Winterspiele 2022

08. November 2012 17:42; Akt: 09.11.2012 11:19 Print

Bündner geben Olympia grünes Licht

von J. Pfister - Politisch umstritten, bei den Lesern erwünscht: Die Kandidatur für Olympia in Graubünden polarisiert. Gross ist der Zuspruch bei den Jungen - und noch wichtiger: bei den Bündnern selbst.

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Die Politik tut sich schwer mit der Olympia-Kandidatur der Schweiz. Den Bürgerlichen sind die hohen Kosten ein Dorn im Auge, die Linke sieht die Umwelt in Gefahr. Doch sie werden nicht entscheiden, ob Feuz, Vonn & Co. im Winter 2022 die Skipisten von St. Moritz oder Davos runterflitzen, sondern das Bündner Stimmvolk. Sagt dieses am 3. März 2013 Nein zum Sport-Event, ist der Anlass Schnee von gestern.

Doch dazu wird es gemäss einer nicht repräsentativen Umfrage von 20 Minuten Online nicht kommen. Demnach wollen 55 Prozent der Bündner die Kandidatur ihres Kantons unterstützen. 10 Prozent sind noch unentschlossen und 35 Prozent lehnen sie ab. Damit sind die Bündner den Olympischen Winterspielen gegenüber sogar noch positiver eingestellt als die Umfrageteilnehmer in der restlichen Schweiz. Auch dort spricht sich mit 53 Prozent die Mehrheit für den Sportevent aus - 39 Prozent sagen Nein.

Je älter, desto skeptischer

Mit 81 Prozent Ja-Stimmen sind vor allem die unter 18-Jährigen Feuer und Flamme für Olympia in der Schweiz, aber auch bei den Jungen unter 30 ist die Zustimmung mit 72 Prozent gross. Mit steigendem Alter nimmt die Begeisterung hingegen ab - bei den über 45-Jährigen sind dann die Gegner des Events in der Überzahl.

Neben dem Alter scheint auch die Affinität zum Wintersport die Sympathien für Olympia zu verstärken. So unterstützen jene, die selbst einen Wintersport ausüben, die Kandidatur von Davos und St. Moritz zu 58 Prozent, während sich bei jenen, die Sport nur abseits von Schnee oder Eis ausführen, nur 36 Prozent für Winterspiele in der Schweiz aussprechen. Bei den Sport-Abstinenzlern sind es mit 33 Prozent noch weniger.


Umweltbelastung kaum ein Thema

Genauso wie den nationalen Parteien ist auch den Gegnern unter den Umfrageteilnehmern der Anlass schlicht zu teuer. Allerdings ist das Kosten-Argument bei den Nicht-Bündnern ausgeprägter. Für sie kommt auch nicht infrage, dass das Schweizer Volk für die Olympischen Spiele eine Milliarde beisteuern soll - wie es der Bundesrat vorsieht. Die Mehrheit findet, dass ausschliesslich private Investoren den Anlass finanzieren sollen. Die Bündner können sich schon eher mit einer öffentlichen Beteiligung abfinden.

Der zweithäufigste Einwand gegen Olympia sind die Sportanlagen, die aus Sicht der Gegner kaum nachhaltig bestehen werden. Damit gehen sie mit den Befürchtungen einiger Olympia-Skeptiker einig, dass zwar neue Stadien und Anlagen entstehen werden, diese aber nach den Spielen nicht mehr benutzt und teilweise wieder zurückgebaut werden. 93 Prozent der Gegner sind denn auch der Meinung, dass Olympia auch in der Schweiz ein Riesenevent werden wird - und eine Abkehr vom Gigantismus, wie es die Initianten versprechen, nicht möglich ist. Die von Skeptikern geäusserte Kritik der Umweltbelastung teilen die Umfrageteilnehmer allerdings nicht. So führen nur wenige Gegner dieses Argument ins Feld.


Bessere Sportförderung

Positive Aspekte sehen die Olympia-Muffel kaum. So antworten 69 Prozent auf die Frage, was die Spiele der Schweiz bringen könnten, mit «nichts». Ganz anderer Meinung sind die Befürworter. 82 Prozent versprechen sich von den Winterspielen 2022 vor allem einen Imagegewinn für die Schweiz. Fast ebenso häufig wird die Ankurbelung des Tourismus genannt. Die Bündner Umfrageteilnehmer nennen zudem besonders häufig bessere Infrastrukturen und neue Anlagen als positive Auswirkung, gefolgt von einer besseren Sportförderung für den Nachwuchs.

