«Ein Schluck für den Staat»

29. Juli 2015 07:49; Akt: 29.07.2015 09:12 Print

Kostet die Dose Bier bald nur noch 32 Rappen?

von D. Pomper - Die Unabhängigkeitspartei UP will die Biersteuer abschaffen. So könnte es die billigste Dose Bier für 32 Rappen geben. Blaues Kreuz und Sucht Schweiz warnen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

45 Rappen kostet ein Dosenbier bei Denner. 17 Rappen davon gehen in Form der Bier- und Mehrwertsteuer an den Staat. Zu viel findet die Unabhängigkeitspartei Up!Schweiz. Sie startet eine Kampagne und sammelt Unterschriften, um die eidgenössische Abgabe der Biersteuer zu streichen. Heute werden 100 Liter Normalbier mit 25 Franken besteuert (siehe Box).

Umfrage
Würden Sie die Abschaffung der Biersteuer befürworten?
42 %
52 %
6 %
Insgesamt 7522 Teilnehmer

«Diese Steuer ist ein Paradebeispiel von Bürokratie», sagt Kampagnenleiter und Nationalratskandidat Andy Jenk. Über 100 Millionen Franken würden so jährlich in die Bundeskasse gespült (2014: 113 Mio). «Doch viele Bürger wissen gar nicht, dass es diese Steuer überhaupt gibt, und nehmen sie deshalb einfach so hin», sagt Jenk. Die Biersteuer bevormunde die Konsumenten und verursache bei den Brauereien unnötig Bürokratie und Aufwand. «Ein Schluck Bier für den Staat – damit muss endlich Schluss sein.»

«Bierbrauer werden politisch drangsaliert»

Die Alkoholsteuer sei «ein Relikt aus alten Zeiten». 1935 wurde im Zuge der Finanzkrise eine allgemeine Getränkesteuer erhoben. Der Steuer waren neben dem Bier und Wein auch sämtliche nichtalkoholischen Getränke unterworfen. 1937 wurde die allgemeine Getränkesteuer aufgehoben und nur die Steuer auf dem Bier beibehalten, da diese etwa drei Viertel der Steuereinnahmen ausmachte.

Unterstützung erhalten die Jungpolitiker vom Schweizer Brauerei-Verband: «Tatsache ist, dass die Schweizer Bierbrauer wiederholt politisch drangsaliert werden», sagt Direktor Marcel Kreber. So schränkten geplante Werbeverbote wie im Kanton Obwalden, zeitliche Verkaufsverbote wie im Kanton Waadt beschlossen oder auf Stufe Bund noch zur Diskussion stehend, die unternehmerische Freiheit ein. «Deshalb ist dieses Ansinnen sicherlich unterstützenswert und ein Schritt in die richtige Richtung der Deregulierung», sagt Kreber.

Skeptischer ist da Ralf Schröder von der Interessengemeinschaft unabhängiger Schweizer Brauereien: «Eine Abschaffung der Biersteuer könnte dazu führen, dass Schweizer Bier neu mit einer höheren Alkoholsteuer belastet würde, so, wie das bei Spirituosen bereits der Fall ist. Dann hätten wir gegenüber europäischem Importbier noch schlechtere Karten.» Den kleinen, unabhängigen Bierbrauern gehe es darum, «möglichst gleich lange Spiesse wie die deutschen, österreichischen und italienischen Bierbrauer» zu haben. Das sei im Moment der Fall, da die Bierbesteuerung in Europa gesetzlich geregelt ist.

«Je günstiger das Bier, desto mehr trinken Jugendliche»

Der Präsident des Blauen Kreuzes und SP-Nationalrat Philipp Hadorn warnt vor einer Abschaffung der Biersteuer: «Gerade Jugendliche sind extrem preissensibel. Bereits jetzt können sie sich für 4.50 Franken ins Spital trinken. Wird das Bier noch billiger, wird das Konsequenzen haben.» 2010 betrugen die alkoholbedingten Gesundheits- und Sozialkosten 4,2 Milliarden Franken. «Diese Kosten würden weiter massiv ansteigen», glaubt Hadorn. Auch weil das Schutzalter 16 noch schwieriger einzuhalten wäre. Die Alkoholsteuer sollte eigentlich erhöht werden: «Das würde einem Erwachsenen kaum wehtun, würde sich aber extrem positiv auf den Jugendschutz auswirken und der Gesellschaft in Form von Dienstleistungen zurückfliessen.»

Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz pflichtet bei: «Die Steuerbelastung von Bier ist im internationalen Vergleich tief. Bier ist hierzulande viel zu günstig. Je billiger das Bier, desto mehr trinken Jugendliche.»

