Analog statt digital

06. Januar 2016 23:03; Akt: 06.01.2016 23:03 Print

Schach boomt bei Kindern

von R. Landolt - Schachbrett statt Tablet-Spiele: Besonders bei Kleinen kommt das Strategiespiel wieder gut an.

storybild

Zahlreiche Schachclubs berichten von steigenden Mitgliederzahlen im Juniorenbereich. (Bild: Gonzalo Garcia)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In Zeiten von Tablets und Smartphones erlebt eines der analogsten Spiele überhaupt eine Auferstehung: Schach ist wieder im Trend. Zahlreiche Anbieter berichten auf Anfrage von steigenden Mitgliederzahlen im Juniorenbereich.«Im Moment haben wir sehr starken Zulauf», sagt Niklaus Jung, Juniorenleiter des ältesten Schachclubs der Welt. Die Schachgesellschaft Zürich habe heute 139 aktive Mitglieder, vor gut zwei Jahren seien es noch 100 gewesen – wobei der Juniorenbereich «am stärksten gewachsen ist».

Auch Peter Hug, der mit seinem Verein Schulschachprofis vor einem halben Jahr in 15 Schweizer Dörfer und Städten Kinderschachclubs gegründet hat, wurde von der Nachfrage überwältigt. Er habe auf Anhieb dreihundert Neuanmeldungen verzeichnen können. «Selbst die Coolen finden Schach nicht mehr doof», ist Hug überzeugt. Es hätten sich nicht nur leistungsstarke Schüler, sondern auch Kinder aus bildungsfernen Schichten angemeldet.

«Gegenbewegung zum Konsumverhalten»

Der aktuelle Schachweltmeister, Magnus Carlsen, sei ein eigentlicher «Popstar des Schachs» und begeistere mit seinen 25 Jahren viele Junge fürs Schachspielen, ergänzt Jung. Der Schach-Boom sei eine Art «Gegenbewegung zum heutigen Konsumverhalten – den Handys, Tablets und schnellen Computerspielen». Davon ist auch der Schweizer Juniorencoach Markus Regez überzeugt, der seit drei Jahren im zürcherischen Küsnacht eine Schachschule führt und Ferienkurse anbietet. Schachspielen fördere die Konzentration auf eine ganz andere Art als es elektronische Spiele täten: «Man kann ins Brett eintauchen. Es passiert viel, ist aber ein eher ruhiges, langsames Spiel.» Runterfahren zu können, sei für Kinder wichtig.

Im Gegensatz zu früher seien es zudem nicht mehr die Eltern, die die Kinder zum Schachspielen pushen, beobachtet Hug. Die zwischen Vier- und Vierzehnjährigen kämen mehrheitlich aus freien Stücken in den Schachkurs: «Nachdem wir in Kindergärten und Schulen Flyer verteilt hatten, meldeten sich bis zu 90 Prozent der Kinder für einen Probekurs an. Hätten sie kein Interesse, hätten sie die Flyer den Eltern gar nicht gezeigt.»

Schach wird in Schule gefördert

Eine wichtige Rolle spielten die Schulen und Lehrer, auf deren Unterstützung Hug jeweils hofft. «Ich bin dankbar, wenn die Lehrer die Kinder informieren oder wir Schulräume benutzen dürfen.»

«Primarschulen, in denen Kinder Schach lernen, leisten ihren Beitrag zum Trend», ist auch Esther Schiendorfer überzeugt. Sie führt den Onlineshop chesspoint.ch, der grösste Schweizer Schachhändler gemäss eigenen Angaben. Auch Schiendorfer meint, Schach sei heute «im Privaten, in Familien wieder mehr ein Thema als noch vor fünf Jahren». Die Nachfrage sei in den letzten Jahren «laufend gestiegen». Auch das Schweizer Traditions-Spielwarengeschäft Franz Carl Weber schreibt auf Anfrage, dass Strategiespiele wie Schach und Risiko «noch immer sehr beliebt» sind.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Kroate am 06.01.2016 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut so

    Ich finde diesen Trend super. Vor 30 Jahren lernte ich von meinem Grossvater das Schachspiel und ich liebe es immer noch wie am ersten Tag :)

    einklappen einklappen
  • Denker am 06.01.2016 23:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euphorie

    Als ehemaligen Aargauermeister im Schach freut mich das sehr. Viel Spass den Strategen von morgen.

