Kantone wehren sich

15. November 2012 14:34; Akt: 15.11.2012 14:39 Print

Niemand will den Fluglärm

Die Kantone St. Gallen und Thurgau sind gegen das «Ostkonzept», der Aargau gegen den gekröpften Nordanflug. Auch Schaffhausen und Zürich lehnen eine Mehrbelastung ab.

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Wenn es um das künftige Betriebskonzept des Flughafens Zürich geht, schaut jede Region in erster Linie für sich selbst. Am Donnerstag veröffentlichten die betroffenen Kantone, der Flughafen und interessierte Organisationen ihre Stellungnahmen zu den Betriebsvarianten.

Im Oktober hatte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) sechs Varianten vorgelegt, die skizzierten, wie der Staatsvertrag zwischen der Schweiz und Deutschland umgesetzt werden könnte. Dabei geht es um die An- und Abflüge während der deutschen Sperrzeiten. Der Bund setzt auf das «Ostkonzept» mit Landungen aus Osten und Starts nach Norden. Morgens sollte der Osten aber geschont werden.

Die Forcierung des Ostkonzepts stösst den östlich des Flughafens gelegenen Kantonen St. Gallen und Thurgau sauer auf. Sie wehren sich gegen Betriebsvarianten, welche den östlichen Regionen mehr Lärm bringen. Beide pochen auf einen «fairen Lastenausgleich».

Der nördlich des Flughafens gelegene Kanton Schaffhausen wiederum stellt eine generelle Mehrbelastung des Nordens fest, die er ablehnt. Sie widerspreche dem Grundsatz einer fairen Verteilung der Flugbewegungen.

Kantone kritisieren unvollständige Unterlagen

Der im Westen des Flughafens gelegene Kanton Aargau lehnt den gekrümmten Nordanflug ab, der früher gekröpfter Nordanflug genannt wurde. Dabei fliegen die Maschinen von Westen oder von Osten her an und biegen dann ab, um von Norden her zu landen. Weiterverfolgen will die Aargauer Regierung die Variante mit gekrümmtem Nordanflug aus Osten. Am Morgen soll von Süden her angeflogen werden.

Laut dem Regierungsrat des Kantons Zürich sehen praktisch alle Varianten eine abendliche Mehrbelastung der östlichen Regionen vor. Er fordert deshalb, dass wenigstens in den Morgenstunden nicht auch noch auf den Osten gesetzt werde. Der Kanton Zürich bevorzugt deshalb den gekrümmten Nordanflug.

Alle Kantone bemängelten in ihren Stellungnahmen, der Bund habe unvollständige Unterlagen geliefert. So sei eine abschliessende Beurteilung nicht möglich. Der Kanton Schaffhausen sah sich ausserstande, sich auf eine Variante festzulegen. Gemäss der Zürcher Regierung war zudem nicht genügend Zeit für die politische Meinungsbildung.

Organisationen für Rotation

Der Flughafen bevorzugt für das morgendliche Flugregime die Kombination von gekrümmtem Nordanflug und Südanflügen. Am Abend setzt auch er für Anflüge auf den Osten.

Die Organisationen, welche als Sprachrohre für die Bevölkerung auftreten, pochen auf eine gerechte Verteilung des Fluglärms, wie sie in Aussicht gestellt worden sei. Der Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen (sbfz) und die Allianz Ost befürworten die Variante «Rotation». Diese sieht einen zeitlich gestaffelten Wechsel zwischen den verschiedenen Anflugrichtungen vor.

«Expertenbeitrag» von Skyguide

Als «Expertenbeitrag» will Skyguide seine Stellungnahme verstanden haben, wie die Flugsicherung in einer Mitteilung schreibt. Anzustreben sei ein «robusteres» Betriebssystem für den Flughafen. Das vom Staatsvertrag eingeschränkte Nordkonzept müsse kompensiert werden von einem anderen Hauptanflugkonzept mit vergleichbarer Kapazität.

Aber nicht allein Kapazität und Lärmbelastung dürften Richtschnüre für einen künftigen Flughafenbetrieb sein. Für eine erhöhte Sicherheit sei eine geringe Komplexität nötig. Diese wiederum sei nur mit möglichst seltenen Konzeptwechseln im Tageslauf zu erreichen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rolf herzog am 15.11.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

    Fliegen: Ja gerne - Fluglärm: Nein!

    Alle wollen so schnell und auch Nonstop in die Ferien fliegen. Bei der Rückkehr ist man dann froh, wenn es bis nach Hause (z.B. im Bündnerland) nicht mehr allzulange dauert. Über den Fluglärm beklagen sich bestimmt dieselben Leute (Politiker). Wenn der Datenschutz nicht wäre, sollten die Passagierlisten der Airlines ab Zürich mit den Namen verglichen werden, die am lautesten Klagen...... Sollte der Flughafen Zürich einmal "kleiner" werden, und -damit verbunden - Arbeitsplätze abgebaut werden...wer zeigt sich wohl "bestürzt" ???

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  • Marc Bjorg am 15.11.2012 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin dafür...

    Je mehr Flieger, desto besser. Sind gute Jobs!

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  • Pater Edler am 16.11.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    meine Vorschläge Alternativer Lösungen

    Wenn niemand den Fluglärm will dann sehe ich eine Alternative: 1 Nur noch Elektroflugzeuge zulassen 2 Aufs Fliegen ganz verzichten und Zug fahren

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gody am 18.11.2012 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Fluglärm mag

    Im Kampf gegen Fluglärm steckt viel Polemik und Kalkül. In Gockhausen gibt es neue Häuser direkt in der Anflugschneise. Ich glaube kaum, dass die leer stehen werden. Leute, die der Fluglärm nicht stört, werden einziehen.

  • Fizzi am 18.11.2012 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach.

    Die Goldküste ist der einzig richtige Weg. Warum sollen andere Kantone den Fluglärm ertragen, nur damit die Reichen ihre Ruhe haben? Sollen die doch wegziehen wenn es ihnen nicht passt.

  • Pater Edler am 16.11.2012 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    meine Vorschläge Alternativer Lösungen

    Wenn niemand den Fluglärm will dann sehe ich eine Alternative: 1 Nur noch Elektroflugzeuge zulassen 2 Aufs Fliegen ganz verzichten und Zug fahren

  • E. Cartman am 16.11.2012 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flugzeuge sind unterschiedlich

    Ich wohne unter dem Anflug Ost ungefähr dort wo die Piloten in die Pistenrichtung einschwenken und die Flügel verstellen für den Endanflug. Da gibt es Riesenunterschiede im Anflug der Flugzeuge. Gewisse fliegen sehr tief, langsam und laut, andere sind noch deutlich höher, die Kurve wird zuweilen auch sehr unterschiedlich geflogen, der Lärm ist (natürlich auch typenbedingt) unterschiedlich. Da ist noch Potential drin!

  • Renato am 16.11.2012 00:48 Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptieren!

    Seid doch einfach froh!!! Immerhin wird in der Nacht nicht gefolgen!! Dank unsere Sensibelchen, die ihren Schlaf für ihren wichtigen Bürojob auch wirklich gebrauchen, müssen Flughäfen rund um den Globuns (inkl. Entwicklungsländer) alles über sich ergehen lassen! Ja, der Flugplan tangiert diese Regionen, was glaubt ihr eigentlich?

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