Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Amarone & Co. unerwünscht
14. September 2011 16:35; Akt: 14.09.2011 16:35 Print
Italo-Wein im Bundeshaus stösst sauer auf
von Jessica Pfister - Parlamentarier aller Lager wollen ausländische Weine von Schweizer Anlässen verbannen. Nun ist auch das Bundeshaus-Restaurant ins Visier der patriotischen Weinliebhaber geraten.

In der Galerie des Alpes im Bundeshaus fliesst nicht nur heimischer Traubensaft - es gibt auch italienischen Rotwein zu trinken. (Bild: keystone/20minutenonline)
Ein Amarone-Rotwein aus Italien, ein Vielle-Prune-Schnaps aus Frankreich und ein Jack-Daniels-Whiskey aus den USA: Diese und andere ausländischen Tropfen kredenzt nicht irgendein beliebiges Restaurant in der Schweiz, sondern die repräsentative Galerie des Alpes im Bundeshaus. Dies zeigt ein Blick auf die aktuelle Getränkekarte des vor rund drei Jahren eröffneten Restaurants. Dass ausgerechnet im kulinarischen Herzstück von Bundesbern nicht nur heimischer Traubensaft und Edelbrände aufgetischt werden, stösst den Nationalräten Christophe Darbellay (CVP/VS) und Thomas Hurter (SVP/SH) sauer auf.
Ausschnitt aus der Weinkarte im Restaurant Galerie des Alpes
Diese zwei Parlamentarier haben bereits früher als patriotische Weinliebhaber den ausländischen Tropfen den Kampf angesagt. In zwei Vorstössen, über die der Ständerat am Donnerstag entscheidet, fordern sie ein Verbot von ausländischen Weinen und Spirituosen auf Schweizer Botschaften und offiziellen Schweizer Anlässen. Auslöser war die Weltausstellung in Shanghai, als die Schweiz billigen spanischen Rioja aufgetischt hat. Für Darbellay, seinerseits Verwaltungsrat des Sittener Traditions-Weinhauses Gilliard, ein Zeichen von «Knauserigkeit und Snobismus».
«Italienische Weine im Bundeshaus - ein Witz»
Da ist es klar, dass die beiden auch bei der Weinauswahl im Bundeshaus keinen Spass verstehen: «Ich habe bereits vor Monaten interveniert und der Geschäftsleiterin ans Herz gelegt, statt ausländische Weine vermehrt regionale Anbieter ins Sortiment aufzunehmen», sagt Hurter, der auch sonst keine Gelegenheit auslässt, um den Wein aus seiner Wohnregion Schaffhausen anzupreisen. Auch sein Parteikollege Christian Miesch, selbst stolzer Besitzer eines kleinen Weinguts in Titterten (BL), kann für den Amarone – zumindest im Bundeshaus – keine Begeisterung aufbringen. «Italienische Weine im Bundeshaus – ein Witz.»
Doch nicht nur die Weinliebhaber unter den Politikern wünschen sich ausschliesslich helvetische Essensbegleitern in ihrem Restaurant, auch der Verein Schnaps Forum ist über die Spirituosen-Auswahl nicht glücklich. «Das Bundeshaus repräsentiert die Schweiz, also sollten dort auch feine einheimische Edelbrände angeboten werden», sagt Vorstandsmitglied Thomas Heiner.
Grappa kommt künftig aus dem Tessin
Christa Baumann, Geschäftsführerin des Restaurants Galerie des Alpes hat Verständnis für die Einwände und verspricht: «In Zukunft gibt es nur noch Schweizer Weine in unserem Sortiment.» Von den drei Italienern im Angebot seien nur noch wenige Flaschen übrig, eine Nachlieferung gebe es nicht. Ausserdem gebe man mit der Rubrik «die Winzer im Parlament empfehlen» bereits heute den Weinbauern und -förderern wie Darbellay, Hurter und Miesch eine Plattform, um ihre regionalen Weine anzubieten. Bei den Spirituosen wolle man die Ausländer ebenfalls so weit wie möglich ablösen – zum Beispiel mit einem Grappa aus dem Tessin.
Darbellay und Hurter können also am Donnerstag nicht nur mit gutem Gewissen sondern auch mit ihrem eigenen Wein in der Galerie des Alpes anstossen – falls der Ständerat ihre Vorstösse erwartungsgemäss durchwinkt.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
-
Alle 59 Kommentare






























& Co unerwünscht.
Plozza ist eine schweizer Kellerei, auch wenn der Wein aus dem Veltlin kommt. Nächstes mal den Titel etwas weniger reisserisch und dafür den Bildauschnitt etwas besser wählen.
Wieso Wein
Wein ? Genügt Wasser nicht ?
Das ist ein richtig schönes Beispiel
Anstatt die Probleme in unserem Land zu lösen, wird über's Saufen von Wein und Schnaps in der Regierung diskutiert. Ich finde es schon sehr bedenklich, dass man jeden Tag sehen kann, wie unsere Probleme in der Schweiz schon Geschwürartig wachsen, und wie unsere Behörden alles schönreden und sich mit Problemen befassen, wie zum Beispiel ob man jetzt Italienischen oder anderen Wein saufen will.! Für mich persönlich ist das nur noch eine abartige Entwiklung was in unserem Land / unserer Regierung abgeht.