«Dringend benötigte Steuereinnahmen»

Auch die Eidgenössische Zollverwaltung stellt sich gegen eine Abschaffung der Biersteuer: «Die Steuerbelastung auf dem Bier ist mit 5 bis 8 Rappen je Stange für den einzelnen Verbraucher als gering anzusehen. Sie generiert der Bundeskasse als Ganzes gesehen jedoch dringend benötigte Steuereinnahmen», schreibt sie.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike R am 29.07.2015 08:03 Report Diesen Beitrag melden

    Nur eines stört

    Mich stört nur eines: Bier billiger als Wasser. Das geht gar nicht.

    einklappen einklappen
  • Werner K am 29.07.2015 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    13 Rappen günstiger

    Wegen nicht mal -.20 Preisdifferenz kaufe ich nicht mehr oder weniger Bier.

  • Derek am 29.07.2015 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht so schlimm

    Dann fragt mal die Raucher, die 800% Steuern für ihr Produkt berappen müssen. DAS ist Bevormundung...!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Snake Dundee$ am 30.07.2015 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nachfolge der Aufforderung von tamalito

    Nachtrag zu SD$ Kommentar vom 29.07 09:30 "Abschaffen!" Aussage 1: Alkoholabgaben werden NICHT für die Aufklärung gegen Alkoholmissbrauch oder für Frauenhäuser eingesetzt! Quellen: HP der Eid. Alk. Verwaltung unter "Prävention und Jugendschutz"; HPs der Frauenhäuser Zürich und Biel. Die Aufklärung wird durch die Kantone durchgeführt (Schulwesen). Hiermit Bestätigt! AS 2: Asylanten wird die Ferien bezahlt. Ist nicht mehr aktuell, fand zwischen 2010 u. 11 statt, werde jetzt aber bekämpft. Quellen: HPs Vimentis Artikel "Flüchtlinge machen vermehrt Urlaub in ihrem Heimatland" u. HP des TA.

    • Snake Dundee$ am 30.07.2015 20:14 Report Diesen Beitrag melden

      Nachfolge der Aufforderung von tamalito

      "Asylbewerber machten Ferien in ihren Heimatländern". Beide Beiträge beziehen sich auf Michael Glauser des Bfm. Asylbewerber erhalten ihr Geld von den Kantonen (Sozialhilfe). Hiermit Widerlegt, da nicht mehr aktuell. AS 3: Die Tabaksteuer fliesst in die AHV bis auf 0.6%. Quelle: HP von Sucht Schweiz unter "Infos und Fakten", HP des BAG unter Themen-Regulierung-Tabaksteuer. Hiermit Bestätigt! AS 4: Ärzte attestieren Rauchern ein kürzeres Leben. Studie von Onkologe T. Cerny, Uni St. Gallen, HP von Schweiz am Sonntag unter "Die Sterbekarte der Schweizer Raucher" Hiermit Bestätigt! AS 5:

    einklappen einklappen
  • Snake Dundee$ am 30.07.2015 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Nachfolge der Aufforderung von tamalito

    Die Mineralölsteuer subventioniert die SBB quer. Quelle: HP der SBB unter Downloads dann "Finanzierung der SBB Bahninfrastruktur 2013." Hiermit auch Bestätigt! Mein Fazit: Alkoholsteuer abschaffen, Tabaksteuer und Mineralölsteuer abschaffen! Werft den Exekutivpolitikern die saurauslassend Knüppel zwischen die Beine, auf dass sie umfallen! Nach Jahren des Trötzelns wird eine Phase kommen, in der sie die Fundamente effizient umstruckturieren. Nach dem sie das erreicht haben, kann man ihnen wieder gebührend Geld einblasen! Auf einen teuren aber effizienten, hochqualitativen Service Public!

  • Walter am 30.07.2015 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das nicht schon so?

    Bei Lidl kostet eine Bierdose doch jetzt schon nur 30 oder 40 Rappen?

  • RuM am 30.07.2015 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sicher nicht

    Wer da nur an den Bürokratismus und die Bundeseinnahmen denkt, hat einen Knall. Alkohol sollte ein Luxusgut sein und nicht billiger als Hahnenwasser. Als Freund eines Alkoholabhängigen verstehe ich nicht, wie man so eine Initiative gutheissen kann.

  • roy am 29.07.2015 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    steuern

    hoch lebe die biersteuer.... wie auch metwertsteuer gäbe es solch nicht würden wir zuletzt noch mehr struern zahlen aber so zahlen such die die sonst kein gelt hätten für steuern