Minus 40 Prozent

26. Mai 2016 07:09; Akt: 26.05.2016 13:01 Print

Jus-Professor will «Tubelis» aus Uni werfen

von J. Hoppler - Geht es nach einem Berner Jus-Professor, müssten vier von zehn Studenten von der Uni fliegen. Sie seien unmotiviert und politisch ahnungslos.

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Jus-Professor Martino Mona geht mit seinen Studenten hart ins Gericht. «Das Jus-Studium bietet sich an für Maturanden, die weder in den Sprachen noch in der Mathematik oder in den Naturwissenschaften gut sind», sagt er im Interview mit «NZZ Campus». Darum habe die Fachrichtung mit überdurchschnittlich vielen unmotivierten, unentschlossenen Studierenden zu kämpfen. «Einige denken, Jus sei ein Studium für Menschen, die sonst überall mittelmässig sind, aber dann doch genügend verdienen wollen.» Zudem zeichneten sich bei einem grossen Teil der Jura-Studenten auch hinsichtlich der relevanten sozialen und politischen Fragen eklatante Wissenslücken ab.

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Was denken Sie – trifft das Klischee des konformistischen, unkritischen Jus-Studierenden zu?
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Insgesamt 3551 Teilnehmer

Konkret fordert Mona, dass nach dem ersten Jahr bereits 40 Prozent der Studierenden ausgesiebt werden. Dann gäbe es im Hauptstudium keine Jus-«Tubelis» mehr – Studenten, «die besser eine Bar aufmachen würden». Momentan fielen nur um die zehn Prozent durch: «Wir müssen viel härter werden.»

«Wer nicht motiviert ist, zieht das Studium nicht durch»

Nicht einverstanden mit Monas Forderungen ist die Co-Präsidentin der Berner Fachschaft der Jus-Studierenden, Livia Vogt. Sie sagt klar: «Wer nicht wirklich motiviert ist, der zieht die sechs Semester des Bachelors sicher nicht durch.» Sehr vieles müssten die Studenten im Selbststudium erlernen – und das sei sehr zeitintensiv. Auch was den Vorwurf angeht, zu viele Jura-Studierende hätten kein politisches oder soziales Interesse, wehrt die Studierendenvertreterin Vogt ab. Rechtswissenschaften könnten ohne ein grundsätzliches gesellschaftliches Interesse gar nicht studiert werden. «Schliesslich ist beispielsweise auch die Rechtsetzung ein politischer Prozess.»

Ähnlich sieht das Christian Schwarzenegger, Professor für Strafrecht an der Universität Zürich. Er wisse, dass mindestens diejenigen, die nach dem ersten Jahr noch übrig blieben, überaus motiviert seien – wenn auch aus unterschiedlichsten Gründen. Ob nun jemand mit finanziellen Absichten oder aus reinem Wissensdurst Jus studiere, «legitim ist beides». Falls die Durchfallquote in Bern jedoch wirklich nur bei 10 Prozent liege, sei die Quote im Vergleich zu den 30 Prozent in Zürich tatsächlich etwas tief – «aber das liegt im Ermessen der jeweiligen Uni».

Einblick in die Sozial- und Geisteswissenschaften wäre sinnvoll

Die Geschäftsleiterin der Demokratischen Juristinnen und Juristen Schweiz, Melanie Aebli, hingegen stimmt dem Strafrechtler Mona teilweise zu. Vielen Jus-Studierenden fehle es an Bewusstsein für die grundsätzlichen gesellschaftlichen Fragen – und so auch an Mut, das Recht nicht nur als gegeben zu betrachten: «Gesellschaftliche und politische Fragen etwa zum Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit müssen im Studium so von Anfang ein Thema sein. Ein Punkt, bei dem auch Livia Vogt Professor Mona zustimmen muss: «Jus kann in Bern nur als Monofach studiert werden. Hier wäre es sinnvoll, den Studenten mehr Möglichkeiten zum Einblick in die Sozial- und Geisteswissenschaft zu ermöglichen.»

Bis es so weit ist, werden sich die Berner Jus-Studierenden aber tatsächlich der Eröffnung einer Bar widmen, wie die Fachschaft in einem auf Facebook veröffentlichten Brief an Professor Mona humorvoll schreibt. Allerdings nur im Rahmen des jeweils im Herbst stattfindenden Unifestes – und als Beweis, dass man sich neben dem «anspruchsvollen Studium» durchaus auch «ehrenamtlich oder in der Politik» engagiere.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt Kalwas am 26.05.2016 07:21 Report Diesen Beitrag melden

    Zukünftige Nationalräte

    Kenne einige solcher Beispiele aus meinem Umfeld. Die halbe Zeit nicht in den Vorlesungen, mit möglichst wenig Aufwand durch die Prüfungen (nachholprüfungen sind eingeplant) aber haupsache viel im ausgang. Das aus denen die so durchs studium kommen keine staranwälte, als wohl warscheinlicher, zukünftige politiker werden, gibt mir zu denken. Da auch bei vielen eine völlig utopische weltanschauung auszumachen ist. (Siehe Bedingungsloses Grundeinkommen)

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  • Netik am 26.05.2016 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Alles klar

    Tja jetzt weiss ich auch, woher unsere Nationalräte kommen. Das Frühjahressemester im Marzili, das Herbstsemester auf der Skipiste.