  • Kaleidoskop am 06.01.2016 23:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taktik und Strategien

    Das Spiel der Könige. Kann es kaum erwarten bis meine Kinder alt genug sind um es ihnen beizubringen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Miss Swiss am 07.01.2016 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doch

    Auch wenn es einige gemäss kommentar kaum glauben mögen: es gibt kinder, die freiwillig und von sich aus schach spielen. Und es sind keine freaks, sndern es ist einfach eines von mehreren interessen.

  • Andreas von Salis am 07.01.2016 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schach ist out!

    Schach ist das Spiel welches Erwachsene für Kinder wählen. An ETH und Uni - dort wo Jugendliche selber wählen - wird Magic (MTG) gespielt! Nicht nur weil es Spass macht, sondern weil MTG Skills erfordert, welche zunehmend im Beruf gefordert werden. Schach macht zwar auch Spass, fördert aber keine wesentlichen Berufs- oder Sozialkompetenzen.

    • Andreas von Salis am 07.01.2016 17:59 Report Diesen Beitrag melden

      Schach allein ist schwach

      Die Anzahl der nach unten zeigenden Daumen sind wohl ein Indiz für den schwächelnden Bildungsstandorts Schweiz ;-)

    • Insider am 07.01.2016 18:07 Report Diesen Beitrag melden

      Seh ich anders

      Lieber Herr von Salis Ist schon der 3. Kommentar, den ich von Ihnen über Magic lese. Magic kann man höchstens mit Poker vergleichen und auch dort zieht Magic in Sachen Komplexität den kürzeren. Magic dann aber mit Schach zu vergleichen ist nicht sonderlich klug. Ob mit schmierigen Haaren im Keller Karten zu spielen, oder das älteste und komplexeste Brettspiel zu spielen ist schon ein grosser Unterschied. Das Magic mehr Berufs- und Sozialkompetenzen ausbildet wage ich zu bezweifeln. Ich würde aufjedenfall den Schachspieler einstellen, wahrscheinlich mehr Grips und sicherlich mehr Kreativität

    • Der Albaner am 07.01.2016 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Insider

      Danke! Sehe ich genau so.

    • Peter am 07.01.2016 19:00 Report Diesen Beitrag melden

      Hin und her

      Sie haben wohl Magic-Aktien... vermute ich. Lasst doch allen Spielen Spielraum!

    einklappen einklappen
  • Andreas von Salis am 07.01.2016 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Das Spiel der Könige ist veraltet!

    Schach ist das Spiel der Könige: entsprechend veraltet und nicht mehr zeitgemäss. Spiele wie z.B. "Magic the Gathering" liegen viel näher an den Herausforderungen unserer Zeit, sind abwechslungsreicher, vielseitiger, machen mehr Spass und fördern vor allem auch die Sozialkompetenz.

    • Jakob Stanz am 07.01.2016 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Seh ich anders

      Veraltet? Schach ist nach meinter Einschätzung mit Abstand das beliebteste und meistgespielteste Spiel überhaupt. Aber jedem das seine. :-)

    • Jan Gostaffsun am 07.01.2016 16:13 Report Diesen Beitrag melden

      Schach veraltet nicht ...

      Ich spiele beides, Magic, the Gathering sowie Schach, und beides mehrere Stunden die Woche. Das kann man nicht miteinander vergleichen. Die Sozialkompetenz schult Schach stark. Denn bei einer Niederlage kann man sich nicht auf Glück berufen wie bei Magic - the Gathering (fehlendes Kartenziehglück). Beim Schach muss man akzeptieren, dass der andere besser war. Es gibt KEIN Glücksfaktor im Schach.

    • Andreas von Salis am 07.01.2016 17:14 Report Diesen Beitrag melden

      Richtigstellung: MTG ist kein Glücksspie

      @Jan Gostaffsun Ich empfehle ihnen sich einmal etwas detaillierter mit MTG zu beschäftigen: Wiederholt amtierende MTG-Weltmeister (250000$ Preisgeld) sind Beweis genug, dass MTG nicht viel mit Glück, sondern vor allem mit Intellekt zu tun hat!

    • Andreas von Salis am 07.01.2016 18:01 Report Diesen Beitrag melden

      Argumentationslogik

      @Stanz: Reis ist meiner Einschätzung nach mit Abstand das beliebteste und meistgegessene Nahrungsmittel überhaupt. Trotzdem mach Reis allein nicht intelligent ;-)

    einklappen einklappen
  • lexy am 07.01.2016 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super sache

    mein sohn liebt das spiel seit er 5 jahre alt ist. :)

  • Lust Molch am 07.01.2016 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Haters gonna hate

    als ehemaliger schweizermeister im schach freut mich das sehr. ich bin etwas besseres.