Symposium St. Gallen

10. Mai 2017 04:08; Akt: 10.05.2017 07:08 Print

Stillende Mutter prangert HSG-Veranstaltung an

von D. Pomper - Jungunternehmerin Mareike Geiling wirft dem Symposium St. Gallen vor, wegen ihres Kindes ausgeladen worden zu sein. Die Organisatoren kontern.

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Mareike Geiling wurde als eine von 200 «Leaders of Tomorrow» ans St. Gallen Symposium eingeladen. Die Freude währte aber nicht lange: «Ich wurde wieder ausgeladen, weil ich kann und will», schreibt sie in einem offenen Brief an die Organisatoren des Events, das International Students Committee (ISC). In einem E-Mail liess sie die Organisatoren wissen, dass sie die Entscheidung finde. «Ich erlebe es zum ersten Mal, dass eine Teilnahme mit Kind an einer Konferenz nicht möglich ist.» Dominic Baumann, Geschäftsführer ad interim des Symposiums St. Gallen, bestätigt, dass Frau Geiling schriftlich mitgeteilt worden sei, dass eine Teilnahme mit einem Kind nicht möglich sei. », sagt Baumann. Dennoch habe Geiling auf einen Auftritt verzichtet: «Die jungen Teilnehmer verpflichten sich dazu, das Symposium vier Tage am Stück zu besuchen. Da die Programmteile aufeinander aufbauen, macht eine partielle Teilnahme keinen Sinn.» Dazu sei Geiling aber nicht bereit gewesen. Die öffentliche Anprangerung sei für die Organisatoren frustrierend, sagt Baumann. «.» Letzteres sei zwar schwierig, aber man arbeite daran. Schon bei der Eröffnung des Symposiums waren die Organisatoren unter Beschuss geraten. Neben Bildungsminister Johann Schneider-Ammann und dem dänischen Aussenminister Anders Samuelsen war noch der Bildungsminister von Singapur, Ong Ye Kung, auf dem Podium. In der anschliessenden Diskussionsrunde habe sich im Publikum eine junge Frau aus dem Nahen Osten zu Wort gemeldet, berichtete das Tagblatt. Sie frage sich, wie es im 21. Jahrhundert möglich sei, zur Eröffnung des Symposiums einezu organisieren.

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Mareike Geiling freute sich, als sie vor einigen Wochen als eine von 200 «Leaders of Tomorrow» ans Symposium St. Gallen eingeladen wurde. Dieses fand letzte Woche an der HSG statt. Allerdings ohne die Sozialunternehmerin und Campaignerin Geiling. «Ich wurde wieder ausgeladen, weil ich mein Kind nicht wegorganisieren kann und will», schreibt sie auf der Plattform Edition F in einem offenen Brief an die Organisatoren des Events, das International Students Committee (ISC).

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«Rückständige Entscheidung»

Auf die Einladung habe sie geantwortet, nicht die vollen drei Tage am Symposium teilnehmen zu können, «da ich derzeit mein Kind stille und das nicht drei Tage pausieren kann». Als Kompromiss schlug sie vor, nur eineinhalb Tage und dafür mit ihrem Kind zum Symposium zu kommen. Das sei aber abgelehnt worden mit der Begründung, dass «eine Teilnahme mit Kind aus Erfahrung nicht möglich» sei. Später sei dies in Teilen zurückgenommen worden. Eine verkürzte Teilnahme am Symposium sei grundsätzlich nicht möglich, habe es dann geheissen.

Geiling fühlte sich vor den Kopf gestossen. In einem E-Mail liess sie die Organisatoren wissen, dass sie die Entscheidung rückständig und irritierend finde. «Ich erlebe es zum ersten Mal, dass eine Teilnahme mit Kind an einer Konferenz nicht möglich ist.» Dieser Entscheid führe dazu, dass die ausgewählten «Leaders of Tomorrow» nicht nur jetzt, sondern vielleicht auch in Zukunft vornehmlich männlich seien, schreibt Geiling. Sie empfiehlt den Organisatoren, das nächste Symposium flexibler zu gestalten. Das könne sich auch positiv auf die Organisation auswirken. Im Team sind derzeit 8 von 35 Personen Frauen, bei den Speakern 14 von 68. Eine Quote von 20 Prozent sei ausbaufähig.

«Partielle Teilnahme macht keinen Sinn»

Dominic Baumann, Geschäftsführer ad interim des Symposiums St. Gallen, bestätigt, dass Frau Geiling schriftlich mitgeteilt worden sei, dass eine Teilnahme mit einem Kind nicht möglich sei. «Das war falsch. Wir haben uns für diesen Fehler entschuldigt», sagt Baumann. Dennoch habe Geiling auf einen Auftritt verzichtet: «Die jungen Teilnehmer verpflichten sich dazu, das Symposium vier Tage am Stück zu besuchen. Da die Programmteile aufeinander aufbauen, macht eine partielle Teilnahme keinen Sinn.» Dazu sei Geiling aber nicht bereit gewesen. «Wir haben Frau Geiling nie ausgeladen», sagt Baumann.

