Schatz von Ueken AG

19. November 2015 14:57; Akt: 19.11.2015 14:57 Print

«Für mich haben die Münzen keinen Wert»

von Qendresa Llugiqi - Auf dem Land von Bauer Daniel Loosli aus Ueken AG wurde ein spektakulärer Fund gemacht: Über 4000 Münzen aus der Römerzeit. Er durfte aber keine einzige behalten.

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Per Zufall entdeckte Landwirt Daniel Loosli (49) in Ueken bei Frick AG einen der grössten Münzschätze der Schweiz: 4166 Münzen aus der Römerzeit. Wie die Aargauer Staatskanzlei am Donnerstag mitteilte, sind die Münzen aussergewöhnlich gut erhalten. Die Kantonsarchäologie vermutet, dass das Geld schon kurz nach der Prägung aus dem Verkehr gezogen und vergraben worden ist.

Die Münzen lagen danach über 1700 Jahre gut versteckt unter der Erde – bis Looslis Vater sie vor rund einem Jahr auf ihrer Kirschbaumplantage fand. «Er sah etwas im Boden grün leuchten», erzählt der Landwirt. «Aber es waren nur wenige Münzen, deshalb liessen wir das Thema wieder fallen.» Dieses Jahr – Anfang Juni – seien weitere Münzen zum Vorschein gekommen. «Mein Vater sagte, ich soll mich endlich darum kümmern.» Deshalb habe er auf Google nach Informationen zu Herkunft und Alter der Münzen gesucht.

Rund 50 Franken pro Münze

«Dabei fand ich heraus, dass die Münzen aus der Römerzeit stammen und in diesem Zustand schätzungsweise einen Wert von rund 50 Franken pro Münze haben», sagt Loosli. Als er die Münzen nur ein wenig gereinigt habe, sei alles lesbar gewesen. «Nach fast 2000 Jahren ist ein solch guter Zustand schon erstaunlich.»

Weil im nahegelegenen Frick wenige Monate zuvor Teile einer römischen Siedlung ausgegraben worden waren, vermutete seine Familie, dass es sich um römische Münzen handeln könnte. «Ich versuchte die Kantonsarchäologie zu verständigen, die hatten jedoch Ferien», sagt Loosli. Deshalb habe er es später noch einmal versucht.

Aus der Zeit um 295 nach Christus

Im September war es dann so weit: Archäologen sicherten die Fundstelle und nahmen sie genauer unter die Lupe. «Was wir dann innerhalb von drei Tagen freilegen, dokumentieren und bergen konnten, übertrifft alle Erwartungen», sagt Kantonsarchäologe Georg Matter. «So etwas erlebt man als Archäologe selten mehr als einmal im Berufsleben.»

Bis Anfang November kamen innerhalb weniger Quadratmeter 4166 römische Münzen zum Vorschein. Nach der ersten Bestimmung von gut 200 Münzen stellte Münzexperte Hugo Doppler fest, dass es sich um Antoniniane aus der Zeit nach 274 nach Christus handelt. Der Experte identifizierte unter anderem Prägungen der Kaiser Aurelianus, Tacitus, Probus, Carinus, Diocletianus und Maximianus. Die jüngsten Exemplare stammen aus dem Jahr 294 nach Christus.

Münzen gehören der Allgemeinheit

Ebenfalls fiel dem Experten auf, dass es sich um besonders hochwertige Bronzemünzen handelt, die einen ungewöhnlich hohen Silbergehalt von fünf Prozent aufweisen. «Der Besitzer muss diese Münzen gezielt ausgesucht haben, um sie zu horten, denn das in ihnen enthaltene Silber garantierte in der damals wirtschaftlich unsicheren Zeit wohl einen gewissen Werterhalt», erklärt Doppler.

Loosli durfte keine einzige Münze behalten, da gemäss den gesetzlichen Vorschriften archäologische Bodenfunde der Allgemeinheit gehören. Der Landwirt nimmt es gelassen: «Die Münzen haben sowieso keinen Wert für mich.» Aber: «Wenn es Münzen aus Gold gewesen wären, hätte ich es mir noch einmal überlegt», sagt Loosli mit einem Augenzwinkern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manfred Schweiger am 19.11.2015 14:12 Report Diesen Beitrag melden

    Entlöhnung

    Mindestens ein Finderlohn wäre angebracht. Nur schon weil der Archäologe seinen beruflichen Höhepunkt hatte dank ihm.

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  • Patrik am 19.11.2015 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Staatliche Ausbeuter

    Und wie steht es mit dem Finderlohn? Ich finde es unverschämt, dass man für einen Schatz, der auf dem eigenen Land gefunden wurde, nicht mal einen anteilmässigen Finderlohn erhält. Da muss sich der Staat dann nicht wundern, wenn einer mal auf die Idee kommt, alte Goldmünzen einzuschmelzen.

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  • Obelix am 19.11.2015 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    sogar die Römer wussten...

    Da sieht mans, sogar die Römer haben ihr Geld in die Schweiz gebracht! Man hats zwar bis jetzt nicht mehr gefunden, aber was solls! ;o)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RA am 19.11.2015 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finderlohn

    Im Art. 724 feht der Satz: 10% des Wertes erhält der Finder!

  • Berner am 19.11.2015 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Finderlohn angebracht

    Es kann eigentlich nur einen Grund geben wieso Bauer Loosli so cool bleibt: er hat den dazugehörigen Goldschatz bereits gefunden und eingeschmolzen :-) Wenn man erstmal weiss wieviel Geld einem da entgangen ist, macht man den Fehler sicher nicht zwei Mal. Das ist auch keine verwerfliche Tat, einfach nur nach gesundem Menschenverstand gedacht. Meiner Meinung nach muss der Finder eines Schatzes entlohnt werden . Die vielleicht 20000 sFr Finderlohn würden sicherlich garantieren, dass er einen weiteren Fund ebenfalls melden würde, was ich bei der jetzigen Auslegung der Gesetzeslage nicht annehme.

  • Unke Dunke am 19.11.2015 16:11 Report Diesen Beitrag melden

    Was wohl ein -ähem-

    "privater Sammler" dafür bezahlt hätte...? Der Kanton darf die Münzen ruhig für sein Museum ankaufen, zu einem anständigen Preis. Die Enteignungspraxis, wie sie früher von den hohen Herren Wissenschaftler gegenüber den einfachen Bauern praktiziert wurde mittels "Gesetzen", deren Berechtigung mehr als angezweifelt werden darf, sollte längst revidiert worden sein. Eine angemessene Entschädigungen für solche Funde versteht sich heute von selbst.

  • ggraber am 19.11.2015 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Anreiz fürs Melden

    4'000 x 50.- = 200'000.- / 10% = 20'000.- Finderlohn... auch 10'000 würden sicher schon reichen. Aber mindestens eine kleine Belohnung für den Finder und Melder sollte drinliegen... Na jedenfalls werde ich die 100 Goldmünzen die ich gestern im Garten gefunden hab, sicher nicht gratis den Behörden ausliefern :P

    • Numismatiker am 19.11.2015 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      ggraber

      Der Wert von 50 .-SFR für eine Bronzemümze aus der Zeit gilt für Erhaltung schön bis sehr schön.In dieser Erhaltung vorzüglich bis unzirkuliert kann der Wert der Münzen bis 400.- Franken gehen. Eine solche Erhaltung ist unüblich bei Münzen des täglichen Gebrauchs und daher massiv höher zu bewerten.

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  • katja f am 19.11.2015 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Jetzt werden die 10 am besten erhaltenen Münzen in ein Museum gebracht, der Rest verkauft dann der Kanton.. :)