Muslime, Juden, Schwarze

10. Oktober 2017 10:51; Akt: 10.10.2017 16:13 Print

Jeder Dritte stört sich an «den Anderen»

36 Prozent der Bevölkerung stören sich an als «anders» empfundenen Personen. Insbesondere Männer und ältere Menschen. Das zeigt eine nationale Erhebung.

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Muslime «unterdrücken Frauen», «sind aggressiv» und «streben die Weltherrschaft an». Schwarze sind «nicht sehr arbeitswillig» und «von Natur aus gewalttätig». Juden sind »geldgierig», «machthungrig» und «haben in der Schweiz zu viel Einfluss». Diese und viele andere Aussagen, die bewusst teilweise stereotyp oder provokativ formuliert sind, haben im Auftrag des Bundesamts für Statistik über 3000 Personen auf einer Skala von 1 (kaum) bis 6 (vollständig) bewertet.

Was haben Sie als Muslim, Jude oder Schwarzer in der Schweiz aufgrund ihrer Religion oder Hautfarbe für positive oder negative Erfahrungen gemacht? Melden Sie sich.

Die Antworten sollen rassistische und diskriminierende Tendenzen in der Schweiz aufzeigen. Die repräsentative Erhebung zum Zusammenleben in der Schweiz zeigt:

Zusammenleben in der Schweiz

- Aufgeschlossene Schweizer: «Allgemein zeigt sich die Bevölkerung tolerant», schreibt das Bundesamt für Statistik mit. 64 sind dagegen, Ausländer bei Arbeitsplatzknappheit wieder in ihre Heimat zurückzuschicken. 60 Prozent begrüssen das Recht auf Familiennachzug. 56 Prozent sind für eine automatische Einbürgerung der zweiten Generation. 65 Prozent glauben nicht, die Ausländer seien schuld, wenn man sich auf der Strasse nicht sicher fühlt, 68 Prozent verneinen die Aussage, Ausländer seien für eine allfällige Zunahme der Arbeitslosigkeit verantwortlich.

- Skeptisch gegenüber «den Anderen»: 2016 nahmen 36 Prozent der Bevölkerung die Anwesenheit von als «anders» empfundenen Personen als störend wahr. Im Alltag fühlen sich 6 Prozent der Bevölkerung durch Personen anderer Hautfarbe bzw. anderer Nationalität, 10 Prozent durch Personen anderer Religion und 12 Prozent durch anderssprachige Personen gestört. 21 Prozent empfinden die Anwesenheit von Personen mit einer nicht sesshaften Lebensweise als störend. Die Personen fühlen sich am ehesten im Arbeits- und Berufsumfeld gestört.

- Feindlichkeit gegenüber der muslimischen Bevölkerungsgruppe: Die sozialen Spannungen konzentrieren sich am meisten auf Muslime. Während 17 Prozent der Bevölkerung die Aussagen zu den negativen Eigenschaften von muslimischen Menschen als zutreffend empfinden, ist dieser Anteil bei den Aussagen zur jüdischen (12%) und Schwarzen (4%) Bevölkerungsgruppe deutlich geringer. Die Feindlichkeit gegenüber Muslimen (14%) ist höher als der Anteil der gegenüber schwarzen (10%) und jüdischen Personen (8%) feindlich gesinnten Personen.

- Fremdenfeindlichere Männer: Männer stören sich mehr an Muslimen (18,7% vs. 15%) und Juden (1,9% vs. 10.9%) als Frauen.

- Je älter, desto fremdenfeindlicher: Je älter die Befragten, desto negativer die Gefühle gegenüber einzelnen Bevölkerungsgruppen: 8 Prozent der 15- bis 24-Jährigen schreiben Muslime negative Eigenschaften zu, bei den über 64-Jährigen sind es 21 Prozent. Auch gegenüber Juden nehmen die Ressentiments mit steigendem Alter zu (15 bis 24 Jahre: 5,3%; 55 bis 64 Jahre: 16%). Der Anteil der Bevölkerung, der Schwarzen systematisch negative Eigenschaften zuschreibt, beträgt bei der jüngsten Personengruppe 3 Prozent, bei den 55- bis 64-Jährigen doppelt so viel.

- Muslimfeindliche Deutschschweizer, antisemitische Tessiner: Am negativsten eingestellt gegenüber Muslimen sind die Menschen in der deutschen und rätoromanischen Schweiz (D-CH: 18.4; F-Ch: 12%). Besonders negative Gefühle gegenüber Juden haben die Tessiner (I-Ch: 18,4, D-CH: 13%, F-Ch: 7,5%). Bei der italienischen Schweiz beträgt das Vertrauensintervall allerdings 4,8 Prozent.

- 33 Prozent aller befragten Personen misstrauen dem Islam (33%)

- 16 Prozent der Bevölkerung fühlen sich durch Ausländer bedroht, 4 Prozent durch Schweizer.

(dp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bebbi1 am 10.10.2017 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönrederei!

    Für mich ist diese Umfrage nicht representativ! Nur wenige werden die wahren Gedanken preisgegeben haben! Dank den Rassismusgesetz! Hätte man den Befragten die aktuelle Gefängnisstatistik vorgelegt, wäre diese Umfrage anders herausgekommen! Vertrauen ist die spürbare Reaktion von Menschen in Bezug auf das eigene Verhalten. Wer sein Vaterland nicht kennt, hat keinen Maßstab für fremde Länder. Kommt ein Ochs in fremdes Land, wird er doch als Rind erkannt.

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  • Schmidi am 10.10.2017 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ist es nicht umgekehrt?

    Ich dachte immer jeder Dritte stört sich nicht an den "anderen"

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  • Slobodan am 10.10.2017 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ist halt so

    Das grösste Problem stellt definitiv das Benehmen einzelner Bürgerinnen und Bürger dar und es fängt schon in der Grundschule an. Obwohl ist selbst ein Bürger mit Migrationshintergrund bin, distanzier ich mich von gewissen Leuten aufgrund ihrer nationalen Zugehörigkeit oder Religion.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Joe SH am 10.10.2017 20:26 Report Diesen Beitrag melden

    Anders Denken

    Schade das man in der Schweiz mehr verdient als anderswo, schade das es in vielen Ländern Krieg gibt, schade das es in vielen Ländern mehr Arbeitslose gibt....es würde wundervoll sein die Menschen könnten gut leben wo sie geboren sind. Man müsste sofort den Rüstungsherstellern verbieten weiter zu produzien, man sollte den Religionen keine Macht lassen, man sollte der Natur mehr lebensraum geben und mehr schätzen, und das Wichtigste, alle Kinder sollen lernen können und das Selbsvertrauen finden...vielleicht würde man besser zusammen Leben ohne GRENZEN...

  • Giussi am 10.10.2017 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fremd

    Es stört mich sehr dass ich mich im eigenen Land als Fremder fühle, dass sich viele einfach nicht anpassen wolle (KOPFTUCH) unsere Frauen jedoch in diversen Ländern ein Kopftuch tragen müssen.

  • P.Meier am 10.10.2017 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Beschützer Instinkt

    Männer haben ein Beschützer Instinkt und wollen ihre Frauen und Kinder beschützen. Fremde stellen eine Gefahr dar, insbesondere wenn man ihre Herkunft und Identität unbekannt sind.

  • Sara G. am 10.10.2017 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich nicht

    Irgendwo ist immer irgendwer der andere.

  • L. Lorenzo am 10.10.2017 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Dritte

    Sehr wahrscheinlich war nur jeder 3. der Befragten ein Schweizer..... Würde also bedeuten dass sich jeder über "die Anderen" nervt...