Aussergerichtliche Einigung

25. August 2017 15:13; Akt: 25.08.2017 19:45 Print

Aargau entschädigt Eltern von Mordopfer Lucie

Die Familie der vor acht Jahren getöteten Lucie und der Kanton einigen sich aussergerichtlich. Der Aargau räumt ausserdem Mängel im Straf- und Massnahmenvollzug ein.

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Acht Jahre nach der Ermordung des 16-jährigen Au-pair-Mädchens Lucie bei Baden AG haben sich die Angehörigen des Opfers und der Kanton Aargau aussergerichtlich auf eine Entschädigung geeinigt. Der Kanton anerkennt, dass es zu Fehlern gekommen war.

Die Anerkennung der Fehler erlaube den Verwandten, im Trauerprozess voranzukommen, schreiben die Eltern von Lucie in einer Medienmitteilung vom Freitag. Im Kanton Aargau hätten beim Umgang mit gefährlichen Tätern organisatorische Mängel im Straf- und Massnahmenvollzug bestanden.

Entschädigung deckt Kosten nicht

Es handle sich um eine finanzielle Teilentschädigung, sagte der Vater des Opfers auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Die Entschädigung sei mehr als symbolisch, decke aber die Kosten der Familie nicht.

Man habe sich mit der Familie aussergerichtlich geeinigt, bestätigte Samuel Helbling, Mediensprecher des kantonalen Departements Volkswirtschaft und Inneres (DVI), auf Anfrage. Zum Inhalt machte Helbling keine Angaben. Der von der Familie gegengezeichnete Vertrag liege dem Kanton noch nicht vor.

Frau fast zu Tode gewürgt

Der Mörder des Mädchens war 2004 zu einer vierjährigen Arbeitserziehungsmassnahme verurteilt worden. Der Schweizer hatte im Mai 2003 eine Frau fast zu Tode gewürgt. Sein Gefährdungspotential wurde von den Behörden jedoch nicht richtig erkannt.

Aus diesen Fehlern zog der Kanton die Konsequenzen. Er organisierte den Straf- und Massnahmenvollzug neu. Die Bewährungshilfe wurde in die Kantonsverwaltung eingegliedert.

Vorwand Fotoshooting

Die 16-jährige Lucie war am Abend des 4. März 2009 in Rieden bei Baden AG getötet worden. Der damals 25-jährige, arbeitslose und drogenabhängie Koch hatte die Freiburgerin unter dem Vorwand, Fotos zu machen, in seine Wohnung gelockt und getötet.

Das Bezirksgericht Baden verurteilte den Schweizer im Februar 2012 wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und ordnete seine ordentliche Verwahrung an. Auf Berufung der Staatsanwaltschaft und der Angehörigen sprach das Obergericht im Oktober 2012 eine lebenslange Verwahrung aus.

Ende 2013 hob das Bundesgericht die lebenslange Verwahrung des Mörders auf. Laut den Richtern in Lausanne darf die Massnahme nur angeordnet werden, wenn der Täter auch tatsächlich auf Lebzeiten als unbehandelbar erachtet wird. Das sei hier nicht der Fall.

Im zweiten Urteil entschied das Aargauer Obergericht den Mörder von Lucie definitiv ordentlich zu verwahren. Eine ordentliche Verwahrung, die grundsätzlich ebenfalls unbefristet ist, kann regelmässig überprüft werden. Wenn zu erwarten ist, dass sich die verwahrte Person in Freiheit bewährt, kann sie bedingt entlassen werden.

Langer Kampf der Eltern

Das Bundesgericht hatte 2014 eine Beschwerde von Lucies Eltern abgewiesen. Damit wurde das Strafverfahren im Mordfall gegen drei Mitarbeiter des Kantons Aargau eingestellt. Der Vater von Lucie hatte das Verfahren Ende 2009 angestossen und eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Tötung eingereicht.

Es bestünden erhebliche Verdachtsmomente, dass Personen des Straf- und Massnahmenvollzugs Dinge getan oder unterlassen hätten, die für den Tod seiner Tochter mitverantwortlich gewesen seien, machte der Vater geltend.

