Parteienlandschaft

31. Mai 2010 08:00; Akt: 31.05.2010 15:59 Print

Schwule gründen «GaySVP»

von Monika Freund, SDA - Schwul und SVP - passt das zusammen? Rund 40 Parteimitglieder sehen darin keinen Widerspruch und haben die «GaySVP» ins Leben gerufen.

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Homosexuelle SVP-ler haben am Sonntag im Zürcher Volkshaus offiziell den Verein «GaySVP» gegründet. Die Gratulation der Mutterpartei blieb jedoch aus. «Auch in der SVP gibt es Homosexuelle», stellt der frischgewählte Vereinspräsident Beat Feurer aus Biel gleich zu Beginn klar. Von den rund 100 000 Parteimitgliedern seien sicher einige Tausend schwul oder lesbisch.

Viele würden sich aber lieber nicht exponieren, weil die SVP-Wählerschaft und auch viele Mitglieder «nicht aus Prinzip homosexuellenfreundlich» seien.

Regenbogen statt SVP-Sünneli

Als einige schwule SVP-ler im Dezember 2009 publik machten, dass sie sich zur «GaySVP» zusammenschliessen, waren die Reaktionen dementsprechend: Bei prominenten Parteimitgliedern sorgte die Idee der mehrheitlich jungen Männer für Kopfschütteln.

Von der Mutterpartei gab es eine Standpauke, weil der Verein ungefragt das Sünneli-Logo auf der Website platzierte. Das Sünneli ist mittlerweile verschwunden, das «GaySVP»-Logo zeigt jetzt einen Strudel aus Regenbogenfarben. Die Mitglieder finden es sehr gelungen, denn im Zentrum steht immer noch der grüne SVP-Schriftzug.

«Für uns das Wichtigste», sagte Feurer. «Wir bekennen uns ganz klar zum Parteiprogramm.» Schwule seien nicht automatisch links oder alternativ, sondern durchaus auch bürgerlich.

Nur bei den Rechten für Homosexuelle gibt es Abweichungen, etwa was die Adoption betrifft. Im Gegensatz zur Mutterpartei, die nach wie vor das traditionelle Familienbild vertritt, fordert die «GaySVP» das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare.

Da gelte es nun, innerhalb der Partei Sympathien zu schaffen. «Keine leichte Aufgabe», weiss Feurer jetzt schon. Wenn es um Schwule gehe, würden viele SVP-ler immer noch «merklich nervös». Der Verein hätte es beispielsweise gerne gesehen, wenn ein prominentes SVP-Mitglied an der Gründungsversammlung eine Rede gehalten hätte. Doch es kamen nur Absagen.

Offiziell wurden diese mit «Terminproblemen» begründet, weil am Montag in Bern die Session beginnt. Grund sind laut Feurer wohl eher noch «ein paar andere Probleme». Auch Parteipräsident Toni Brunner wollte zur Vereinsgründung nichts sagen. Er war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Frauen willkommen - aber erst eine dabei

Von Lesben war an dieser Gründungsversammlung kaum die Rede - aber nicht etwa, weil sie bei der «GaySVP» nicht erwünscht wären, sondern vielmehr, weil sie offenbar nicht wollen. Bis jetzt ist erst eine SVP-lerin offiziell dem Verein beigetreten.

Der Vorstand hofft nun, dass noch einige weitere diesem Beispiel folgen werden. Es gebe garantiert lesbische SVP-lerinnen, sind sie überzeugt. Nur würden sich Lesben generell weniger engagieren als Schwule.

Vielleicht ändert sich das ungleiche Geschlechterverhältnis am kommenden Wochenende: Da hat die «GaySVP» ihren ersten öffentlichen Auftritt. Sie wird am Umzug des Zürcher Pride Festivals (ehemals Christopher Street Day) mitlaufen und um Mitglieder werben. Wie das aussehen wird, will Feurer aber nicht verraten.

Auch schwule CVP-ler wollen sich zusammentun

Die «GaySVP» ist in der Schweiz nicht die erste Homosexuellen-Vereinigung, die aus einer Partei hervorgegangen ist. In der FDP kämpfen die «Radigal» um homosexuelle Anliegen, in der SP ist es die Fachkommission «Sexuelle Orientierung und Identität». Noch keine solche Gruppierung gibt es bei der katholisch orientierten CVP. Entsprechende Bemühungen sind gemäss «GaySVP» aber im Gang.