Schweiz

01. Juni 2017 08:13; Akt: 01.06.2017 10:30 Print

Mehr Gewalt gegen Kinder – zwei Todesfälle

Über 200 zusätzliche Fälle in der Schweiz: Ein Bericht verzeichnet eine klare Zunahme von Kindsmisshandlung.

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Wehrlos ausgeliefert: Erwachsene üben physische und psychische Gewalt gegen Kinder aus. (Symbolbild) (Bild: Keystone/Patrick Pleul)

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Im vergangenen Jahr sind mehr Kinder wegen Anzeichen von Misshandlung in den Schweizer Kinderkliniken behandelt worden als im Jahr zuvor. Die Zahl der Fälle von vermuteter oder sicherer Kindesmisshandlung erhöhte sich auf 1575.

Die Arten von Misshandlungen in Zahlen. Screenshot SSP SGP

Im Verlauf des Jahres 2015 waren noch 1388 Fälle verzeichnet worden, wie die Fachgruppe Kinderschutz der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie am Donnerstag mitteilte. Gemeldet wurden unter anderem Fälle von körperlicher Misshandlung (23,3 Prozent), Vernachlässigung (20,3 Prozent), sexuellem Missbrauch (19,4 Prozent) und psychischer Misshandlung (36,9 Prozent).

Die Zahl der Fälle, bei denen eine psychische Misshandlung diagnostiziert wurde, ist besonders hoch. Dies sei darauf zurückzuführen, dass immer mehr Kinder erfasst würden, die Gewalt zwischen den Eltern miterlebten, schreibt die Fachgruppe. Solche Situationen seien für Kinder psychisch stark belastend.

In den meisten Fällen ist die Diagnose sicher. Screenshot SSP SGP

Mit 44 Prozent Knaben und 56 Prozent Mädchen ist die Geschlechterverteilung praktisch gleich wie in den letzten Jahren. Knapp die Hälfte aller misshandelten Kinder ist jünger als sechs Jahre.

Während mehrere Kliniken weniger Fälle als im Vorjahr und einige Kliniken etwa gleich viel Fälle zu verzeichnen hatten, kam es an den Universitätskliniken von Lausanne und Genf zu einer überdurchschnittlichen Zunahme von 200 Fällen.

In den allermeisten Fällen stammt der Täter aus der Familie. Screenshot SSP SGP

Dieser Anstieg sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass diese Kliniken neu auch eingeschaltet werden, wenn es zu einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt in Familien kommt, wo Kinder im gleichen Haushalt leben, heisst es in der Medienmitteilung.

(chi)