Daraufhin leitete die Aargauer Staatsanwaltschaft gegen drei Personen ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein. Untersucht wurde, ob diese den Mörder von Lucie falsch eingeschätzt hatten.

Der ausserordentliche Staatsanwalt stellte die Verfahren im Januar 2013 ein. Die drei Beschuldigten hätten sich nicht pflichtwidrig verhalten. Die Tötung von Lucie sei für diese drei Personen weder vermeidbar noch voraussehbar gewesen.

Beschwerde der Eltern

Die Beschwerdekammer des Aargauer Obergerichtes bestätigte diese Einstellung der Strafverfahren. Für die beschuldigten Mitarbeiter des Kantons sei eine strafrechtliche Verantwortung am Mord auszuschliessen, befand das Obergericht.

Gegen diesen Entscheid reichten die Eltern eine Beschwerde beim Bundesgericht ein. Sie forderten, der ausserordentliche Staatsanwalt müsse das Strafverfahren gegen die Beschuldigten weiterführen, beziehungsweise an die Hand nehmen. Das Bundesgericht wies dies 2014 ab und machte vor allem formale Gründe geltend.

(kf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman M. am 25.08.2017 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erkenntnisse

    Also wenn ich das richtig verstehe, wird in unserem Land den Hasspredigern die Kohle in den Rachen geschoben. Eltern deren Tochter ermordet wird weil unsere Behörden ihre Arbeit nicht richtig machen, verlieren schon mal grundsätzlich wenn es gegen den Staat geht und schauen finanziell obendrein noch in die Röhre. Und Staatsangestellte kommen immer davon, da wird schon für die eigenen Indianer geschaut. Kein Wunder misstrauen immer mehr Bürger dem Staat.

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  • Lilli am 25.08.2017 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverstand

    In Amerika bekommt man wegen einem blöden puder hunderte Millionen.und in der Schweiz ist durch difuse Unverantwortungen ein Menschenleben nichts wert.Traurig.

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  • giorgio m am 25.08.2017 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Kein Geld bringt ihnen ihre Tochter zurück. Hoffe, die Familie kann irgendwann die Trauer abschliessen und weiterleben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dark Archon am 26.08.2017 16:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche Sprache

    Alleine das Wort "entschädigt" ist ein Hohn. Gar nichts wird "entschädigt", denn wie das Wort vermittelt, wird der Schaden nicht weggenommen oder annulliert! Wenn, dann spricht man von einer Genugtuung oder ähnlichem. Aber sicher nicht von einer "Ent-Schädigung"!

  • Snooker am 26.08.2017 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe ich nicht

    Schlimm finde ich das immer alles so lange dauern muss.

    • kurt am 26.08.2017 16:19 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist Taktik

      Gerade Versicherungen hoffen immer darauf das der Antragsteller vorher verstirbt. Daher wird verzögert bis zum geht nicht mehr. Und anscheinend machen es die Behörden genau gleich.

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  • Erna Mayer am 26.08.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Frieden..

    Ich wünsche der Familie endlich Frieden und das Sie nun auch Zeit haben zu trauern. Was der Staat dieser Familie angetan hat ist eine Zumutung! Eigentlich hätte er für die gesamten Kosten aufkommen müssen. Wir haben ein miserable Opferhilfe und dafür schäme ich mich...

  • Spectre121 am 26.08.2017 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besser als nichts?

    Sieht ganz so aus als ob man keine Kraft mehr hat weiter zu kämpfen und man nimmt was man bekommt. Ist ja irgendwie auch verständlich. Die Behörden sollten sich was schämen....

  • Der SeheR am 26.08.2017 09:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korruption

    Korruption soweit das Auge Reicht. Zeigt mir doch einmal auf wo klare Fehler bei Behörden zu Verurteilung und Strafe der Verursacher führte. Da sind die Fälle Zollikerberg, Flach (KESB) der Mord in Genf oder eben auch der von Luci. Überall das Gleiche. Kuschel-Beamte treffen tödliche Entscheidungungen und werden so zum Mittätter . Im Strassenverkehr gilt immer nicht beherrschen des Fahrzeugs. Aber da wird alles unter den Tisch gekehrt. Eben, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Korruption bis zum Exszess.