Die öffentliche Anprangerung sei für die Organisatoren frustrierend, sagt Baumann. «Wir legen grossen Wert auf religiöse und kulturelle Ausgewogenheit und sind auch bemüht, dass es genügend Frauen in den Panels hat.» Letzteres sei zwar schwierig, aber man arbeite daran. Immerhin seien knapp die Hälfte der 200 «Leaders of Tomorrow» Frauen gewesen. Für das nächste Symposium überlege man sich, eine Kinderbetreuung anzubieten.

Die Studenten, die während eines Jahres ehrenamtlich das Symposium St. Gallen organisieren, sollen laut Baumann auch in Zukunft nicht besser überwacht werden. «Sie sollen sich selber ausprobieren und auch mal einen Fehler machen dürfen. Die jungen Leute können sich nur entfalten, wenn sie auch Verantwortung übernehmen können.»

«Gesprächsrunde nur mit älteren Männern»

Schon bei der Eröffnung des Symposiums waren die Organisatoren unter Beschuss geraten. Neben Bildungsminister Johann Schneider-Ammann und dem dänischen Aussenminister Anders Samuelsen war noch der Bildungsminister von Singapur, Ong Ye Kung, auf dem Podium. In der anschliessenden Diskussionsrunde habe sich im Publikum eine junge Frau aus dem Nahen Osten zu Wort gemeldet, berichtete das «St Galler Tagblatt». Sie frage sich, wie es im 21. Jahrhundert möglich sei, zur Eröffnung des Symposiums eine Gesprächsrunde mit nur älteren Männern zu organisieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Mavic am 09.05.2017 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Recht auf Beschwerde

    Bei allem nötigen Respekt... ich habe selbst ein Kind und weiss auch ein wenig von was ich rede. Trotzdem könnt ihr mir hier Minusdaumen reindrücken, soviel ihr wollt: Gewisse Veranstalltungen sind für Kinder (in diesem Fall eines, dass noch gestillt werden muss) nunmal einfach nicht geeignet. Das hat weder was Diskiminierendes noch sonst was. Es ist nun einfach so! Wen man sich sowas nicht einrichten kann, dann muss man fern bleiben. Das hat sie getan. Aber ein Recht, sich deswegen zu beschweren, hat sie meiner Meinung nach nicht. Der Veranstaller hat sich entschuldigt, gab ihr eine neue Anwesenheits-Chance, welche sie ausgeschlagen hat. Der Veranstallter hat gewisse Richtlinien, die er erfüllt haben muss und gut ist. Die konnte sie aufgrund geforderter 4täger Anwesenheit nicht erfüllen. Die Veranstalltung und die Anwesenden sind deswegen nicht kinderfeindlich. Ende, nächstes Jahr wieder.

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  • Argeia am 09.05.2017 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realistisch

    Hm, ein Symposium mit schreiendem Kind stelle ich mir nicht sehr praktisch vor.

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  • Sandra am 09.05.2017 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Grundsätzlich muss ich sagen, dass Kinder die gestillt werden müssen, an solch einer Versammlung / Veranstaltung nichts zu suchen haben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sola am 10.05.2017 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!

    Gerade ein Kind, das gestillt wird, kann an einen solchen Anlass mitgenommen werden. Später ist es dann eher nicht mehr möglich. Allerdings in der Schreiphase (üblicherweise nach 17 Uhr) müsste die Mutter die Tagung schon verlassen! Nur, hier zeigt sich schon, wie schwierig Karriere und Mutterschaft ist. Natürlicherweise ist dies in der Männerwirtschaft nicht zu machen! Das wird sich auch nie ändern! Es sei denn, man gibt das Kind gleich dem Staat ab und die Brust auch gleich!

  • Petra am 10.05.2017 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übertrieben

    Unglaublich was die heutigen Mütter für Forderungen stellen. Kinder haben da nichts zu suchen. Sie kann nach der Stillzeit wieder an solchen Veranstaltungen teilnehmen.

  • AA am 10.05.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stillen ist wichtig aber auch was intimes

    Ich bin auch Mutter und ich finde, die stillende Mütter heutzutage möchten überall stillen können ohne rücksicht auf die Umgebung zu nehmen. Finde stillen etwas schönes aber auch was intimes. Man sollte diskreter stillen.

  • Glavni am 10.05.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrt

    Konnte sie jetzt das Kind nicht abgeben oder wollte sie nicht?

  • Amadies am 10.05.2017 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinder

    Auch wenn die heutige Gesellschaft nach Gleichberechtigung schreit!!!!Gebären tut immer noch die Frau.....und wenn sie nicht bereit ist für ihr Kind auf etwas zu verzichten, soll sie auch keine Kinder haben. Viele unserer Kinder haben keine Ahnung mehr, was Geborgenheit bedeutet, weil sie es nicht bekommen. In naher Zukunft haben wir eine kalte egoistische Gesellschaft die des Geldes wegen die eigenen Eltern verkauft. Wir werden es noch weit bringen.. Bravo