Kritik an Schulstoff

23. April 2017 11:40; Akt: 23.04.2017 13:14 Print

«Schüler werden zu Billag-Knechten umerzogen»

von B. Zanni - Die Billag AG schlägt Wissen über Radio- und Fernsehgebühren für Schüler als Lernziel vor. Den Befürwortern von No-Billag geht dies zu weit.

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Für einen alltagsnahen Unterricht stellen Unternehmen, Interessensverbände und Stiftungen Lehrpersonen auf der Internetplattform Kiknet.ch kostenloses Material zur Verfügung. Auch die Billag AG hat Arbeitsblätter eingebracht – und sorgt damit bei den Gegnern der Radio- und Fernsehgebühren für rote Köpfe.

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Ein Dorn im Auge sind ihnen die Lernziele der Lektionenreihe «Radio und TV». Für die Oberstufe lautet ein Ziel: «Die Schüler kennen den Begriff Service public und wissen, weshalb Radio- und TV-Gebühren bezahlt werden müssen.» Die Schüler der Sekundarstufe II sollten zudem «über die wichtigsten Punkte Bescheid wissen und betreffend Radio- und Fernsehgebühren korrekt handeln».

«Kritik ist politische Hetze»

Olivier Kessler, Initiant der No-Billag-Initiative, kritisiert: «Es kann nicht sein, dass Firmen, die Profiteure der heutigen Billag-Zwangsgebühren-Ordnung sind, Kinder an Schulen indoktrinieren mit dem Ziel, sie zu unterwürfigen Zwangsgebühren-Knechten umzuerziehen.» Den Profiteuren gehe es doch nur darum, weiterhin unanständig auf Kosten des Volkes abkassieren zu können. Im Falle einer unabhängigen Aufklärung müssten im Lernstoff Gegner und Befürworter zu Wort kommen.

Die Billag AG, Kompetenzpartnerin von Kiknet.ch, weist die Kritik zurück. Radio und TV sowie Service public seien Schweizer Alltag, sagt Mediensprecher Dominik Müller. «Wir sind vom Bundesamt für Kommunikation verpflichtet, darüber zu informieren, wozu auch Infos gehören, wie das Fernsehen heute finanziert wird.» Zu wissen, wie heute Radio und TV finanziert werden, sei nichts anderes als seit Jahren gelebte Transparenz.

«Diese Kritik ist traurig und politische Hetze», sagt Müller. Zudem macht er darauf aufmerksam, dass Kiknet, Eigentümerin der Unterrichtsmaterialien, diese bereits 2009 erstellt habe. «Wer behauptet, wir wollten damit Stimmung gegen die No-Billag-Initiative machen, liegt falsch.»

«So wissen Schüler, worum es bei Abstimmung geht»

Der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer hält den Themeninput für gerechtfertigt. «Die Billag-Gebühren gehören wie die Steuern oder die Krankenkassengebühren zu den finanziellen Pflichten im Leben, über die die Schüler Bescheid wissen sollten», sagt Jürg Brühlmann, Leiter Pädagogik. Lernten sie eine Steuererklärung auszufüllen, spreche auch niemand von einer Umerziehung zu Steuerknechten. Auch seien die Billag-Gebühren zurzeit ein besonders wichtiges Thema. «So wissen die Schüler, worum es bei der Abstimmung über die No-Billag-Gebühren geht.»

Laut Reto Braun, Leiter von Kiknet, verzeichnet die Plattform monatlich 30'000 Downloads. Den Lehrpersonen sei bewusst, dass die Unterrichtsmaterialien auf der Plattform teilweise nicht neutral gestaltet seien, sagt Brühlmann. «Es versteht sich von selbst, dass die Lehrpersonen den Stoff immer politisch neutral und mit der nötigen Kritik aufbereiten.»

Bei der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG heisst es, man habe mit dem Unterrichtsmaterial nichts zu tun. Mediensprecher Daniel Steiner stellt klar: «Die SRG hat beim erwähnten Angebot auf Kiknet nicht mitgewirkt.» Für die Informationen zur SRG seien öffentlich zugängliche Open-Content-Dokumente im Internet verwendet worden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Batigoal am 23.04.2017 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billag die Abzocker

    ich bin mir zu 100% sicher, dass die Billag bald per Volksinitiative abgeschafft wird. Tut mir natürlich für die gut bezahlten Managers von der Billag und SF sehr Leid...

