Mehrere Fälle in der Schweiz

30. Dezember 2015 05:39; Akt: 30.12.2015 05:39 Print

Echter Pelz wird als Kunstpelz verkauft

von Q. Llugiqi - In der Schweiz werden echte Pelze aus chinesischen Qualzuchten als Kunstpelz verkauft. Es handle sich dabei vor allem um Marderhund- oder Fuchsfelle.

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Erdrosselt, vergast, erschlagen oder abgestochen: Millionen Tiere, allen voran Marderhunde und Füchse, sterben jährlich in China für die Pelzindustrie. Unter schlimmsten Bedingungen werden die Tiere in Gitterkäfigen gehalten. Die Folge: Stressbedingte Verhaltensstörungen und blutige Verletzungen durch gegenseitige Aggressionen oder Selbstverstümmelung. Die Tiere leiden bereits, bevor ihnen das Fell auf grausamste Weise abgezogen wird. Gemäss dem Zürcher Tierschutz werden die Tiere nicht betäubt, sondern meist niedergeknüppelt und oft noch bei Bewusstsein gehäutet.

Der Echtpelz gelangt – bewusst falsch etikettiert – nach Europa, beispielsweise auf deutsche Märkte, wie «Bild» berichtet.

Echtfell billiger als Kunstfell

So kann es passieren, dass Konsumenten als Kunstpelz getarnte Marderhund- oder Fuchsfelle von gequälten Tieren kaufen, obwohl das Produkt das Label «100 Prozent Polyester» trägt. Beispielsweise als Fellkragen, Bommel an Mützen, an Winterstiefeln oder in Dekofiguren.

Doch wie ist das möglich? «Die Problematik dahinter ist, dass selbst ein Echtfell aus China in der Produktion billiger sein kann als ein gut gemachter Kunstpelz in Europa ist», erklärt Nathalie Rochat, Sprecherin des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

Pflicht zur Deklaration

Zwar kennt die Schweiz als erstes Land in Europa seit März 2013 eine Kennzeichnungspflicht, gemäss der Echtpelzprodukte mit Tierart, Herkunft und Gewinnungsart deklariert werden müssen. Die Angaben werden durch Experten des BLV überprüft. Doch: «Auch in der Schweiz wurden Waren entdeckt, die zwar als Kunstpelz deklariert worden waren, jedoch aus Echtpelz bestanden oder an denen Echtpelz verarbeitet war», bestätigt Rochat.

Ihrer Meinung nach liegt es in der Regel am fehlenden Know-how der Händler, wenn Waren falsch deklariert sind. «Ich denke nicht, dass sie ihre Kunden vorsätzlich täuschen wollen», so Rochat. Und: «Solche Fehler kommen kaum in Luxus- oder Fachgeschäften vor.»

Stichproben gemacht

Mit ungenügend oder nicht deklarierten Pelzen kennt sich auch Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz aus. Genau wie das BLV hat auch der Zürcher Tierschutz bei Stichproben in Schweizer Läden viele Deklarationsmängel bei Echtpelz in Schweizer Läden entdeckt: «Die Pelze waren teilweise gar nicht deklariert und oft kaum als echt erkennbar», erzählt die Zoologin. «Als wir sie genauer untersucht haben, stellten sich die meisten Pelze bei Jelmoli, PKZ und Modissa als echt heraus.»

Doch was passiert bei einer Falsch-Deklaration oder fehlenden Angaben? «Der Händler hat die Möglichkeit zur Korrektur und Dokumente zu liefern», erklärt Rochat. «Falls nichts unternommen wird, wird eine Verfügung erlassen. Schliesslich folgt eine Busse.»

Hier noch ein Video von Peta zu diesem Thema:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Broniz am 30.12.2015 06:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wir kommen

    Pelz tragen nur schöne Tiere und hässliche Menschen.

  • Cody am 30.12.2015 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Pelz ist Mord

    Danke dass ihr das zeigt, es wird endgültig Zeit mit Pelz aufzuhören! Lasst es bitte lange online!

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  • Aleesias am 30.12.2015 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot von Pelzkrägen

    Was ich schon seit langer Zeit gespürt und vermutet habe, wird nun bestätigt. Alle Arten von Pelzkrägen müssen zwingend verboten werden!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sacha CH am 31.12.2015 17:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feige Händler

    Weshalb spricht niemand von den Händlern? Die sollen endlich Farbe bekennen und Pelz verbannen. Traut sich wieder keiner, denn man könnte ja Marktanteile verlieren.

  • R.A am 30.12.2015 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor allem Arme springen auf den Zug auf

    Da Pelz zum Teil so billig zu kaufen ist, kann sich jeder eine solche Jacke leisten (z.T. weniger als 100.-). Was sich einst nur wohlhabende Bürger leisten konnten und Status symbolisierte ist nun für die breiten Massen erschwinglich. Die meisten denken dann auch noch, sie sähen reich aus... Als Tipp, Reiche tragen schon lange keinen Pelz mehr, schmückt euch besser mit Dezenten Logos, die nur Kenner kennen, anstatt mit Protzpelzen und Fake Kleidern auffallen zu wollen.

  • Realist am 30.12.2015 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    True

    Ich liebe Pelz...und die toten Tiere brauchen ihn ja sowieso nicht mehr!

  • Stemin am 30.12.2015 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da gibt es nur eins!

    Ware sofort einziehen und verbrennen! Die Läden mehr zur Verantwortung nehmen.

  • Roko am 30.12.2015 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein No Go

    Eine Designer Jacke ohne echtes Fell kann und möchte ich mir nicht vorstellen.