  • Thomas Schmied am 26.05.2016 07:43 Report Diesen Beitrag melden

    Zu spät

    Sorry, hätte man bereits vor 20 Jahren machen sollen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Joshzi am 27.05.2016 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bildungssystem

    Die Universität Bern scheint ein grösseres Problem bezüglich Strukturen und Ausbildungsqualität zu haben? Jedenfalls scheint es mir so zu sein, wenn ich diesen Beitrag lese. Vielleicht hat aber die Universität Bern einfach nur ein Problem mit ihren Professoren? Das entnehme ich jedenfalls aus ihren Aussagen Herr Mona.

  • Student am 26.05.2016 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Beschimpfung

    He, das ist imfall eine Beschimpfung gem. StGB 177! Hab ich in meinem Studium gelernt.

    • Joshzi am 27.05.2016 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      StGB

      Wäre das nicht eher bei StGB 174 anzusiedeln? Gehören sie jetzt zur Kontrollgruppe, bezüglich der von diesem "Prof" getätigten Unterstellungen?

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  • Gisela Schlämmer am 26.05.2016 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Sucht euch was Spass macht ,dann klappts

    Jetzt will man eigene Fachkräfte züchten, und dann ist es auch wieder nicht recht. In welchem Beruf können Unqualifizierte bleiben ? Nirgends. Manchmal muss man eben einsehen, das man für den ausgesuchten Beruf eben doch nicht der/die Richtige ist. Was ist da so schlimm ? Man muss sich halt Ziele setzen ,die man erreichen kann. Ich geh schliesslich auch nicht mit nur einer Lunge auf den Mount Everest.

    • Ex-Kantönler am 26.05.2016 16:10 Report Diesen Beitrag melden

      @gisela

      Kantons- und Staatsangestellte sind sehr sehr schwer kündbar, auch wenn sie unqualifiziert sind. Und glaub mir, dort hat es sehr viele Juristen! Jetzt weiss ich auch warum..

    • Privater am 26.05.2016 16:40 Report Diesen Beitrag melden

      Staatsangestellte

      Ich hoffe mal, Sie schreiben Ex weil sie pensioniert sind oder eine bessere Stelle gefunden haben. Ansonsten sollten Sie vor der eigenen Tür kehren.

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  • Frifroh am 26.05.2016 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke

    Mich würde es gurken etwas zu lernen, das keinen Spass macht, aber dafür einen feinen Zahltag gibt. Da verdiene ich lieber die Hälfte und kann mich jeden Tag auf meine Arbeit freuen. Was ich noch gerne wüsste, ist, wieviele von den " Tubbelis " aus freien Stücken studieren, oder es doch die Eltern sind, die ihren Sprössling zu einem Staranwalt machen wollen. Zu viel TV würde ich dann sagen. Da würde sich die Schauspielerei dann mehr lohnen. Bringen es doch auch " Tubbelis " ziemlich weit. Und wenn es für den Bacelor ist.

    • Ch.U.R. am 26.05.2016 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      Auch als Schauspieler braucht es Talent

      In der Politik kann man es als Tubbeli sogar zum Bundesrat schaffen. Einfach immer schön Ja sagen und der Mehrheit anschliessen. Ich nenne es: Das Samuel Schmid Prinzip. Leider tauchen in der Wirtschaft auch immer mehr solche auf.

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  • Frosties am 26.05.2016 14:35 Report Diesen Beitrag melden

    Politik?

    Ich dachte immer, das Gesetz gilt für alle, egal welcher Partei sie angehören? Das erstaunt mich irgendwie, dass Jus-Studenten "politische Ahnung" haben müssen.

    • duck&weg am 26.05.2016 15:32 Report Diesen Beitrag melden

      Heurecka

      Irgendwie habe ich das Gefühl ,das die jungen Spler da mit mischen.

    • wasp am 26.05.2016 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      Was wie?

      Verstehe nur Bahnhof. Die SP ist demnach die Partei der Juristen? Jetzt fehlt nur noch, dass behauptet wird, die SP sei die Wirtschaftspartei der Schweiz und überhaupt, die Spitze der Armee alles SP Mitglieder. Tztztz.

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