der Vielzahl und Heftigkeit der Kommentare gerechnet habe. So habe er denn auch «die Posts, die wirklich unter der Gürtellinie waren», gelöscht.

Für Spiess-Hegglin ist das eine Alibi-Übung. «Was Andreas Glarner hier macht, ist eine niederschwellige Form politischer Hetzjagd.» Er formuliere seine «leider nicht strafrechtlich relevanten» Posts bewusst so, dass sich seine Fans motiviert fühlten, noch eins draufzugeben. «Junge linke Frauen sind in der Online-Welt zum neuen Hau-den-Lukas geworden», sagt Spiess-Hegglin.

Frauenverachtende Kommentare hätten in den letzten Monaten zugenommen: «Sexismus und ‹Hate speech› (Hassreden) sind eine neue Bedrohung in unserer Gesellschaft.» Hier sieht die Zugerin auch den Bund in der Pflicht: «Er sollte die Stelle einer Hate-Speech-Beauftragten schaffen, so wie dies Deutschland bereits gemacht hat.»

«Was denken sich diese Frauen?»

Die Juso-Aktion geriet übrigens nicht nur von rechter Seite unter Beschuss. Auch CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter stellte auf Facebook die Aktion in Frage: «Was diese Frauen sich wohl dabei denken? Ich wünsche mir kompetente, leistungsfähige und selbstbewusste Frauen in der Politik und in der Wirtschaft. Pussyhats stricken und BHs verbrennen bringen keinen Franken mehr Lohngleichheit und keinen einzigen VR-Sitz mehr.» Ein Kommentator: «Hoffentlich schreckt das Bild die Juso-Wähler ab und sie wählen jetzt lieber CVP.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gitzi am 20.03.2017 06:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe das nicht

    Warum müssen heute die Frauen immer nackt für etwas demonstrieren? Wenn das die Männer täten, gäbe es einen riesen Aufschrei. Und das sage ich als Frau.

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  • Brausefritz am 20.03.2017 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    also.... 

    ...fürs Auge ist da wirklich nix.... Außerdem frag ich mich, welchen tieferen Sinn diese "Folkloreveranstaltung" hatte... Leben wir wirklich in den frühen 60ern?

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  • Mansaylon am 20.03.2017 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    Wer mit Steinen wirft, sollte wissen dass es auch Scherben geben kann. Oder wer provoziert, sollte genügend Eier haben, um mit Gegenprovokation umgehen zu können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spiessbürger am 21.03.2017 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt ?

    Frau Spiess Hegglin zum Thema politische Hetze. Schön dass ich da noch erleben darf ..

  • Besserwisserdennje am 21.03.2017 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anzeige,

    wegen Luftverschmutzung, wurde gemacht oder? Weiss das jemand? , im Sinne der Gleichheit sollte es fürs verbrennen eine geben

  • Rita Fri am 21.03.2017 09:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wortlos

    Als Frau finde ich das ganz einfach "Grusig"

  • Michel am 21.03.2017 05:32 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsfreiheit!

    also ein Politikerin sollte ja eigentlich eine gewisse Vorbildfunktion haben,mit solcher einer Aktion,folgen Reaktionen!Manche Leute sind empört,die anderen eher weniger,manche fühlen sich als Frau gedemütigt!Man darf dazu auch seine Meinung äussern auch ohne Anzeige von gewissen Kantonsräten....wenn man im eiGenen Land seine Meinungen nicht mehr von sich geben darf!und auch wenn jemand das grussig findet darf er das so sagen,ist eine Meinung!

  • SgtMaj.ERT am 21.03.2017 00:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechte?

    Jegliche Art von Meinungsäusserung muss Geschütz werden. Meine Rechte enden nicht wo deine Gefühle beginnen!