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  • G. K. am 23.04.2017 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulstoff

    Es sollte besser mal das heutige Geldsystem thematisiert werden in der Schule!

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  • Roland Ruder am 23.04.2017 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht das noch?

    Also ganz ehrlich, raido und Tv? Das braucht doch keiner mehr, im auto kann man seine musik übers handy hören und alle serien die im tv laufen kann man OHNE WERBUNG im internet anschauen. Die kosten sollten nur für die sein, die das auch nutzen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Seppp am 24.04.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Billag stellt uns unter Generalverdacht

    Billag sagt, du besitzt ein Empfang fähiges Gerät, du wirst schwarz TV schauen, darum bezahle die Busse in form einer Gebühr prophylaktisch . Ich sage der Chef von Billag besitzt ein Auto, dass schneller als 120 Km/h fahren könnte, er wird zu schnell fahren, deshalb sollte er die Busse prophylaktisch bezahlen.

  • Jörg Oberli am 24.04.2017 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Zwangsabgabe

    Offensichtlich ist das ein letztes Aufbäumen der Billag-Abzocker! Es wird aber nichts nützen. Das Schweizervolk will diese Zwangsabgabe mehrheitlich definitiv nicht!

  • Berlisch am 24.04.2017 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähig

    Bevor sie andere aufklähren wollen,sollten sie selber in die Schule gehen.Von 5 Billagbriefen gabs 2 Rechnungen wovon ich nur die 1-e richtige bezahlt hab . Die setzen einfach ihre Wunschdaten ein,können nicht glauben das man nicht grad beim Einzug tv glotzt. Dann klingelt einer um Dich anzumelden und es kommt Monatelang nix dann aber 5 verschiedene Briefe. Ehrlich,was wollen die den Kids beibringen? Wie man verwirrung stiftet

    • Florian am 24.04.2017 09:41 Report Diesen Beitrag melden

      Hab da auch ein Müsterli

      Als meine Ex-Frau, von der ich bereits jahrelang getrennt lebte, zügelte, haben mich die Spezialisten der Billag kurzerhand mitgezügelt. Bekam dann auch keine RG s mehr und da kam dann auch einer vorbei und hat sich wie ein Polizist auf Mörderjagd verhalten. Hab den dann rausgeschmissen und 10 Min später hatte die Billag mein Mail mit Nr. vom Anmeldeformular und KD Nr. Da ich nichts für die tolle Arbeit der Billag dafür konnte, haben sie dann sogar noch probiert, entgangene Gebühren von mir bei meiner Ex-Frau einzufordern.... Tolle Leistung der Billag von kaufmännischen Dilletanten

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  • AntiBillag am 24.04.2017 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Als Nächstes...

    ....fährt UPC in den Schulklassen ein und erklärt die Vorzüge moderner Kommunikationsanschlüsse und informiert über das Inkasso der Gebühren... Soweit kommt s noch - macht aber doch mehr Sinn als Info über Billag!

  • Swissgirl am 24.04.2017 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Firmen gehören nicht in die Schule

    Ich finde es total schräg dass jede Firma meint, sich in den Schulstoff einmischen zu dürfen. Schulmateriel, wenn es von Firmen zur Verfügung gestellt wird, hat auf neutralem Papier daherzukommen, ohne Logo. Ebenfalls müssen Firmennamen aus Texten herausgehalten werden. Die Schule hat die Aufgabe, den Schülern die Grundzüge unseres Rechtsstaates zu vermitteln und hat nicht als Werbemedium für die Wirtschaft zu fungieren. Bei der Berufswahl ist es früh genug.

    • Nachdenker am 24.04.2017 08:57 Report Diesen Beitrag melden

      @Swissgirl

      Bitte wachen sie auf...in jedem Land hat die Wirtschaft einen sehr grossen Einfluss auf das Schulmaterial!!!! Denken sie unsere Banken, Versicherungen etc haben nicht auch ihr Lernmaterial deponiert... Und das man die Schüler über das System "service Public" informiert ist aus meiner Sicht absolut logisch!! Nicht um dafür zu werben, sondern damit die Kinder wissen was da passiert und selber entscheiden können ob sie das Sinnvoll oder Blödsinn finden...

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