Gefälschte Arbeiten

07. Januar 2016 08:22; Akt: 07.01.2016 11:40 Print

«Studenten zahlten bis zu 10'000 Franken»

Ghostwriter sind laut einem ehemaligen Studenten für viele Unis ein Problem. Dies, obwohl ihre Dienste sehr teuer sein können.

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Mindestens 200 Studenten sollen letztes Jahr an Schweizer Universitäten Arbeiten von Ghostwritern eingereicht haben. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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200 Studenten liessen vergangenes Jahr ihre Arbeiten von Ghostwritern schreiben. Das berichtet die SRF-Sendung «Rundschau». Die Universität St. Gallen entschloss sich, Strafanzeige einzureichen. Die Staatsanwaltschaft St. Gallen klärt nun ab, wer in welcher Form beteiligt ist.

Nicht nur in St.Gallen sind Ghostwriter aber ein Problem: Zahlreiche Leser, die mit Ghostwritern Erfahrungen gemacht haben, meldeten sich bei der Redaktion von 20 Minuten. Einer von ihnen ist Sebastian K*. Er ist 26 Jahre alt und hat sein Studium 2013 an der Universität Luzern abgeschlossen.

«Beinahe die Hälfte schummelte»

«An der Universität Luzern war das Phänomen extrem verbreitet, besonders in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät», erzählt K. Er habe zwar seine Arbeit selbst geschrieben, viele seiner Kollegen hätten für die Note aber keinen Finger gekrümmt: «Beinahe die Hälfte meiner Kommilitonen bezahlte einen Ghostwriter.» Zum Teil hätten die Studierenden bis zu 10'000 Franken für ihre Arbeiten bezahlt.

Tatsächlich gibt es professionelle Agenturen, die diese Dienstleistung anbieten. Eine davon ist die Agentur ACAD Write, die für die 200 Arbeiten in der Schweiz verantwortlich ist. Geschäftsführer Thomas Nemet sagte in einem früheren Gespräch mit 20 Minuten: «Mit Ghostwriting lässt sich gutes Geld verdienen – eine Masterarbeit kann tatsächlich rund 10'000 Franken kosten.» Moralische Bedenken habe er dabei keine: «So ist es im Kapitalismus: Wenn man Geld hat, kann man sich die Dinge vereinfachen lassen. Das zählt auch in der Bildung.»

«Einer von ihnen ist heute Anwalt»

Laut K. neigten vor allem Studenten mit durchschnittlichen Noten dazu, einen Ghostwriter zu beauftragen. «Sie hatten Angst, dass ihre Fähigkeiten nicht ausreichen würden, um eine genügende Note zu schreiben.»

Für K. seien diese Zustände frustrierend gewesen: «Eine Arbeit zu schreiben, bedeutet viel Aufwand. Wenn man dann sieht, dass andere bezahlen und so keinen Finger krümmen müssen, ist das nicht sehr fair.» Von K. darauf angesprochen, hätten aber die wenigsten seiner Freunde ein schlechtes Gewissen gehabt. «Die meisten hatten einfach nur Angst, entdeckt zu werden.»

Dies sei allerdings nicht passiert. «Die Leute, zu denen ich noch Kontakt habe und von denen ich weiss, dass sie geschummelt haben, machen heute Praktika in renommierten Anwaltskanzleien – einer ist heute sogar schon selber Anwalt.»

Schwere Sanktionen

Der Universität Luzern seien offiziell keine Fälle von Studenten bekannt, die Arbeiten von Ghostwritern abgegeben hätten, erklärt Lukas Portmann, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. «Hätten wir Indizien, die auf etwas anderes schliessen liessen, würden wir der Sache sicher nachgehen.»

Für Betrüger wären die Konsequenzen klar: «Wer die Arbeit eines Ghostwriters einreicht und auffliegt, muss mit schweren Sanktionen rechnen, diese können bis zum Ausschluss aus der Universität gehen.»

(phi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 07.01.2016 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Zum glück gibts noch firmen die anhand der praktischrn Fähigkeiten und nicht anhand irgendwelcher Zertifikate resp. Diplome einstelle.

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  • R. Feller am 07.01.2016 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elite

    Das sind dann die zukünftigen Führer in der Wirtschaft bzw Politik. Ein Schelm wer böses denkt.

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  • Rapinsel am 07.01.2016 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Studenten...

    müssen sicher viel bei MC Donalds aushelfen, um sich das finanzieren zu können... Wobei, nee wahrscheindlich sind es die, die sowiso schon genug haben. Das gute alte Portemonee von Papa hald. Aber das wussten wir schon lange, auch "Bildung" ist käuflich.. Leider...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • W M. am 08.01.2016 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bärendienst

    Diejenigen, die ihre Arbeiten gegen Bezahlung schreiben lassen und sich so zum Abschluss durchmogeln, leisten nicht nur dem Image ihrer Institution einen Bärendienst, sondern streuen sich selber Sand in die Augen und schaden letztlich der Gesellschaft.

  • Ritschi am 07.01.2016 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spielt es eine Rolle ?

    Hier wird schon bis aufs Äusserte geschummelt. Was denkt ihr welche 'Titelträger' die Schweiz stürmen ? Eine kleine Nachfrage bei der Universität und....wuff..alles verpufft. Selber schon erlebt. Man will diese Titelträger...also werden diese Titelträger gegeben. Das Ergebnis steht vor uns: die Wirtschaft im steilen Sinkflug. Die Politik am Boden und verlogen. Immerhin. Wir haben uns positioniert und ausgerichtet...mit dem was wir wollen.

  • Blueyonder am 07.01.2016 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ehrlich bleiben

    Ich denke es ist in erster Linie unrecht gegenüber den ehrlichen leuten die diese Arbeit selber konstuieren und letztere sollten dafür auch gelobt werden. Was ich auch mal gehört habe ist das man sich in gewissen kantonen ohne abschluss doktor nennen kann ohne bestraft zu werden. Ist das echt so?

  • Lernende am 07.01.2016 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äs Dösli mitleid

    Hach... und in der Berufslehre hat man 1.5 Monate Zeit eine Selbstvertiefungsarbeit zu schreiben, neben Arbeit und Berufsschule. Genau 3 Lektionen pro Woche welche dafür gerechnet sind. Um die 8000-10000 Wörter und ein möglichst neues Thema. Einigen Studenten täte so ein Zeitdruck auch gut, aber eben Ausbildung hat ja keinen Wert mehr. E gruess a aui Glehrte u Lernende ;)

    • Maxime Millendorf am 08.01.2016 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lernende

      Eine Mastersrbeit im Jus-Bereich hat zwischen 80000-120000 Wörter. Zudem müssen pro Seite cirka 7-8 Fussnoten stehen, die die Aussgagen belegen, mit 2-3 Autoren pro Fussnote. Also nicht ganz vergleichbar.

    • Studentin am 08.01.2016 23:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lernende

      Eine Selbstvertiefungsarbeit ist unabhängig von der Zeichenzahl nicht ganz vergleichbar mit einer wissenschaftlichen Arbeit an der Uni ;-) und du kannst mir glauben, dass Zeitdruck ganz bestimmt kein Fremdwort ist für Studierende.

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  • marcocherkaoui am 07.01.2016 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FAULE BONZEN

    das sind die , die zuhause nichts machen müssen weill PAPI UND MAMI geld haben -.- unglaublich ...