GaySVP

16. Dezember 2009 17:06; Akt: 16.12.2009 17:14 Print

Logo-Asyl für schwule SVPler

von Marius Egger - Das SVP-Sünneli wurde der GaySVP schnell wieder ausgeknipst. Doch jetzt hat die homosexuelle SVP-Gruppierung Logo- Asyl gefunden. Das Logo dürfte aber nicht der einzige Streitpunkt bleiben.

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Mit Dank an die Berner: SVP-Logo auf der Gay-Seite.

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Bei der SVP hat ein warmer Winter Einzug gehalten. Am Montag schaltete eine kleine Gruppe von homosexuellen SVPlern in einer Hauruck-Übung die Webseite GaySVP auf. Es vergingen keine 24 Stunden, da wurde die Gruppe von der Mutterpartei zurückgepfiffen. Das Sünneli-Logo der Volkspartei müsse umgehend von der Seite entfernt werden, hiess es.

Berner zeigen sich grosszügiger

Die schwulen Politiker aber liessen nicht locker – und haben jetzt Logo-Asyl erhalten. Die Berner Kantonalpartei hatte offenbar weniger Berührungsängste und ihr SVP-Logo der GaySVP zur Verfügung gestellt. «Wir sind eben eine grosszügige Partei», sagt Aliki Panayides, Geschäftsführerin der SVP Kanton Bern. Panayides hat den Entscheid in Eigenregie gefällt, nachdem Initiant Beat Feurer an die Kantonalpartei gelangt ist. Letzterer zeigt sich zufrieden: «Wir sind jetzt urheberrechtlich abgesichert. Das Logo bleibt bis auf Weiteres aufgeschaltet.»

Der Erfolg scheint den homosexuellen Politikern Recht zu geben. Die GaySVP sei von der Öffentlichkeit «überrannt worden». Bei SVP-Grossrat und Mitinitiant Thomas Fuchs gingen in den letzten zwei Tagen über 200 E-Mails ein, wie er sagt. Darunter sei nur eine Antwort negativ ausgefallen. «Ein Mann riet mir, ich solle die Bibel lesen», sagt Fuchs. Er habe dankend abgelehnt. Vor allem viele junge Leute hätten sich äusserst positiv über die Gruppe geäussert.

Homosexuell und SVP - «kein Problem»

Dieser Erfolg sei ein erster Schritt in Richtung Ziel, glaubt Fuchs. «Das Ziel muss heissen: Homosexuell sein und der SVP angehören ist kein Problem. In einzelnen Kantonen ist dies leider noch nicht der Fall.» Erst im Sommer hat sich der Walliser SVP-Politiker Gregory Logean mit homophoben Äusserungen Luft verschafft – und erntete dafür heftige Kritik.

Auf eine Reaktion der Mutterpartei hingegen warten die Initianten noch immer. Eine Anfrage betreffend Logo-Verwendung an Parteipräsident Toni Brunner blieb bisher unbeantwortet. Hat die Mutterpartei Angst vor den kommunizierten Positionen der schwulen Mitglieder?

Homo-Diskussion im Schulunterricht

Mit ihren Ansichten steht die GaySVP jedenfalls in Widerspruch zu einigen wertkonservativen Haltungen prominenter Parteimitglieder. So unterstützt die Gruppe die Petition für das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare ausdrücklich, will Gleichgeschlechtlichkeit zum Thema im Schulunterricht machen und im Ausland verfolgte Homosexuelle gezielt unterstützen: «Wir unterstützen Bestrebungen, diesen Menschen mit allen unseren Möglichkeiten (Aussenpolitik, Förderungsprogramme, Aufnahme in der Schweiz) gezielt zu helfen und sie zu unterstützen», heisst es auf der Homepage.

SVP-Generalsekretär Martin Baltisser sagte gegenüber 20 Minuten Online, das Logo der SVP Schweiz werde für die GaySVP nicht freigeben. Grund sei aber einzig das Urheberrecht des Parteilogos. «Das Logo darf nur von offiziellen Organen der SVP verwendet werden», begründet Baltisser. Um als offizielles Organ anerkannt zu werden, müsste die Delegiertenversammlung über eine Statutenrevision befinden. Dies auf Antrag des Zentralvorstandes.

Feurer hofft auf Überraschungen

Dass die Positionen der Gay-Politiker auf Gegenwind stossen werden, ist sich Feurer bewusst. «Die Partei übt in dieser Frage aber im Moment keinen Druck aus und wir stehen zu unseren Positionen», stellt Feurer klar. Ob diese bei den SVP-Delegierten Aussicht auf Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten. Feurer glaubt: «Überraschungen sind zumindest nicht auszuschliessen.»