Mit 70 Prozent würde eine klare Mehrheit der Bündner die Spiele im eigenen Kanton auch gerne besuchen. Bei den anderen Umfragteilnehmern steht ein Besuch des Anlasses vor Ort mit 45 Prozent weniger im Vordergrund. Bei den Sportarten, die man sich - ob vor Ort oder im TV - ansehen möchte, sind sich die Schweizer einig: An oberster Stelle steht Ski, gefolgt von Eishockey und Bob.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Finde es schlecht, dass nur das Bündnerland die Spiele ausführen soll. Eine Gemeinschaftskandidatur mit Bern und dem Wallis wären wünschenswert. Eishockey sollte in der Postfinance Arena gespielt werden ( Zuschauerkapazität ) die Herren Abfahrt müsste am Lauberhorn stattfinden. Die Damen Abfahrt sowie alle Bobb, Rodel und Skeletonevents in St. Moritz. Snowboard und Skicross in Saas-Fee Eiskunstlauf Eisschnelllauf und Langlauf in Davos. Warum soll nur eine Region von Olympia profitieren! – Sid Crosby

In meinem Umfeld sind alle dagegen und ich komme aus einer betroffenen Region. Umweltsünden, Nachhaltigkeit und Zerstörung der Landschaft sind mögliche Probleme. Für die Anliegen der Randregionen bleibt aus Bern meist der Geldhahn zu, für Olympia sollen nun Millionen gesprochen werden. Olympia kann man nicht klein und fein machen, es ist Gigantismus gefragt. Ich gehe fest davon aus, dass wir Bündner im Frühling die Olympiakandidatur bodigen werden. – Hugo Longchamp

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schweizer am 08.11.2012 20:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GR, so nicht!

    Ich finde es absolut bedenklich, wenn ein Kanton, der im Finanzausgleich zu den Nehmerkantonen gehört, solche Ausgaben tätigen darf. GR hatnoch nicht verstanden, dass es noch mehr Industriezweige gibt als den Luxustourismus. Hier müsste GR investieren, lernen und Weltoffener werden. Das wird mit Olympia nicht gelingen, im Gegenteil.

  • Gianni Bernardini am 08.11.2012 21:00 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaubwürdige Olympia-Gegner

    Pro Olympia! Endlich mal wieder eine Vision in unserem Land, endlich Investitionen in den Tourismus. Aber nur so, wie sie propagiert werden: Kleine, feine, weisse Spiele!! Dass die Linken da dagegen sind, kann ich nicht verstehen. Das wäre doch mal die Chance für eine Olympia-Umkehr! Und zum Argument Geld: Bei der Expo, die nun wirklich überhaupt nicht nachhaltig war, hatte die SP und Co keine Bedenken, Milliarden in den Sand zu setzen. Aber wenn statt den Kulturschaffenden nun einmal was für die Jungen, den Sport und das internationale Ansehen gemacht werden soll, wird wieder gekniffen.

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  • Nussbaumer am 08.11.2012 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Dazugelerent?

    Ich bin unbedingt für eine Kanditur der Schweiz. Ob wir dann den Zuschlag bekommen, ist ein anderes Kapitel. Erinnert euch an Sion. Da haben es einige Medien (besonders aus der Romandie) "verkachelt. Korruptionsvorwürfe ohne handfeste Beweise und ein Gerichtsverfahren sind eben meist kontraproduktiv. Hat man hierzulande etwas dazugelernt?

Die neusten Leser-Kommentare

  • bruno am 09.11.2012 12:09 Report Diesen Beitrag melden

    10% mehr steuern, bündner

    ich hoffe sehr das den bündnern mindestens 10% mehr steuern angehängt werden und das für die nächsten 20jahre !!!!!

    • Fabio, Bündner am 09.11.2012 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Gerne.

      Bin ein mitt-20ger Bündner und bin ich gerne bereit diese steuerliche Mehrlast zu schultern - wir wollen etwas bewegen und unseren Kanton langfristig weiterbringen. Totsparen bringt uns nämlich auch nicht weiter - Investitionen sind nötig & mutige, visionäre Ideen sind gefragt.

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  • NickD am 09.11.2012 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Olympia NEIN!

    Nein zu Olympia! Riesige Geldverschwendung - kein Gewinn für Wirtschaft und Tourismus - dafür nur ein riesiger Schaden an der Landschaft/Umwelt.

  • Sportler am 09.11.2012 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Prestigeprojekt

    Bei den unter 18 jährigen ist die Zustimmung riesig, doch die können nicht abstimmen. Ich glaube kaum, dass olympische Spiele an der Urne angenommen werden. Schaut man in die Länder, die vergangene Spiele ausgerichtet haben ,sieht man, dass keine nachhaltige Wirkung betreffend Hotellerie oder Arbeitsplätze erreicht wurde. Die Ausgaben können nicht mit ein paar Tagen Sport nicht wettgemacht werden. Ich möchte die Tourismusverantwortlichen klagen hören, wenn in den Jahren danach viele Betten leer bleiben. Ich hoffe auf die Vernunft der Bündner!

  • Renato Wyss am 09.11.2012 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Kosten ausser Kontrolle

    Auch bei diesem Projekt, wie bei allen öffentlichen Budgetierungen werden die Kosten aus dem Ruder laufen. Wetten! Dass der Steuerzahler wie immer die Zeche bezahlen wird ist ja an der Tagesordnung!

  • Sauglattismushasser am 09.11.2012 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Die Jungen

    Junge Menschen denken eben nur an Parties und Events und wollen international wirken (auch wenn sie im Herzen eigentlich absolute Bünzlis sind). Sie leben in einer Welt, in der jeder Roger Federer kennt, aber praktisch keiner weiss, wer unsere Bundesräte sind. Das Olympia ein finanzieller Kraftakt ist, scheint diese Verschuldungsgeneration nicht zu kümmern. Zum Glück durchschauen das zumindest die älteren Semester (wobei bei ihnen wohl auch nicht die Umweltproblematik im Zentrum steht).

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